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Die Wahrheit · 1923-11-16 · Heft 23 (16.11.1923) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 23 (16.11.1923)
Date
1923-11-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 DIE WAHRHEIT Nr. 25 Theater, Kunst u. Literatur Vorträge über Dr. Bloch. Am 24. v. M. sprach, wie bereits berichtet, Prof. Simon im „Verein derTempelfreunde" über das politische Wirken des seligen Dr. Blochs. Der Vortragende erklärte gleich eingangs, daß er es nicht als seine Aufgabe betrachte, die wissenschaftlichen Leistungen des Verstorbenen zu würdigen. Nur über seinen öffentlichen Kampf für die Rechte und für die Ehre des Judentums wolle er sprechen. Er erinnerte an das erste öffentliche Auftreten Blochs in Wien zurzeit der anarchistischen Arßeiterunruhen. Damals habe Bloch in Arbeiterversammlungeh die Wertschätzung der Arbeit und der Arbeiter bei den Juden dargelegt und bei den ersten Pionieren der modernen Arbeiterbewegung eine vorurteilsfreie Autfassung des Judentums durchgesetzt. Als der Professor für Kirchenrecht an der Prager Universität, Dr. Rohling immer unverhohlener die jüdische Religion der Befürwortung des Ritualmordes beschuldigte, eröffnete Dr. Bloch jenen bekannten zähen Kampf gegen Rohling, der mit dessen vollständiger Vernichtung endete, und als wenige Jahre später Pfarrer Deckert mit gleichen Beschuldigungen auftrat, nahm Dr. Bloch mit demselben durchschlagen Erfolg den Kampf wieder auf. Der Vortragende besprach sodann eingehend die parlamentarische Wirksamkeit Blochs, dessen profundes Wissen, dessen Schlagfertigkeit und unversiegbarer Humor den Gegnern schwere Niederlagen brachten. Bloch war ein unbedingter Anhänger der Versöhnung der Völker auf dem Boden vollständiger Gleichberechtigung. Er stand mit dieser Ansicht im entgegengesetzten Lager der* überwiegenden Mehrzahl der Wiener Juden, die in bedauerlicher Kurzsichtigkeit die deutschliberale Partei unterstützten und ihn und seinen Gesinnungsgenossen Fischhoff verkannten. Den Quertreibereien des Polenklubs war es endlich gelungen, Dr. Bloch zur Niederlegung seines Mandates zu veranlassen. Fortan kämpfte Bloch mit gleicher Unerschrockenheit gegen jüdische und nichtjüdische Antisemiten in der von ihm begründeten „O e s t e r r e i c h is c h e n Wochenschrift" und in der von ihm ins Leben gerufenen „Oesterreichisch-Israelitischen U n i o n". Bis in sein spätes Alter zur Verteidigung des Judentums tätig, hat ihm erst der Tod die Feder aus der Hand genommen. Das Wirken Dr. B1 o c h s war nicht vergeblich. Hat er auf der einen Seite dem Ritualmärchen den Boden gründlich abgegraben, so hat sein. Vorbild die Lethargie der Westjuden endlich besiegt. Er hat nicht wenig dazu beigetragen, das Selbstbewußtsein, insbesondere der jüdischen Jugend zu wecken und ihre Kampffreudigkeit zui Verteidigung des jüdischen Namens, ihre Begeisterung für das Judentum anzufachen. — Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur bot am 8. d. M. Prof. Dr. S. K r a u s s in einem Vortrage über „Doktor Josef Bloch als Gelehrten und Schriftsteller" ein mit Liebe gezeichnetes Bild dieser, sonst meist nur als Politiker gewürdigten, historischen Persönlichkeit. Der Beifall des zahlreich erschienen Publikums bezeugte die tiefe Wirkung. Vortragszyklus. Zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse aus Geschichte und Schrifttum des Judentums wird Sr.Ehrw. Herr Rabbiner Prof. Dr. J. Drobinsky im Winter 1923/24 innerhalb des Freitagabendigottesdienstes im Tempel, Wien VI., Schmalzhofgasse 3, einen auf mehrere Jahre berechneten und bis auf unsere Tage sich erstreckenden Vortragszyklus über „Jüdische Denk e r, i h r e Z e i t und ihre Gedankenwelt" abhalten. Der 1. Teil dieser Vorträge (Talmudisches Zeitalter) begann Freitag, den 4. November 1922 und wird bis 17. März 1924 alle 14 Tage fortgesetzt. Josef Grob in Lemberg. Auf seiner Vortrags- Tournee weilte unser Mitarbeiter, Schriftsteller Jose! Grob, auch in Lemberg, wo ihm von der dortigen jüdischen Bevölkerung ein herzlicher Empfang bereitet wurde. Am 1. November fand im „Jad Charuzim", dem größten Vortragssaale in Lemberg, ihm zu Ehren ein großer literarischer Abend statt, an welchem Grob seine bekannten Humoresken und Satiren zum Vortrage brachte. Dr. M. Ge i e r eröffnete den Abend mit einem ausführlichem Referate über Grobs schriftstellerische; Tätigkeit, worauf der Gast, von dem in Massen erschienenen Publikum stürmisch begrüßt, am Vorlesetisch seine Schriften vorlas, die ununterbrochen von lebhaften Ovationen begleitet wurden. Der Lemberger Oberkantor B. Lwowitsch sang von Grob verfaßte und in Musik gesetzte Lieder und Frau Dr. Korn gut- Sucher begeisterte das Publikum durch ihr wunderbares Klavierspiel. — Von Lemberg begab sich Josef Grob nach Stanislau. Verein der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels. Am 7. d. M. erörterte im Verein der Tempelfreunde vor einem den Ausführungen mit sichtbarem Interesse folgenden Auditorium Prof. Dr. Samuel Krauss das Thema „Die jüdische Frau im Kultus". Im Anschluß an den lehrreichen Vortrag sprachen zu dem Gegenstande Obmann Dr. Ed. T h a 1 e r und Rabbiner Dr. G r u n w a 1 d. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß im Vortragssaal nicht serviert wird, somit auch kein E ß - oder Trinkzwang besteht. Volksoper. Der vielbefeindete Weingartner ist mit einer Neuinszenierung der seit Simons nicht mehr gegebenen „Königskinder" von Humperdinck herausgerückt. Wenn auch die Ausstattung des zweiten Aktes dieses melodiösen und poliphonisch eminenten Werkes etwas armselig anmutete, da man die guten alten Kostüme aus dem noch älteren Fundus (halb Meistersinger, halb Jüdin) mit Freuden begrüßte, muß man dennoch zugeben, daß Weingartner einen ersten und zweiten Akt auf die Szene stellte, die sich ruhig mit der Ausstattung der Staatsoper messen könnten. Die Aufführung war gut. Das Orchester besser als die Sänger. Nur Herr Gorav e s c u war auf der Höhe der Situation. Fräulein Gero besitzt eine — insbesondere in der Höhe — sehr ansprechende, weiche,. gut geschulte Stimme. Herr Tauber als Spielmann war trotz seines schönen Organs immer nur Tauber und kein Spielmann. In den kleineren Rollen taten sich S a 1 i n g e r (mit ihrem klangvollen Alt), Beer, Dörich und

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