Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 22 (2.11.1923)
- Date
- 1923-11-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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_ Seite 14_________ DIE \fr ist das Diplom abgedruckt, in dein die älteste und angesehenste Ghiawra der alten Monarchie, die Präger, Dr. Bloch, in Wien zu ihrem Ehrenmitglied ernannt hat. So wie andere Vereine an seiner Bahre stumm und unsichtbar geblieben sind!, wo sie. auch nur des Anstandes wegen gesehen und gehört werden mußten, so hat sich mit dieser Haltung die Wiener Chewra selbst das gebührende Ehrendiplom ausgestellt vor aller Welt, dlie jetzt, wie Trauerkfundigebungen und Zeitungsnekrologe aller Orten beweisen, an allen Ecken und Enden widerhallt von der Trauer um den Großen, den jedes andere Volk mit königlichen Ehren zu, Grabe geleitet hätte, während in Wien offenbar ein neuer Pharao herrscht, der vom Josef nichts weiß, oder, zur doppelten Schande sei's gesagt, nichts wissen will. Dr. R ... n. Breitbart in Amerika. An Ford, dessen „Dearbom Imdependenit" Breitfoafrt abfällig beurteilt hatte, schrieb -dieser einen offenen Brief, indem er Ford anbot, ihn zu besuchen und sich bei ihm fesseln und einsperren zu lassen. Er werde sich dann1 selbst befreien. Als Honorar hierfür sollte Ford' die Hälfte seines Vermögens für den Wiederaufbau Palästinas hergeben. Der Brief ist bisher ohne Antwort geblie- ~ ben. Als seinen kostbarsten Besitz bezeichnete Breitbart den Interviewern eine kleine Thorarolle mit Silberschmuek, die ihm Dr. Chajes im Namen der Wiener Kultuisgemeinde überreicht habe. Juden und Araber in Palästina. Sir Herbert Samuel bot den Arabern die Institution einer Arabischen Agentie (agency) an, die, in völliger Analogie mit der Jüdischen Agentie, als offizielle Vertretung der Araber funktionieren solle, als Beirat und Mitarbeiterin der englischen Verwaltung in allen sozialen und wirtschaftlichen Angelegenheiten, die die Interessen der palästinensischen Araber berühren. Die Führer der Araber lehnten dieses Anbot ab, weil seine Annahme die Anerkennung der jüdischen Agentie bedeuten würde; sie versprachen, detaillierte Gegenvorschläge einzubringen. Das Mandat für Palästina ist am 29. September in Kraft getreten. Die Wahibewegung und die Wiener Presse. Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Im politischen Kampfe ist jede Haltung berechtigt, wenn sie der eigenen Ueberzeugung entspringt und; an dieser konsequent festhält. Dies vorausgeschickt, muß ich erklären, daß die eben vollzogenen Wahlen keine Ehrentage für jenen Teil der Presse markieren, der sich bisher auf demokratische Gesinnung undi Liberalismus eingestellt hatte, aber gegenüber gewissen Lockungen schmählich umfiel. Es möchte noch hingehen, daß eben diese Blätter auf das Genfer Pro- /gaiamm schwören, und altes, was nicht diesen Standpunkt teilte, staatsgefährlieher Bestrebungen verdächtigte. Es hätte aber meines Erachtens wohl unterschieden werden müssen, wer zu der Genfer Gruppe zählt und ob man mit gewissen dieser Elemente bedenkenlos gehen dürfe. Ich will nicht untersuchen, welchen Lockungen oder Argumenten jene Blätter unterlagen, die von jenen Personen, die sich ihrer fallweise gerne bedienen, als Judenpresse angesprochen werden, aber immerhin hätte bei Preisgabe der angeblichen Gesinnung) ein Restgefühl Kr._g2 des Anstandes gewahrt werden müssen. Wenn Politik im Artikelteile der Zeitung sich; werbend betätigt, so ist das ein Selbstverständlic'nes, aber ganz anders wird die Sache, sobald in den Textspalten, wo nur die allerzahluingsifähigste Kundschaft zum Worte kommen kann, für eine Partei Propaganda gemacht wird. Da merkt man die Absicht und wird gründlich verstimmt. Es sei deshalb dahingestellt, ob die Inserenten ihren Zweck erreichen, was mich übrigens auch wenig kümmert. Das Schlagwort „wählet bürgerlich" war für sie ein Sammelbegriff, in den sich auch Hakenkreuzler und Pogromenthusiasten stellen ließen, denn auch diese wollen als bürgerlich angesprochen werden, und solchen Elementen Vorschub zu leisten, ist schlankweg unqualifizierter. Mglich, daß die betreffenden Blätter, jetzt nachdem der Rummel und das Geschäft vorüber ist, zu ihrer alten Liebe zurückkehren; aber die wahre Liebe ist das nicht. Hoffentlich wird sich auch die öffentliche Meinung zu dieser Erkenntnis durchringen. Die unverjudete Schweiz. Der Leipziger „Hammer" ließ sich vor einigen Monaten berichten, daß auch die Schweiz arg unter der Verjudung leide. Gegen solchen Unglimpf hat nun spät, aber doch ein Besserwissender die Eidgenossenschaft verteidigt, und nimmt besonders die dortige Presse in Schutz, die zwar großenteils im Dienste der Entente schreibe, aber diesen Fehler dadurch kompensiert, daß sie antisemitisch ist. Im Ganzen steht die Schweiz der Judenfrage kühl gegenüber, denn sie ist nicht so brennend wie in Deutschland oder Oesterreich. Der Gewährsmann des „Hammer" belegt dies mit folgenden Daten: „Im schweizerischen Bundesrat und in den 25 Kantons-Regierungen hat noch nie ein Jude gesessen; im Nationalrat (Reichstag) gibt es unter rund 160 Abgeordneten heute zwei Juden — natürlich Sozialdemokraten; im Großen Rate des Kantons Zürich einen Juden, in Basel und im Aar-Gau ebensoviele, in allen übrigen Kantonen keinen einzigen. An der Züricher Universität mögen etwa 6 bis 8 jüdische Professoren und Privatdozenten wirken; in Bern vielleicht ebensoviele, in Basel und Genf vielleicht 1 bis 2. Wie der Briefschreiber unter diesen Umständen die Behauptung aufstellen konnte, „überall seien die Juden obenauf," ist mir völlig unverständlich. Gottseidank sind wir noch nicht so weit, und ich hoffe stark, daß wir auch niemals so tief sinken, wie heute das deutsche Volk im Reich und in Oesterreich! dank seiner eigenen Dummheit. Auch die Behauptung von den angeblichen 40.000 Ostjuden in der Schweiz und ihrem beständigen weiteren Hereinströmen über die Grenze ist glücklicherweise irrig. Die eidgenössische Fremdenpolizei, die seit vier Jahren die Einreise aller Ausländer streng kontrolliert, erteilt Ostjuden nur ganz ausnahmsweise Einreisebewilligungen^ und zwar immer nur kurzfristige, so daß eine Niederlassung jüdischer Zuwanderer heute sozusagen ausgeschlossen ist. Auch bei der Bewilligung zur Einbürgerung geht der Bundesrat heute — früher war es leider bisweilen anders — sehr vorsichtig zu Werke. Die Zahl der insgesamt in der Schweiz wohnhaften Juden — mosaische und getaufte — dürfte sich auf etwa 2CC000 belaufen — davon sind vielleicht 4000 bis 5000 wirkliche Schweizer Juden,