Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 22 (2.11.1923)
- Date
- 1923-11-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. n stehen und drittens wird behauptet, daß uns dies Gefühl für Ehre und Charakter fehle, weil anständige Menschen garnicbt dorthin gehen, wo man sie nicht gerne sieht. Der „Volksruf" hat offenbar kein Verständnis dafür, daß man ein verbrieftes Recht verteidigen kann, ohne es in jedem Falle zur Anwendung zu bringen. Daß er jüdische Sommerfrischler „Gesinder nennt, während er es gutheißt, daß die Bauern des Antisemitenbundes das Geld dieses „Gesindels" schmunzelnd einstecken, sei nur nebenher erwähnt. Den Herren ist angesichts der bayrischen Hitler- Bewegung der Kamm sehr geschwollen, aber der Ausfall der Wahlen hat bewiesen, daß die Bevölkerung der großdeiKSchen Judenhetze gründlich überdrüßig ist, und wenn jemand Veranlassung hätte, das „ungastliche Land Deutschösterreich" zu verlassen, so wären es vor allen diese Herren. Aus unseren Mitgliedschaften. Die Propagandasektion der „Union deutschösterreichischer Juden" veranstaltet in Gemeinschaft mit dem Jüdischen Gesangverein Samstag, den 10. November, 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotels Continental einen k ü n s 11 e r ischen Vortragsabend, welcher mit einer Ansprache des Sekretärs Herrn Siegfried Fleischer eingeleitet und mit einem Tanzkränzchen abgeschlossen werden wird. Das Reinerträgnis des Festabends fließt dem Rechtschutzbüro der „Union deutschösterreichischer Juden" zu. Karten von K 15.000 bis K 30.000 erhältlich im Kartenbüro „A i d a", IL, Taborstraße, Buchhandlung R. L ö w i t, I., Rotenturmstraße. Der Judenhaß wächst! Nur fester Zusammenschluß und Opferwilligkeit zu gemeinsaimer Abwehr können dagegen helfen! Tretet der „Union deutsch-österreichischer Juden", Eurer bewährten Schutzorganisation, bei! Stärket unseren Preßfonds! Abonniert unser Organ „Die Wahrheit"! Tue Jeder seine Pflicht! fg Wahrheiten vom Tage jj Judenverfolgungen im Deutschen Reich. Es ist erreicht! Die Dracihensaat der Deutsch nationalen ist bereits in die Halme geschossen. An manchen Stellen ist sie bereits schnittreif geworden. Beuthen hatte schon seim nettes, mittelalterliches, deutsches Pogrom, bei dem nach bewährtem Ürigiuainiuister jüdisches Blut fließen mußte. München würde sich nicht für voll halten, wenn es in solcher Betätigung des Germanentums zu rück biliebe. Dort sind zwar die -'uderverfolgnngen, während wir diese Zeilen schreiben, noch „trocken", das heißt, administrativer Art, aber wer möchte voraussagen, was in diesen Zeiten schon der nächste Tag bringen kau.n. Es ist indessen schon, wie sich die Dinge vollziehen, schreck lieh genug. Der Kahr-Hitter-Staat läßt Raubmord und Totsohlag durch den Pöbel nicht zu, weil bei dein Begleiterscheinungen des Plünderns das jüdische Vermögen verplempert würde. Ein Rechtsstaat wie der bayerische besorgt derlei in eigener Regie und so wird unter Hintainsetzung der geographischen Begriffe Ost und West der deutsche Jude von amtswegen ianidesverwieseri, wobei dessen Vermögen und sonstige Habe von der „Behörde" beschlagnahmt wird. Die Lage bezeichnend ist, daß die ausgewiesenen von den zurückbleibenden Juden beneidet werden, daß sie der Hakenkreuzhölle entrinnen können. Budapest und Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Sehr geehrter Herr Redakteur! Auch ich war bei der Beerdigung Szabolcsis zugegen und erinnere mich, wie sich besonders die Pester Chewra Kadischa an der Ehrung des Toten beteiligt hat. Was ist bei der Beerdigung eines Dr. Bloch in Wien geschehen? Er war Mitglied der Wiener Chewra und bei Beerdigung eines solchen wird über den Sarg ein besonderes Bahrtuch gebreitet, das Eigentum der Chewra ist. Zufällig; war ich bei, Dr. Blochs Beerdigung Ohrenzeuge eines Gespräches zwischen zwei Leuten, die offenbar mit diesen Dingen zu tun haben. Der eine meinte: „Das Cheiwratuch kann man doch nicht nehmen, er war ja kein Mitglied." Der zweite hingegen: „Das andere Tuch geht doen nicht vor die Leut, es ist zu d ... . ig!" Tatsächlich war ich vor einiger Zeit Trauergast bei einer Beerdigung, bei der Vertreter der ersten jüdischen Kreise erschienen waren, als über dieses skandalöse Leichentuch eine allgemeine Entrüstung laut wurde. Daß bei einem Dr. Bloch die Chewra, die sonst bei Toten von minderem Maß so stattlich ausrückt, zu Hause geblieben ist, ist wieder ein Zeichen, wohin die Wiener Juden gekommen sind. In Dr. Blochs Lebenserinnerungen Donnerstag, den 15. November d. J., x/26 Uhr, im Leopoldstädter Gemeindetempel, II., Tempelgasse 3, unter gefälliger Mitwirkung sämtlicher Kantoren Wiens und des Orgel-Virtuosen Prof. Georg VALKER Großes SvnaGOQen - Konzert Y * * C# £5 * * * Ä * * " * r