Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1923-11-02 · Heft 22 (2.11.1923) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 22 (2.11.1923)
Date
1923-11-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064121-3064142--12429-3079879
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 22 DIE WAHRHEIT Vermischtes Kongreß der amerikanischen Juden. Vor kurzem fand in Amerika unter dem Ehrenvorsitz des Herrn Nathan Strauß ein Kongreß amerikanischer Juden statt, bei welchem eine Rede des als Gast anwesenden englischen Politikers Israel Zangwill auf starken Widerstand stieß, weil er die bisherige Palästinaarbeit der Zionisten einer scharfen Kritik unterzog. Beschlossen wurde auf dem Kongreß, daß man gegen die Einschränkung der Einwanderung nach Amerika bei der Regierung Schritte unternehmen und für eine Fortsetzung der Aufbauarbeiten im heiligen Lande und Einberufung eines jüdischen Weltkongresses eintreten solle. Der „ehrliebende Soldat". Die Seh lesische Reichswehr hat sich unlängst geweigert, mit dem zuständigen Referenten im Breslauer Oberpräsidium zu verkehren, weil dieser Pazifist und Jude sei. Und da die Schlesier „ehrliebende" Soldaten sind, so durfte ihnen ein solcher Verkehr naturgemäß nicht zugemutet werden und — der betreffende Referent wurde aus seiner Stelle entfernt. Böse Zungen allerdings behaupten, daß dieser Referent die Reichswehr weniger durch sein Judentum und seinen Pazifismus, als durch seinen Kampf gegen die Schlesischen Geheimorganisationen der bewaffneten Reaktion unangenehm aufgefallen sei. Judenreine Reichsverderber. „Finis Germaniae!" schickt sich Poincare an, auf die Trümmerstätte Deutschlands in Flammenschrift hinzuschreiben. Wahrlich, nur ein Wunder könnte Deutschland vor dem Ende mit furchbarstem Schrecken bewahren. Vergebens war das letzte Auskunftsmittel der Koalitionsregierung mit Stresemann an der Spitze, vergebens die Selbsterniedrigung vor dem unerbittlichsten Feinde Deutschlands. Das Anerbieten der Einstellung des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet kam reichlich zu spät. Poincare erkannte mit advokatischer Gewißheit, daß er jetzt die Kapitulation billiger als aus den Händen der Verantwortlichen erlangen könne. Wer aber war es, der den verhängnisvollen passiven Widerstand in die Wege geleitet und bis zum bitteren Ende festgehalten hat? Es waren doch dieselben Elemente, die unentwegt den bewaffneten Widerstand gegen Frankreich predigten, die treuteutschen rassenreinsten Männer um und hinter Ludendorff. Neue Kommerzialräte. Die Nachricht von der Verleihen® des Kommerziailrattitels an Herrn Direktor Alfred1 L a n d e s b e r ge r wurde io allen Kreisen der Wiener Gesellschaft mit Befriedigung aufgenommen. Namentlich die Wiener Judenschaft wird die Auszeichnung dieses um sie so hochverdienten Mannes mit vollster Sympathie begrüßen. — Auch die Ernennung des. Herrn Börserates Ernst Strasser zum Kommerziailrat begegnet einer gleichen Stimmung, da Herr Strasser zu allen wesentliche Interessen der Börse berührenden Fragen verdienstvoll Stellung genommen und' durch zahlreiche Anregungen -zur Entwicklung des Wiener Finanz-verkehrs beigetragen. Studeutenhilfe. An Wiener Hochschulen studieren gegenwärtig etwa 50 bedürftige Juden und Jüdinnen. Sie sind! nach Wien gekommen, da ihnen das Studium in. der Heimat aus bekannten Gründen unmöglich igiemiacht wird'. Um diesen jungen Leuten den Kampf um das tägliche. Brot ziu erleichtern, werden mitfühlende Wiener Juden, vor allem solche, die aus jenen Gegenden stammen, gebeten, ihnen in ihrem Hanse Freitische an gewähren, für die diese Hochschüler Gegendienste zu leisten sich erbieten. Anmeldungen nimmt entgegen: Rabbiner Dr. Max Grunwald, Wien IL, Ferdinandstraße 23, und die Redaktion der „Wahrheit", Wien IL, Heinestraße 13 (Tel. 42-2-16). Stellenausschreibungen bei der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Bei der Wiener israelitise'aen Kuiltusgemeinde sind eine Reihe von Dienststellen ausigeschrieiben. (Siehe Inserat der heutigen Nummer.) Herr Leo Funke wurde vom Vorstande der Wiener Kultusgemeinde zum I. Kantor ernannt. Barmizwahfeiern. Samstag, den 20. d. M., fand die Barmizwahfeier des Studenten Oskar Steiner, Sohn des Herrn Emanuel Steiner und seiner Gattin Johanna, im Gotteshause des Tempelvereines „Aeschel Awrohom", 2. Bezirk, Pazmanitengasse 6, statt, dessen langjähriges, verdienstvolles Mitglied der Vater des Konfirmanden ist. Der schönen Feier wohnten zahlreiche Freunde und Bekannte der Familie bei, die von dem trefflichen Vortrag des Konfirmanden sehr befriedigt waren. Herr Rabbiner Dr. Funk richtete an den Konfirmanden eine eindrucksvolle Ansprache, in welcher er den Sinn, db edlen Regungen, die Verdienste seines Vaters und seines Großvaters, der dieser Tage in ein besseres Jenseits abberufen wurde, zum Wohle des Judentums hervorhob und diese als Beispiel für seinen eigenen Lebenswandel hinstellte. — Am 10. Marcheschwan feierte der Direktor des Badener Aguda t Waisenhauses, Herr Philipp Friedmann, das Barmizwahfest seines ältesten Sohnes. Vormittags trug derselbe im Tempel unter großem Beifall der vielen Besucher die Paraschah vor. Nachmittags versammelten sich im Elternhause alle Gemeindemitglieder, an deren Spitze in Vertretung des verreisten Oberrabbiners die Herren Rabbiner Salamon Friedmann und L„ Ungar, das Kultuspräsidium, vertreten durch die Herren Alex. Braun, David Daniel, D. Schey und! Ch. Ingwer, und viele auswärtige Gäste, darunter die ehrwürdigen Herren Rabbiner N. Friedmann, Wien, Harpe L a n e f e s c h, H. P e r 1 s, Kittsee, und David Friedmann, Wr.-Neustadt. Zahlreiche Gratulationen und Sympathiekundgebungen liefen von nah und fern ein, wofür auf diesem Wege herzlichst gedankt sei, besonders dem Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel. Promotion. Am 26. Oktober fand im Festsaale der Wiener Universität die Promotion des Herrn cand. med. Fritz Pulgram zum Doktor der gesamten Heilkunde statt. Fritz Pulgram, der Sohn einer sehr achtbaren Stockerauer jüdischen Witwe, ist eifriger Verfechter des Judentums. Die Stockerauer Kultusgemeinde hegt die besten Wünsche für das fernere Fortkommen des jungen Mediziners. Spende. Anläßlich der Verlobung seiner Schwester hat Herr Ingenieur Isidor Hecht dkm Israeli-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.