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Die Wahrheit · 1923-11-16 · Heft 23 (16.11.1923) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 23 (16.11.1923)
Date
1923-11-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 3$ liehe Kultur spricht so, wie der Schluß dies Erlasses der italienischen Regierung ausklingt. Es besteht -kein Zweifel, daß diese Erleichterungen und Wohltaten eine stets steigende Zahl von Ausländern an unsere Universitäten führen werden, die damit ihre alte Tradition fortsetzen, alle Disziplinen der modernen Wissenschaft vermehren und gemeinsam mit Italien Kultur und Zivilisation fördern werden. Daß diese Anschauung eine richtige ist, konnte man im Kriege sehr oft beobachten, wo an österreichischen Universitäten ausgebildete Juden die treuesten Berater und geschicktesten Dolmetsche der österreichischen' Armee in entferntesten Gegenden waren. Diese Verbreitung der deutschen Kultur haben die österreichischen Universitäten selber unterbunden, weil sich die Professoren von unreifen Jungen die Gesetze haben diktieren lassen. Was Oesterreich leicht hätte haben können, wird jetzt Italien durch seine kultur- und menschenfreundliche Politik erlangen. Der Judenhaß wächst! Nur fester Zusammenschluß und Opferwilligkeit zu gemeinsamer Abwehr können dagegen helfen! Tretet der „Union deutsch-österreichischer Juden", Eurer bewährten Schutzorganisation, bei! Stärket unseren Preßfonds! Abonniert unser Organ „Die Wahrheit"! Tue Jeder seine Pflicht! IIIIII Hilfe für darbende Juden in Deutschland! Ein Winter von noch nie dagewesener Furchtbarkeit naht unseren Glaubensbrüder» im Deutschen Reich. st und Zagen drückt ihre Herzen. Elend ohnegleichen breitet sich in weitesten Kreisen aus. Das Gespenst des Hungers beidroht ungezählte Tausende. Rasche, ausreichende Hilfe ist das strenge Gebot der Stunde. Ein ernster Mahnruf ergeht an die gesamte Judenheit, sich ihrer Pflicht bewußt zu sein. Außerachtlassung könnte, niemand vor seinem Gewissen verantworten. Wir erwarten, daß keiner unserer Glaubensgenossen sich diesem Appell verschließe, keiner den verzweifelnden Brüdern die Rettung verweigere. Doppelt und dreifach ist die Summe, des Elends, dem sie in den politisch beunruhigten Ländern draußen ausgesetzt sind. Dementsprechend muß ihnen auch schleunigst Beistand1 werden. JAC. MAYER jg Wahrheiten vom Tage j Die jüdische Wahlgemeiuschaft im Lichte der jüdischen Presse. Man durfte wohl darauf gespannt sein, wie sich die verschiedenen Bekenner der Judenheit zu dem Ergebnis, beziehungsweise: dem Mißerfolg der Jüdischen Wahlgemeiuschaft stellen werden. Einige dieser Organe begnügen sich mit der Verzeichnung des Sachverhaltes, ohne besondere Glossierung, andere üben nach ihrem jeweiligen Parteienstandpunkt Kritik, die eft daneben greift. So schreibt die Prager „Selbstwehr" am 26. November: „24.494 Juden haben in ganz Wien für die Jüdische Wahlgemeinschaft' gestimmt, davon entfielen nur 9724 Stimmen auf den Wahlkreis Nordost, nur um einige hundert Stimmen mehr, als die Jüdischnationalen ohne die Demokrate!n vor drei Jahren aufgebracht hatten; daraus folgt, daß die Koppelung mit der Partei Dr. Schwarz-Hillers sich nicht bewährt hat." Die Folgerung der „Selbstwehr" ist eine grundfalsche, denn nach unseren, den Tatsachen entsprechendien Feststellungen im Leitartikel der letzten Nummer wäre das Ergebnis ohne Hinzunahme und Hinzutun Dr. Schwarz-Hillers ein weit schwächeres gewesen, — Der Wahrheilt wohl näher kommt die vor kurzem erschienene „J ü d 1s c h e W o c h e tisch r i f t" mit ihrem zutreffenden Artikel überdie jüdische Wahlgemeinschaft. Manche Stellen desselben decken sich mit den Anschauungen im leitenden Artikel unserer vorigen Nummer; so beispielsweise schrieb* die „Wochenschrift" : „Will man nicht überhaupt darauf verzichten, als jüdische Gemeinschaft die innere Politik zu beeinflussen — und es gibt viele Juden, die einem solchen Verzicht das Wort reden — so muß man offenen Blickes und unvoreingenommen den Ursachen •des so wenig befriedigenden Ausganges der letzten Wahlen in Wien nachgehen. Dann wird man vor allem feststellen müssen, daß die Bildung der jüdischen Wahlgemeinschaft rein organisatorisch ungenügend und überhastet vorbereitet und durchgeführt wurde. Die Proklamierung der jüdischen Wahlgemeinschaft kam zu einem so späten Zeitpunkte, daß ein großer Teil der jüdischen Wähler, uninformiert über die internen Vorgänge, sich bereits zugunsten anderer Parteigruppen engagiert hatte. Es ergibt sich aber auch die Feststellung, daß die Führer der Gruppen, die sich zu einer Wahlgemeinschaft zusammengeschlossen, nichlt alle Gruppenmitglieder in der Hand hatten, daß ferner nicht alle jüdischen Gruppen, die als zur Wahlgemeinschaft gehörig angesehen wurden, zum Beispiel die' der Aguda angehörenden Wähler, mit dem Herzen bei der Sache waren. Diese Kreise konnten sich selbst in dieser Frage nicht zu einer offenen, klaren Stellungnahme aufraffen. Ihre Stellung zu den internen alljüdischen Fragen hat auch auf diese innerpolitische Frage abgefärbt." Aus dem keineswegs loyalen Verhalten der Wahlgemeinsiehaft schließenden Parteien, folgert auch die „Jüd. Wochenschrift" die Unmöglich- Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Delailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborstraße 44

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