Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 24 (2.12.1923)
- Date
- 1923-12-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 24 erlitt dien Märtyrertod. Es war" der Geist, um den gekämpft und in dessen Zeichen der Steig, errungen wurde. „Nicht um Reichtum, und nicht um Macht, um meinen Geist allein, spricht der Herr Zebaoth." Ist es nicht - äi der Gegenwart derselbe Idealismus, der das Judentum beseelt? Gewiß, wie jedes Volk, hat auch das jüdische seine minderwertigen Söhne und Töchter und wie jedes edle Metall hat es auch seine Schlacken. Aber gleich dem Hohepriester Josua wirft es die unreinen Geiwänder ab und steht h o c h und' -rein da. Der Zug dies Idealen hat das Judentum auch in den letzten Jahrzehnten beseelt und Großes hervorgebracht; nicht bloß in der Urheimat, wo aus den alten Ruinen ein neues Leben erblühen soll, sondern auch in den Ländern der Diaspora, wo gegenseitige Hilfe, . igegenseitigie Förderung, gegenseitigie Rettung den Beweis erbrachte, daß das jüdische Herz noch, nicht erschlaifft ist und daß dier jüdische Idealismuis Gold und Sidibei; und alle Edelsteine und alle Wertgegenstä/nde gerne hingibt, um Tränen zu trocknen, Hunger zu stillen, Greise zu erhalten und Kinder zu ernähren. Ein solches Aufflackern dies jüdischen Geistes erlebten wir vor wenigen Jahren, als die Sorge midi der Hunger bei ums in Oesterreich zu Gaste waren und unsere Brüder über allen Grenzen hinweg uns die Hand reichten. Und jetzt ist ani ums die Reihe 'gekommen, Gleiches mit Gleichem, Gutes mit Gutem zu vergelten. — Dunkel umd finster ist es jetzt in den Herzen vieler Glaiubensbrüder iini DeutscMand. Allein, siehe da, überall, wo der jüdische Geist wach ist, regt sich das Bestreben, ihnen beizustehen und dier Ruf: „Ich suche meine Brüder", "verhallt nicht vergebens und, wenn wir die kleinen L i c h 11 e i n a n z ü m d e n w e r d e n, w i r d ini allen Gotteshäusern d er Hil fe ruf ertönen für d i e No t leide n de n und Groß u n d K1 e i n wird sich best r e b e n, n a C.h Kräften jenen uralten'• jüdischen Idealismus z_u betätigen,' der einzig u n d a 11 e i n das sc h w a c h e L ä m m c h e n u n t e r d e Wölfe ni a u f r e c h t e r h ä 11. „N i c h t d -urc-h Reicht ui m undn i e b t d u r e h Mac h t, s o n d e r n d u r c h d1 e n G e i s t a> i 1 e i n." Zionistische Probleme. Während der letzte Karlsbader Zionistenkongreß eine ununterbrochene Kette kritischer Tage bedeutete und schwere Wetter niedergingen, gestaltete sich der .am 14. und 15. November dieses Jahres abgehaltene Delegiertentag der österreichischen Zionisten vergleichsweise zu einer Idylle, Damit soll nicht gesagt werden, daß die vielen Köpfe eines Sinnes waren. Wie immer, und ganz besonders in zionistischen Fragen, stoßen sich im Räume hart die Dinge. Aber es war doch nur eigentlich ein Parademarsch der Theorien, eine Revue vorgefaßter Standpunkte, von denen jeder als der allein richtige, allein zum Ziele führende hingestellt wurde. Insoweit hatte dieser Delegiertentag für uns kauni\ehi Feuilleton feill Verein für Verbesserung der religionsgesetzlichen Stellung der Jüdinnen. Unter dieser 'Flagge ist eine Gruppe orthodoxer Londoner Jüdinnen vor etwa einem Jahre hervorgetreten. Das Präsidium des Vereines bilden Miß L e s s e r, eine Enkelin des verstorbenen Chiefrabbi Dr. Nathan Adler, die Gattin des Londoner Rabbiners Mäch. Adler, und die den englischen Zionisten nahestehende, wie die anderen beiden Dalmen auf sozialem, insbesondere jüdiseh-charitativeim, Gebiete erfolgreich wirkende Miß Hands. Den konservativen Charakter seiner Leitung zu betonen, hielt es der Verein in seiner an den Schreiber dieser Zeilen gesandten Zuschrift für geboten, von vornherein darzutun, daß diese Vorkämpferinnen für eine Erweiterung des .rel'igionisigesetzlichen Schutzes der jüdischen Frau den Boden des über- Jiieferten Judentums keineswegs zu verlassen im Sinne halben. Sie wollen sich den Enitscheidüngen eines raibbinflischen Zentralratels 'unterwerfen. Für einen solchen soll der Verein mit Hilfe von Fachmännern bestimmte Forderunigen und Anregungen formulieren. Allerdings knüpft das erwähnte Rundschreiben an die bekannten Vorgänge im Heiligen Lande an, als die Einführung eines bürgerlichen Gesetzbuches in Frage kam, mt dem auch eine Revision der; Handhabung der bishler geltenden Ehege&etze vorgesehen war. Daß „die Rabbiner der Türkei", die übrigens nicht näher bezeichnet werden, „eini System zur Einführung empfohlen haben", das den Wünschen des Vereines entgegenkommt, wird' 'hervorgehoben. Daese Wüinlsche werden in einer .gedruckten Beilage näher bezeichnet. Wir entnehmen ihr die folgenden Stellen: ■ \ „Zu 'dien ernstesten Schwierigkeiten, die aufs den Fo r der umwg en des jüdischem Gesetzes hervorgehen, gehören: 1. Die allgememe Stellung!, die der Ehefrau bei der Ehescheidung zugewiesen ist, umd besonders, die Unmöglichkeit, <die Auflösung der Elüe aus irgendwelchem Grunde zu erlangen,: es sei denn dadurch, daß der Ehemann die Scheidung gewährt; 2. die Notwendigikeit, daß die Witwe; des ■Mannes, der ohne Kinder verstorben ist, durch den Bruder ihres verstorbenen Ehemannes freigielgeben werden muß, faillsi sie eine neue Ehe zu schließen wünscht; 3. die Beschränkunigen, die den Abkömmlingen Ahroms. bei der Brauitiwahl auf erlegt sind;. 4. das Recht dersephardiscben Juden, polygam zu leiben, wo dies nicht durch das Staatsgesetz verlboten ist. Die organisatorischen MängeJ^ die am häufigsten zu. Quellen dies Unglücks ^werden,- sind folgende: 1. Die Rabbiner bestehen nicht überall auf die Registrierung der Eheschließungen; in vi eilen Ländern wind dies von den ärmeren Klassen