Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1923-11-02 · Heft 22 (2.11.1923) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 22 (2.11.1923)
Date
1923-11-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064121-3064142--12414-3079864
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 teni Inserate veröffentlicht, die größtes Aufsehen erregten und eine Entgegnung durch das Präsidium der ..Union'" veranlaßten. Iii den \\ ählerversammlungeii, zumal den jüdischen, sind die vier Typen zu finden, deren unsere Hagada erwähnt: der Chochem, der sich wenigstens selber dafür hält, das ist der politisch Kluge, dem niemand etwas erzählen kann und der mit seinem fertigen Urteil, mit seinem vorgefaßten Entschluß herbeikommt: der Einfältige, bei dem jeder recht hat, der zuletzt gehört wird; der Rosche ist in diesem Falle der Pessimist, der Miesmacher. Er meint, daß doch alles vergebens ist, und daß die paar Juden mit ihren Stimmen an der Sachlage nichts ändern werden: ein starkes Kontingent liefert; „der noch nicht fragen kann", der über Tragweite und Bedeutung der Wahlen nicht klar ist und aufgeklärt, belehrt werden muß. Es scheint, daß unsere Wahlwerber und Wahlmacher dieser Psyche des jüdischen Wählers nicht ganz Rechnung getragen haben. Denn erst spät tauchte als Listenführer für den Nationalrat der bewährte Demokrat Dr. Rudolf Schwarz-Hiller auf und seit diesem Moment besserten sich — das muß jeder zugeben — die Chancen der „Jüdischen Wahlgemeinschaft", denn an ihrer Spitze stand nun ein Mann von Namen und Klang, der die große Schar der jüdischen Bürgerlichen der Leopoldstadt — wie man munkelt, haben auch christliche Demokraten dieses Bezirkes für den ungemein sympathischen langjährigen Führer gestimmt — als treues Gefolge mit sich brachte. Auch sonst herrschte Uneinigkeit in der ideal gedachten ..Einheitsfront" und noch wenige Tage vor den Wahlen erhielten wir Zuschriften, die sich sehr skeptisch über eine Gemeinschaft äußerten, die keine sei. Außer der oben aufgezeigten Spaltung im Lager der ..Union" war der starke Anhang der |lpBjgj Feuilleton jjpgll Oer Siegelring. Von S. B 1 u m e n g arte n (New-York). Deutsch von Saio P e r 1 s t e i n (Baden). Ate König Salomo mit dem' Bau des Tempels und der wunderschönen Paläste für sich und seine junge Gemahlin, der Tochter Pharaos, fertig war und seine Herr sehe rgewalt sich auf viele Länder erstreckte, da ließ er alle Großen und Weisen der zwölf jüdischen Stämme, sowie die Weisen, Zauberer und Sterndeuter aller Länder, die unter seiner Gewalt standen, sich versammeln und sprach zu ihnen: „Gott nat mich mit mehr Macht und Klugheit als alle übrigen Könige der Welt gesegnet. Meine Schiffe bringen mir Gold aus Opfer und teure Edelsteine aus dem Lande Hodiu, und wais mein Herz sich nur wünscht, wird sofort erfüllt. Meine Gewalt erstreckt sich über alle Tiere und .Vögel; alle Geister und Kobolde harren meiner Befehle. Orthodoxen nicht restlos für die Sache. Vor allem verstimmt durch die bedenkliche Neujahrspredigt des Oberrabbiners Dr. H. Chajes, die in diesem Teil der Wiener Judenschaft ebenso böses Blut gemacht, wie die Areligiosität der Hakoahner, die ausgerechnet am Samstag vor den Wahlen ein Match ausgetragen hatten, was bei den gläubigen Juden als Herausforderung (sprich Ases) empfunden wurde. Schon diese Umstände allein mußten dem Register der zusammengeklitterten Wahlgemeinschaft ein Loch machen. Die Angestellten der Wiener Kultusgemeinde agitierten beinahe geschlossen für die sozialdemokratische Liste, um so eine alte Abrechnung mit einem bei ihnen mißliebigen jüdischnationalen Führer schon jetzt bei den Nationalratswahlen, statt bei den Kultuswahlen auszutragen. Und schließlich zeigte es sich, daß, abgesehen davon, daß im zionistischen Lager aus prinzipiellen Gründen ein ähnlicher Konflikt entstanden war wie in der „Union", denn es gab viele, die nicht damit einverstanden waren, daß die jüdisch-nationalen Kandidaten sich verpflichteten, für die Legislaturperiode ihre bisherigen Absichten aufzugeben, die Erfolge, die die jüdischnationale Partei als solche beim Ausgang der Wahl zu buchen hat, wahrhaft ernüchternd waren. Denn es ist bezeichnend, daß im XX. Bezirk, ihrem Hauptquartier, wo Stricker kandidierte und man einen Demokraten mit der Lupe suchen kann, für die Einheitsliste sage und schreibe 1300 Stimmen abgegeben wurden. Das ist schon kein Mißerfolg, das ist bereits ein Affront. Wenn im zweiten Bezirk gleichwohl ungefähr 10.000 Stimmen für die Liste der jüdischen Wahlgemeinschaft abgegeben wurden, so ist die Rekordziffer vor allem dem hohen Ansehen und dem persönlichen Bemühen Dr. Schwarz-Hillers in der Leopoldstadt zu danken. Es kann nicht genug oft und lebhaft darauf Ich habe meine Paläste im Libanon, sowie im Tale, und Städte mit Reiter- und Fußtruppen, ohne Zahl. Aber all dies ist auf einer sehr großen Fläche und ich kann dieselben nicht mit einem Blicke streifen, damit 'mein Herz sich meines Besitzes erfreue. Ich möchte mir daher einen Siegelring herstellen lassen, auf dem ein Gemälde oder eine Gestalt eingraviert sein soll, die meine Macht augenfällig: darstellen soll. Ich ließ Euch darum hierher rufen, damit Ihr mir den Rat erteilt, wie dieses Gemälde oder diese Gestalt, die auf dem Siegelring eingraviert werden soll, aussehen solle." Als erster sprach einer der Weisen vom Lande Hodu: „Adonai Hamelech, Herr König, du bist stark, klug und mächtig und diu wirst ein hohes Alter erreichen. Nun, ist nicht der Elefant das richtige Tier für deinen Siegelring? Er ist stank, klug und lebt am längsten von all den Tieren, die im Walde leben." Der König isprach: „Du sprichst klug und dein Rat ist mir teuer, aber in viel Beratung ist Weisheit. Wir wollen hören, was die arideren sagen." Da stand ein Zaiuiberer auf und sprach:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.