Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 24 (2.12.1923)
- Date
- 1923-12-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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: Seite 14 ._, _______jffi . WA safcion< iuid TUtfen, ja schreien gebieterisch nach Abstellung. Ein dahin zielender Antrag fordert die Aktion. freii\vrmgc.r Aufsiciitsorgane. aus der Mitgliedschaft der Chewra Kadischa, die legitimiert nach dem Rechten sehen sollen. So heischt es nicht nur die Würde . der Chewra als solche, sondern die jüdische Würde und das Gebot der Pietät. Offenbar war der geehrte Versaaninlungsileiter, Herr Präsident Dr. W. .P a p p e n h e i m, gleicher Gesinnung, aber wenn er -sich in. seiner Bedrängnis zu der Verlegienheitebemerkiing verleiten ließ, daß in einer Großstadt wie Wien nicht jener rigorose Maß&taib angelegt werden könne wie an eine kleine Kehilla, dann müssen wir entgegnen: „Mit Verlaub, Herl- Präsident: Studieren Sie die Verhältnisse in Prag und Budapest, wo die Chewra Kadischa ihrem Namen entsprechend wirklich eine Heilige Bruderschaft ist und sich durchaus als solche fühlt" Auch eine weitere Bemerkung, als ob die Wiener Chewra Kadischa eine Wohltätigkeitsanistalt wäre, müssen wir ablehnen,, den.ro Wien hat so viele und segensreich wirkende Wohlfahrtsanstalten, daß die Chewra gänzlich ins Hintertreffen rückt. Ihr ist ein Reinigiungsprozeß an Haupt und Gliedern dringendst zu empfehlen. Die Ehre des deutschen Volkes. Einer Abordnung Münchner und auswärtiger Journalisten, die vom öeneralgewaltigen Bayerns Dr. v. Kahr empfangen wurde (i n W i r k 1 i c h k e i t ist Herr Hitler, der Diktator gewesen) sagte ersterer: „Vor allem müssen wir die Ehre und die Achtung in der Welt wieder erringen. Die Ehre ist die Seele im Leben eines Volkes. Das deutsche Volk hat infolge des langen Krieges und der schweren Wirkungen, die sich daraus ergeben haben, nicht so seine Ehre verteidigen können, wie es hätte sein sollen. Das muß anders werden. Wir müssen uns die E h r e u n d Achtung im Voikcrverkehr wieder verschaffe n und wieder erkämpfen; wir müssen uns vor allem gegen die Lüge von der. Schuld oder Alleinschuld des deutschen Volkes am Weltkrieg und von den deutschen Kriegsgreueln mit aller Kraft wehren und dazu will ich das deutsche Volk aufrütteln, soweit es in meiner Kraft und in meinem Arbeitsbereich liegt/' Also sprach Doktor v. Kahr und etwa vier Wochen später hatten Hakenkreuzler in der bayerischen Metropole und auch in anderen Städten des Landes den jüdischen Mitbürgern die Ausweisung zukommen lassen und sonstige Gewalttätigkeiten an ihnen verübt; hatten t, .Sachsen mit Bürgerkrieg überzogen und schließlich .einen mißlungenen Putsch gemacht. Während man in Koburg mit den dort ansässigen Juden noch glimpflich verfuhr und sie „bloß" abschaffte, wirkte sich 'der deutsche Geist in Berlin weit nationaler in Mißhandlungen, Raub und Plünderungen aus. Die Berichte über solche Schandtaten muten wie ein Echo russischer Pogroms an. Auf solche Art wird die „Ehre und Achtung im Völkerverkehr" wahrlich nicht geschaffen, sondern eher bis auf den letzten Rest vernichtet. Ob das deutsche Volk Schuld oder nicht Schuld am Weltkrieg hat, dieser unfruchtbare Streit um den Bart Kaiser Wilhelms ist-belanglös, aber man kann nicht ohne weiteres gutheißen, daß eine Nation, die von dem Ruf eines Volkes der rigHEHV___1_________ , Nr. 24 - Dichter und Denker zehrt, den Geist finstersten Mittelalters blutrünstiger Judenverfolgungen herauf-, beschwört. Fritscheana. Am 27. Septemberd. J. stand der Herausgeber der antisemitischen Zeitschrift „Der Hammer", Herr Theodor F r i t s c h, vor dem Staatsgerichtshof wegen in diesem Blatte gegen Walter Rathenau veröffentlichten beschimpfenden und schmähenden Ausdrucken. Bezeichnend ist, daß nicht seitens der Familie des ermordeten Ministers, sondern durch den Zentrumabgeordneteri Merkel die Anzeige erstattet wurde. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung des Angeklagten zu vier Monaten Gefängnisstrafe, sechs Millionen Mark Geldstrafe und Zahlung der Prozeßkosten. Herr Theodor Fritsch hat in seinem „Hammer" aus diesem Prozeß eine große Sache gemacht und sich dabei bedeutend in Szene gesetzt, was man ihm nicht unbedingt verargen kann, denn es sei uns die Variation eines bekannten Sprichwortes gestattet: Hämmern gehört zum Handwerk und sein Handwerk versteht der Mann aus dem ff, was nicht 1 sagen will, daß er dafür auch den Befähigungsnachweis erbringen kann. Aus seinem curriculum vitae, das er im Verhandlungsbericht auftischt, erfahren wir, daß er ursprünglich im Müllereifach sich betätigte, später volkswirtschaftlich dilettierte und von da ab in Judenhetze machte. Auch dagegen ließe sich nicht viel sagen, denn viele, die sich dem gleichen Berufe widmeten, hatten nicht' einmal diesen Bildungsgang.. Siehe den ehemaligen TapezierergeMfera Hitler, der sich zum Diktator Bayerns hinauf spekulieren wollte. Im Bewußtsein des eigenen Werdeganges hat er aber nie gewagt, die Unkenntnis jüdischen Schrifttums durch -publizistische Schnitzer bloßzulegen. Herr Fritsch ist nicht so blöde, er gebärdet sich als Talmudvertrauter, was ihm nicht schwer fällt, da er nur in den antisemitischen Müllkasten zu greifen braucht und stets so viel Material findet, als er braucht, als nämlich andere dahin abgelagert haben. So kann also das Charakterbild des Mannes, den sein Rechtsanwalt als „treuen Ekkehard des deutschen Volkes" angesprochen sehen will, nicht mehr schwanken, Es ist nur noch zu sagen, daß der Verurteilte an mehreren Stellen des Eigen-' berichtes schreibt, der Präsident habe die guten Absichten und reinen Motive des Angeklagten anerkannt. Diese Meldung steht in unerklärlichem Widerspruch zu der Tatsache, daß das Gericht die vom Reichsanwalte beantragte Strafe von drei Monaten auf vier Monate erhöht hat, was bei mildernden Umständen wohl nicht der Fall gewesen wäre. Nach einer anderen Version hatte der Vorsitzende zur Begründung des Schiedsspruches auf das „Niederträchtige" hingewiesen, das in der Beschimpfung des toten Rathenau gelegen sei. So ganz an die Wahrheit hat sich also Herr Fritsch auch hier nicht gehalten. Auffindung eines Hasmonäergrabes in Palästina. In der Nähe des Flusses Kidron wurde das Grab einerPriesterfamilie ausgegraben, das aus der Hasmonäerperiode stammt. Der Jüdische Nationalrat von Palästina (Waadl Leumi) und das Oberrabbinat beauftragten eine offizielle Kommission, den Transport der Särge zu überwachen.