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Die Wahrheit · 1923-11-02 · Heft 22 (2.11.1923) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 22 (2.11.1923)
Date
1923-11-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 22 1. Für den Gemsinderat: Dr. Leopold P1 a s c hkes, Rechtsanwalt (2. Bezirk). 2. Für 'diie Bezhiksvertretung: Julius Berger, Kaufmann und Josef H. Waltuch, Bor&öbeaucher (1. Bezirk). Dr. Otto A b e 1 e s, Staatsbahnra t i. P., Hermann P 1 a schke s, Kaufmann und David D o Ii a n, Kaufmann (2. Bezirk). Moritz K o h n, Kaufmann (6. Bezirk). Adolf Hirsen, Kaufmann (7. Bezirk). Aurel Engel, Fabrikant (8. Bezirk). Dr. Georg W e i n e r, Redhtsanwailt und Simon W e i n e r, Kaufmann (9. Bezirk). Die Entsendung jüdischer Bezirksräte in die .Vertretungen jener Bezirke, in welchen jüdische Bevölkerung dichter massiert ist, ist für die jüdischen Interessen von großer Wichtigkeit, da sich gerade in diesen Körperschaften die täglichen wichtigen Angelegenheiten des wirtschaftlichen Lebens abspielen. In gewerblichen und Steiuerfragen macht sich vielfach gegen Juden ein; Geist des Vorurteils und der Engherzigkeit bemerkbar, der auch von soziaildemokratischeir Seite .nicht genügend' beikämpft wird. Es ist daher erfreulich, daß die Interessen der jüdischen Bevölkerung in den Bezirksvertretiungen durch jüdische Wortführer gewahrt werden können. Hochschulkrawalle ohne Ende. Ein Judle vonhoher wissenschaftlicher Qualifikation ist zum außerordentlichen Professor an der Wiener Universität ernannt worden. Seine Antrittsvorlesung wurde durch einen wilden Radau der deiutschvölkischen Studentenschaft gestört. Diese Zierden des deutschen Volkes und der Weltkultur fühlen sich betrogen, weil entgegen den Beschlüssen des deutschen Hochschuilaussehusses bei Ernennung des Dr. Kappelmacher auf nhire „völkischen Gefühle" keine Rücksicht genommen wurde. Der derzeitige Rektor Professor Dr. DöMer von der theologischen Fakuiltät hat — ein unerhörtes Wagnis! -- diese Lausbübereien in einer Kundmachung scharf verurteilt und »die Krawallmacher mit Strafen bedroht. Es muß mit Genugtuung hervorgehoben werden, daß zum ersten Male seit Jahren der oberste Würdenträger der Universität, ein guter Christ und ein guter Deutscher, den gewaltätigen Antisemitismus der völkischen Studentenschaft mit scharfen Worten zurückwies und so die Ehre der Wiener Alma mater wahrte. Das sind die Wirkungen und Folgen der feigen Nachgiebigkeit, mit welcher sich bislang die österreichischen Hochschulfoehörden den Forderungen der deuitschnationa'len Studentenschaft gefügt haben. Gegenüber dem verfassungsmäßigen Grundsätze, daß die Wissenschaft und ihre Lehre frei sei und diaß die öffentlichen Aemter allen Staatsbürgern ohne Unterschied der Konfession zugänglich: seien, hat die Wiener Universität uniter dem früheren Rektor Dr. Diener, haben die Wiener Technik und die Wiener Hochschule für Bodenkultur den gesetzwidrigen Versuch unternommen, hochstehende jüdische Gelehrte von dem Letiraimite an diesen hohen Schulen auszuschließen und auf einem kniffigen Umwege für die jüdische Studentenschaft den Numerus clausus vorzubereiten. Es ist klar, daß damit die Geschäfte jener betriebsamen „arischen" Lehrkräfte besorgt wurden, welche die Wissenschaft zur melkenden Kuh machen und das österreichische Hochschulwesen damit auf einen beklagenswerten Tiefstand herabgedrückt haben. Nachdem man den Appetit der studentischen Hakenkretizler durch halbe und ganze Zusagen gereizt hat, sind wohl für die nächste Zukunft weitere Stürme an den Hochschulen zu erwarten. Die Sanierung Oesterreichs zeigt sich damit vor dem Auslande in einem glänzenden Lichte. Die österreichischen Juden werden es aber nicht vergessen, daß es ein Mitglied der theologischen Fakultät war, •welches iien Mut qnd! die Ehrlichkeit aufbrachte, diesem widerwärtigen, Staats- und kulturfeindlichen Treiben entgegenzutreten. Mitteilungen aus dem Zentralvorstand. In der am 26. Oktober stattgefundenen Sitzung des Zentralvorstandes der „Union deutsdiösterreichiseher Juden" gelangte die befremdliche Tatsache, daß am Tage vor der Wahl für den Nationlaltat und Gemeinderat in den öffentlichen Bilättern ein Aufruf zugunsten der 'bürigierlidh-demokriatisc'rien Arbeitspartei' erschien, weicher die Unterschrift des Herrn Karl Fröhlich' als Vizepräsidenten und die Unterschriften der Herren Anton Stein, B e r n^- h a r d B ui c h w a d und, P a u l H e r s c h 1 als, Vorstandismitgliedler der „Union deuitsäTÖsterreiehischer Juden" trug, zu eingehenden Erörterung. Es wurde zunächst festgestellt, diaß die letztgenannten drei Herren nicht Mitglieder des Zentralvorstandes, sondern Aussdhufimitgiieder einer Bezirkssektion der „Union" seien, und daher nicht das Recht hatten, als Vorstandsmitgliedler zu zeichnen. Herr Karl Fröhlich gab die Erklärung ab, daß er allerdings in' Wahrung seiner von jeher eingenommenen Parteisteliung auf eine telep'homische Anfrage seitens der bürgerlich-denrokraitischen Anb eitspar tei woW zugestimmt fhaibe, daß sein Name uniter den erwähnten Aufruf gesetzt werde, daß er alber niemand1 ermächtigt habe, dieser Unterschrift die Bezeichnung Vizepräsident der „Union1 dleutschösterreichischeir Juden" beizufügen. Auch die Anordnung' und typographische Gruppierung der Unterschriften sei von ihm nicht beeinflußt worden. Aus unserem Becktschutz u. Abwehrbüro. Der „Volksruf". Der in Salzbürg erscheinende „Volksruf", ein Blatt, dessen unsägliches niedriges Niveau jede Polemik als eine Selbstbeschnrutzung erscheinen läßt, überschlägt sich in seiner letzten Nummer vor Wut über unsere an das Bundesministerium für Verkehrswesen gerichtete Eingabe betreffend den schädigenden Einfluß der Judenhetze auf den Fremdenverkehr. Er bestreitet zunächst, daß es deutschösterreichische Juden gäbe, man könnte höchstens von in Deutschösterreich wohnenden Juden sprechen. Das soll wohl heißen, daß der „Volksruf" nicht die Gnade haben will, den österreichischen Juden staatsbürgerliche Rechte zuzugestehen.. Zweitens wird es als eine „Frechheit sondergleichen" bezeichnet, daß wir auf unserem verfassungsmäßigen Rechte der Freizügigkeit be-

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