Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 24 (2.12.1923)
- Date
- 1923-12-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT MÖK unabhängige zeifsdiriH iQr jfidisdie Interessen NU dem Delblatf: Veröffentlichungen der ..Union deufschösferreidiisdier Joden Redaktion und Administration: Wfien Hdn«£Stfr«0« 13. - Fernruf 42-2-16 XXXIX. Jahrgang Wien, 2. Dezember 1923 Nummer 24 Chanuka. Eine Betrachtung von Rabbiner Dr. M. Rosen- . . _ man in . Im Midrasoh wird berichtet, daß einst der römische Kaiser Hadrian dem jüdischen Weisen Josua zurief: „Weich merkwürdig starkes Lamm ist Israel, das inmitten zahlreicher Wölfe weilt und sich trotzdem behauptet1' „0 nein'*, antwortete der Weise, ,;stark -und groß ist nur der Hirte, der es beschützt und rettet und seine Feinde vernichtet." Denn iso hat der Ewige durch den Mund seines Propheten verheißen: „Jede Waie, die gegen Israel geschmiedet wird, versagt und jede Zunge, die Israel verklagt, wird verdammt." Und in der Tat ist der Fortbestand unseres. Volkes bis zur Gegenwart ein Rätsel, das .nur durchVdas Eingreifen des Ewigen allein genügendi erklärt werden kann. Dreimal im Jahre feiert Israeli seine Errettung aus der Macht von Fein/den, die es an Stärke und List weit überragt hatten, und denen es trotzdem entkam. Pjk'a rao, Harn a n< und A n t i o c h u s sind die drei typischen Gegner des. Judentums und Pessach, Puriim und Ghamuka sind die Feste zur Erinnerung an die Ueberwindung derselben. Alle diese Feinde, so gleich sie einander im Hasse waren, so unterschieden sie sich dennoch in den Waffen, die sie brauchten, um Israel zu vernichten. In Aegypten, wo eine geschlossene Priesterkaste das Volk im Banne hielt, da knechtete Pharao Israel unter dem Vor wände und der Ausrede: „loh mag Adonaj, den Judengott, nicht anerkennen." Im Perserreiche, wo der Nationaligeist alles beherrschte, stachelte Haman den Haß des Königs Ahasvercis gegen das jüdische Volkstum auf, indem er me-nte: „Isiael ist ein Vcte von eigener Art, dessen nationale Sitten von denen derandenn Völker abweichen." Im syrischen Staat, wo die griechische Weltkuiltur üppig blühte, da versuchte Antioehus Israels Geist und Weltanschauiung als liedirig zu bekämpfen und „verunreinigte" das Oel, aus dem Israels Geist emporloderte. Pharao kämpfte gegen Israels Glaube, Haman gegen Israels Volkstum, Antiochus gegen Israels Geist.'Und dieser •dreifache Kampf, er tobte in der Folgezeit durch die ganze Geschichte und auch in den letzten Jahrzehnten waren es dieselben Waffen und Anklagen, die gegen den Bestand des Judentums geschmiedet und gerichtet wurden. Am Ausgange des verflossenen Jahrhunderts, als die staatliche Machtnoch kri Banne klerikaler Anschauungen ilag, dahörte man oft, -daß" Adonaj, der Gott Israelis dem Gotte der Tochterreligion nachstehe und als der nationale Chauvinismus überhandnahm und die öffentliche Meinung beeinflußte, da bildete Israels V o 1 k s t u m, seine Abstammung, den Zielpunkt aller Angriffe: „Israel sei ein Volk, desse m nationale Sitten ander s s ei e n." Und jetzt, da der nationale Haß durch den s o z i a 1 g e f ä r b t e n abgelöst wird, oder mit ihm zusammen als „national-sozialer" sich vereinigt, wird die dritte Waffe gegen das Judentum geschwungen. Da heißt es, Israel sei materialistisch gesinnt, sei goldgierig, genußsüchtig, kenne keine Ideale, keime höheren Ziele als den Erwerb, das Geschäft, den Mammon und müsse daher vom volkswirtschaftlichen, national-sozialistischen Standpunkt bekämpft werden. Das Lichtfest soll hierauf die Antwort geben durch jenen Vers des Propheten, welcher klar und deutlich lautet: „Nicht um Reichtum und nicht um Macht, sondern um meinen Geist allein, spricht der Herr Zebaoth." Die Sagen der Griechen und der germanischen Völker berichten von . blutigen Kämpfen, welche einst ganze Volksstämme geführt haben, um aus weiter Feme das gold.ene Vlies heimführen zu können. Und wer die Eroberungszüge der Spanier und Portugiesen, der Holländer und Engländer in den neuentdeckten Ländern Amerikas aus den historischen Berichten kennt, weiß, daß von ihnen das Dichterwort gilt: „Am Golde hängt, nach dem Golde drängt alles." In der Geschichte des Judentums ist kein einziger Vorfall bekannt, nach welchem mit Zustimmung der führenden Geister um Geld und Gold gekämpft worden wäre. Selbst der Tanz um das goldene Kalb ist von unserem Führer Moses hart verdammt worden. Was aber die ruhmreiche Vergangenheit erfüllt, ist das Ringen um Ideale, um V/ahr he it, um Licht. So war es zur Zeit der Maikkabäer. Mattathias, der schlichte Priester aus der kleinen Stadt Modim, hatte den Ruf ausgestoßen: „Wer ist unter den Götzen wie Adonaj?" Das war ihm das Teuerste und das Höchste und dieser Ruf flog von Gau zu Gau, von Hoi zu Hof, daß die Männer Hab und Gut, aber auch Leib und Leben opferten, um diesen Idealen anzuhängen. Doch nicht bloß rüstige Männer, auch schwache Greise nahmen den Heldenkampf auf, wenn auch ohne Schwert und Lanze. Eliesar, der alte Mann, widerstand der Folter und1 den Martern, ohne selbst zum Scheine die heilige Lehre übertreten zu wollen. Hanna mit ihren Söhnen folgte seinem Beispiele, leistete Widerstand und