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Die Wahrheit · 1923-12-02 · Heft 24 (2.12.1923) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 24 (2.12.1923)
Date
1923-12-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 DIE WAHRHEIT d iirag s k am p a g ne einsetzte, und dort waren die e .r s :t e n j ü d; i s c h e n A p o 1 o g e t e n auf den Plan getreten: der Philosoph P h i 1 o und der Geschichtsschreiber J o s e p h u s. Aber Philo verteidigte~das Judentum in aristokratischer Weise, er verherrlicht es und zeigt, daß sich daran alles Große der Menschheit findet und ganz ähnlich verfährt Josaphus. Seit sich in späterer Periode das Judentum gegen das Christentum verteidigen mußte, hatten die Juden keime Möglichkeit des Angriffes, war ja die . Gefähr zu groß, sich der angewandten Apologetik zu bedienen. Leider ' verfing diese aristokratische Methode nicht. Weder in jener Zeit, noch im Mittelalter, noch auch nach der Emanzipation; man suchte eben nicht die Judenfeinde zu packen und an den Pranger zu stellen. Es ist freilich nicht angenehm, sich mit Giftmischern abzugeben, aber wenn man in späteren Zeiten daran denken wird, was für Leute heute d e u t s c h e; J u g e n d (!) mitzureißen vermögen, dann wird solche Schande n i cht uns Juden treffen. Den Massen, die alles, ja selbst das Unsinnigste zu glauben geneigt sind; muß man zeigen, was. für Leute diese Giftmischer sind und welche Interessen sie leiten. Erst Dr. Josef S. Bloch hat in vorzüglicher Weise dies verstanden, den Kampf in diese Bahnen gelenkt und vom dem sicheren Bollwerk der parlamentarischen Tribüne den Gegnern Aug in Aug standgehalten. Trotzdem war es eine bedeutende Sache, vor mehr als 40 Jahren in Wien, der.Hochburg des Antisemitismus, den blutrünstigen Feinden sich allein entgegenzustellen. Aber Bloch hatte diesen Wagemut, unterstützt von einem, vor nichts zurückschreckenden persönlichen Mut und einer das ganze Gebiet jüdischen Schrifttums ausschöpfenden Gelehrsamkeit, die ihn befähigte, schlagkräftig den Gegner zu entwaffnen. Doch neben diesem Großkampf gegen die Häupter im damaligen österreichischen Antisemitismus, hat Bloch in unerschrockener Weise einen langjährigen zähen Kleinkrieg wider ihre Mitläufer geführt und blieb immer auf der ganzen Linie Sieger, Nicht war es dem wackeren Streiter um Mertschenlohn und Menschenlob zu tun, es ist ihm auch anfangs wenig davon geworden. Denn heute versteht man es wohl, wenn man, einen Fälscher und Meineidigen entlarvt und in den Gerichtsaal bringt; er verschwindet dann, so wie jene Menschen verschwanden, an die sich B1 o c h herangemacht. Seine Zeit aber hat es gar nicht verstanden und man nahm es ihm auf jüdischer Seite vielfach übel, daß er sich dieser Aufgabe unterzog, und mit Erfolg unterzog; eine Aufgabe, die heute dringender wäre denn je, den bewußten Fälschern die Maske vom Gesicht zu reißen und der Welt zu zeigen, was für Menschen den Glauben des Volkes mißbrauchen. Dafür jedoch ka,ii>n uns der Verstorbene als Wegweiser diienen, denn der Rabbi. B 1 o c h fühlte seine Mission und er ist ihr bis ans Ende seiner Tage treugeib'lieben. Deshalb ist er auch nach seinem Todie glücklich zu preisen! H. Ein Wort an den „Rsichswart". Graf Ernst zu Reventlow ist ein Gentleman; weniger durch seine Gesinnung als durch Stand und Erziehung. Alter holsteinischer Adel. In diesen Kreisen galt es als Pflicht, das heranwachsende Geschlecht für seinen Beruf als Stütze des Altars und Thrones heranzubilden, nicht bloß edelmännischen Firnis aufzutragen, sondern der Pflege des Geistes, der Festigung des Charakters alle Sorgfalt zu widmen. Gewiß ist auch der Herr Graf zu Reventlow durch solch eine Schule gegangen. Gewiß auch wird es ihm deshalb ein bedeutendes Intelligenzopfer und einige persönliche Selbstverleugnung kosten, in dem von ihm herausgegebenen „Reichswärt" ein anderer zu sein, als er nach seiner Wesensart ist. Den Mann von Geschmack verleugnet er auch darin nicht, daß er sein Blatt nicht mit dem Kainszeichen der Hakenkreuzler behaftet. Aber auch in anderen Belangen sollte er sich dessen bewußt sein und darnach verhalten, daß Vornehmheit verpflichtet. Der Herr Graf würde sich vielleicht eher die Zunge abbeißen, als im Verkehr mit seinesgleichen eine Lüge zu sagen; lieber die Hand abhauen lassen, als eine Fälschung zu begehen. Doch sobald er sich an den Schreibtisch setzt, schwinden alle chevaleresken Bedenken. Wir können nicht entscheiden, ob Graf Reventlow im Haupt- oder Nebenberuf der Herausgeber des „Reichwart" ist. Vielen ist die Herausgabe eines antisemitischen Hetzblattes sehr lohnende Hauptbeschäftigung. In diesen Troß der „katilinarischen Existenzen" ist Graf Reventlow nicht einzureihen. Wenn je ein auf den Kopf gestelltes Sprichwort von eindringlicher Wahrheit, dann gilt es hier: Quod licet bovi, non licet jovi. Mittel, die gewerbsmäßigen, befähigungsnachweislosen Tintenkulis des Stinnes-Konzerns erlaubt sind, weil sie nicht anders können, müssen unter der Würde eines deutschen Grafen vom Profil Reventlows stehen. Die Wiederkäuer Dinters, Blühers, Delitzsch Sohn und ähnlicher verlieren nichts bei ihrem Gehaben. Ihre Stiliibungen geben uns höchstens gelegentliche Sammlungen für" die Rubrik „Aus dem Irrgarten der Dummheit". Wenn jedoch der „Reichswart'* ein ähnliches Niveau hält, kann ihm ein mitleidiges Vorbeisehen nicht zugute kommen, denn hier liegt bewußte Unwahrheit, perfide Entstellung gegen besseres Wissen und Gewissen offenkundig vor. Zu solchen Bemerkungen hat uns der Artikel „Zionistische Sorgen" im „Reichswart" vom 3. November angeregt, der berserkerwütig über Juden und Judentum ^herfallt, und zwar mit ebenso schmutzigen wie abgebrauchten Warfen des völkischen Arsenals. Das soll an einigen Stichproben aufgezeigt werden. Der „Reichswart" reibt sich an einer Kritik der „Jüdischen Rundschau", die das Treiben der Hakenkreuzler in Oesterreich zum Gegenstand hatte, die vom Organ des Grafen Reventlow —* wie denn auch anders? — verteidigt werden. Dabei kriegen auch „blutmäßig oder geistig verjudete oder von Juden abhängige Theologen'1 eines weg. Kann der Herr Graf Reventlow wirklich nicht glauben, daß es Männer der Wissenschaft gibt, die aus tiefster Ueberzeugung gegen den Antisemitismus zu Felde ziehen und glaubt er, daß alle Wahrheit nur beim „Reichswart", „Hammer", „Sturm",-.^Weckruf" und

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