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Die Wahrheit · 1923-11-16 · Heft 23 (16.11.1923) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 23 (16.11.1923)
Date
1923-11-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Nr. M Schicksalsidee (I., 159). Der „Zweck des Lebens" ist der Grund des Darwinismus und des Marxismus. Fest steht ihm ja (I., 476) „die national-ökonomische Herkunft des Darwinismus, der schon auf die Pflanzenwelt nicht paßt. Albern ist es, wenn man Mimikry auf primitive organische Formen anwenden soll". ,,Es kann", so lesen wir IL, 36, mit restloser Zustimmung, „keine bündigere Widerlegung Darwins geben, als die Ergebnisse der Paläontologie". Nach Darwin „gäbe es nur Uebergänge, aber keine feststehenden Arten. Statt dessen gibt es aber nur feststellende und unveränderte Formen durch lange Zeiträume hin, die sich nicht etwa zweckmäßig herausgebildet haben, sondern die plötzlich und sofort in endgültiger Gestalt erscheinen, und die nicht in noch zweckmäßigere übergehen, sondern seltener werden und verschwinden, wäh-, rend ganz andere Formen schon wieder aufgetaucht smd. Es gibt nur „große Klassen und Gattungen der Lebewesen, die von Anfang an und. ohne Uebergänge in der heutigen Gruppierung da sind". Spengler verweißt auch auf De Vries' Mutationslehre (1886), nach der die Grundformen der Pflanzen- und Tierwelt sich nicht entwickeln, sondern plötzlich da sind. „Nach der Evolutionslehre könnte es weder abgegrenzte Erdschichten, noch einzelne Tierklassen geben, sondern nur eine einzige geologische Masse und ein Chaos lebendier Einzelformen, die im Kampf ums Dasein übrig geblieben". „Beweisen" heißt (I., 476) der Darwinismus: Tätsachen so ordnen und bildhaft erklären, daß sie zur „Entwicklung" passen. Darwins Erfolg erklärt sich nur aus dem latenten politischen Gehalt". Alles vortrefflich, im Sinne meiner „Monistischen Märchen". Aber sollte nicht doch zwischen naturwissenschaftlichen! Erkennen und ethischem Postulat zu unterscieiden sein? Für Spengler gibt es keine Ethik, ebenso wenig wie er die Logik gelten läßt Gegen Logik und Ethik. Und hier stehen wir vor dem Fundament, auf dem sich der ganze kühne Bau seiner Konstruktionen erhebt. Für seinen Weg lehnt er die Wissenschaft, als das Arbeiten mit Begriffen, als Verstandeswerk, entschieden ab. Die Wissenschaft versagt vollkommen vor den Fragen, die ihn im tiefsten beschäftigen, den Fragen nach Rasse, Zeit und Schicksal (I., 155). Sie gehören zusammen. „In dem Augenblick, wo das wissenschaftliche Denken sich ihnen nähert, erlält d!as Wort Zeit die Bedeutung von Dimension, das Wort Schicksal die von Kausalverkettung. Wofür wir eben noch ein sehr sicheres Gefühl besaßen, wird zu einem unübersehbaren Wirrwarr". Es entsteht (I., 168) über dem Reich von vers'tandenenj Sehdingen ein geistigeres Reich der Benenungen, das mit jenem die logische Eigenschaft teilt, rein extensiv geordnet und vom Kausalitätsprinzip beherrscht zu sein... (172). „Begriffe töten das Dasein und fälschen das Wachsein". Das geschieht „in der Theorie, indem nur Erkanntes als wirklich gilt und1 das Wirkliche als Schein und Sinnentrug gebrandmarkt wird. Das geschieht in der Praxis, indem die Stimme des Blutes durch allgemein elthische Grudsätze zum Schweigen verwiesen wird. Beide, Logik und Ethik, sind Systeme absoluter und ewiger Wahrheiten vor dem Geist und beide sind damit Unwahrheiten vor der Geschichte. Im Reich der Gedanken mag das innere Auge noch so unbedingt über das äußere triumphieren; im Reiche der Tatsachen ist der Glaube an ewige Wahrheiten ein kleines und absurdes Schauspiel in einzelnen Menschenköpfen. Ethik besteht in abstrakten Lebensgrundsätzen und Redensarten, unter deren täglichem Gebrauch das Leben so weiter strömt, wie es immer gewesen war". (Fortsetzung folgt.) Briefe an die Schriftleitung Lest Antisemitenblätter! .Jedermann weiß, daß zur erfolgreichen Durchführung des Abwehrkampfes eine ständige Ueberwachung der gegnerischen Presse unerläßlich ist. Es werden daher gewiß von Seiten der Redaktion der „Wahrheit" alle diejenigen Zeitungen ständig gelesen, die rein antisemitischen Schlages sind, und Sie müssen sich der sicher unangenehmen Mühe unterziehen, derartige Blätter auf ihren angreifenden Inhalt zu untersuchen. Dies kann jedoch nicht immer in dem Umfange geschehen, als es notwendig wäre. Einerseits infolge Ihrer Arbeitsüberbürdung, die ich als Mitarbeiter Ihres geschätzten Blattes kenne und die ich bei dem — auch wirtschaftlich — schweren Kampfe, den Sie führen, vollkommen begreife, anderseits wegen des Umstandes, daß nicht alle antisemitischen Blätter mit Ihrer Zeitung in Tauschverkehr treten und eine Abonnierung dieser..Wigkelblättchen, die oft hohe Bezugspreise verlangen, Ihr redaktionelles Budget zu stark belasten würde. Deshalb möchte ich den Lesern der „Wahrheit" zurufen: „Unterstützt auch in diesem Punkte euer Blatt in seinem Kampfe." Wie ich mir das vorstelle, will ich hier andeuten. Da es, wie oben ausgeführt, selbstverständlich ist, daß Sie alle in Frage kommenden Blätter nicht ständig halten können, ist es Pflicht unserer Glaubensgenossen, alle antisemitischen Veröffentlichungen, mögen sie in einem noch so unbedeutenden Dorfblatt stehen, 'an Ihre Redaktion zu senden. Es genügt eventuell, um Porto zu ersparen, auch ein Ausschnitt aus der betreffenden Zeitung, den Sie bei Quellenangabe gewiß auch verwerten können. Gerade in unbekannten Zeitungen finden sich heute, und das ist eine neue Taktik unserer Gegner, irgendwelche erlogene Geschichten, die dann von dort aus die. Runde durch ganz Oesterreich - und Deutschland machen. Hier gilt es, das Uebel gleich an der Wurzel zu packen, und die dunkle Quelle aufzudecken, an der solche Lügen fließen. Von ganz besonderer Bedeutung ist aber die Unterstützung seitens derjenigen Glaubensgenossen, welche Leser wissenschaftlicher Zeitschriften sind. Speziell in diesen finden sich des öftein Aufsätze, die mit größtem Erfolg für unsere Sache verwertet werden können. Deshalb ergeht an alle Bezieher fachwissenschaftlicher, schöngeistiger oder allgemeinbildender Zeitschriften der Ruf erhöhter Aufmerksamkeit und Mitarbeit. Dr. J. C.

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