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Die Wahrheit · 1923-10-17 · Heft 21 (17.10.1923) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 21 (17.10.1923)
Date
1923-10-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 DIE WAHRHEIT Nr. 21 seinen Handel und seine Industrie, seine finanzielle Organisation über den Haufen werfen . . . bloß deshalb, weil in diesem Gebäude auch Juden Unterkunft und Existenzen haben. Ein solcher Vernichiungsfeldzug würde das ganze Wirtschaftsleben lahmlegen." Aber Sie, hochgeehrter Herr Minister, werden aus der Beobachtung des österreichischen ökonomischen Lebens und aus der aufmerksamen Verfolgung der Frage, die uns jetzt insbesondere bewegt, in Uebereinstimmimg insbesondere mit dem Herrn Finanzminister und dem Herrn Bundeskanzler gewiß feststellen können, daß die Rettung Oesterreichs durch den Sanierungsplan zumindestens sehr erschwert worden wäre, wenn die jüdische Bevölkerung der Republik, in Verkennung ihrer Bürgerpflicht, sich abseits stellen würde. Hochgeehrter Herr Minister! In einer in der „Neuen Freien Presse" enthaltenen offenbar offiziösen Mitteilung wurde das Erscheinen eines ämtlichen Communiques, betreffend die mehrerwähnte Kundgebung.» in Aussicht gestellt. Wir glauben nun nach unseren Ausführungen, an Sie, Herr Minister, das ergebene Ersuchen richten zu dürfen, daß, und zwar ehebaldigst, in einer solchen Enunziation die Kundgebung des Professor enkoMegiums mißbilligt werde. W'ir bitten, dem Kollegium zu bedeuten, daß bei den derzeit bestehenden unabänderlichen Staatsgnmdgesetzen das Professorenkollegium sich der Bestrebungen „zur Feststellung der rassenmäßigen Herkunft der Aufnahmswerber" zu enthalten habe, und daiß für die ein öffentliches Amt in der Republik Oesterreich bekleidenden Lehrer, insbesondere im Bereiche ihres Lehramtes, keine Angehörigen der „jüdischen Rasse", sondern nur Studenten vorhanden sind, die ihrer Pflicht, die Bildung, die ihnen die Hochschule bietet, in sich autzunehmen, nachkommen wollen. Die Betätigung solcher Grundsätze ist für. Männer der Wissenschaft um so erforderlicher, als diese, wie die Schriften zahlreicher deutscher Lehrer zeigen, bisher zu einer wissenschaftlichen Feststellung des Begriffes „Rasse" noch nicht gelangt ist. Wir bitten aber weiters um Verfügung der ^Abnahme der mehrfach angeführten Kundgebung vom schwarzen Brette, da die in ihr enthaltene Stigmatisierung des Judentumes wohl zweifellos objektiv eine nach unseren Gesetzen nicht gestattete Aufreizung zu feindseligen Parteiungeii und zu Feindseligkeiten gegen einzelne Klassen der bürgerlichen Gesellschaft und der Einwohner überhaupt beinhaltet. In ehrerbietiger Ergebenheit: Der Präsident: Dr. J. 0 r n s t e i n. Der Sekretär: Siegfried Fleischer. W i e n, am 5. Oktober 1923." Wahrheiten vom Tage Kerbet Abonnenten für „Die Wahrheit44! Magyarischer Schwindel. Was tut der Mensch nicht alles, wenn er kein Geld und kein Ehrbewußtsein hat? Er streut der Welt Sand in di<e Augen und trübt das Gewässer, um desto leichter darin fischen zu können. So ungefähr ist das Situationsbild der ungarischen Kreditjagd. Das Land der heiligen Stefanskrone ist in Geldnöten, allerdings nicht in dem Maße, wie es vor Jahr und Tag in Oesterreich der Fall war. Ungarn verhungert nicht von heute auf morgen. Immer noch ist dtas verkleinerte Gebiet imstande, die verkleinerte Bevölkerungsmenge zu ernähren. Seine schwache Industrie kann, wenn es sein muß, aus sich selbst ernährt werden. An Kultur- und Investitionsausgaben wird kaum gedacht. Eisenbahnbauten sind keine Lebensfrage für den Staat oder die Bevölkerung. Mit einem Wort,, der Völkerbund erblickt in der Verweigerung der Kredithilfe keime unmittelbare Gefahr für Magyarien; eher wird in der Kreditgewährung eine Gefahr für den Vöikerfriöden erblickt, denn man ist ziemlich genau darüber unterrichtet, wozu die maßgebenden Herren der Regierung Geld benötigen. Es besteht volle Klarheit darüber, daß die „Erwachenden" vom Revan chegedank en für die Zerstückelung des Reiches nicht loskommen, daß sie in rot-weiß^grüner Couleur das sind, was die Deutschnationalen in Schwarz-weiß-rot, daß sie lieber heute als morgen losschlagen möchten. So absurd lächerlich dieser- Gedanke auch sein mag. Der Grundzug der Nachkrietgspotitik ist Nervosität und die kleine Entente kann deshalh nicht anders als nervös sein* wenn sie in die geheimen Treibereien Ungarns hineinleuchtet. Rumänien, Jugoslawien und die Tschecho-Slowakei haben deshalb schon des öfteren mit den Zain>, das heißt mit den Grenzpfählen nach Budapest gewinkt. Dies allein genügt den geldgebenden Faktoren, ihre Richtlinie zu zeigen. Was tun aber nun die Oberschwindler Klein-Ungarns? Sie bemühen sich, die Meinung zu verbreiten, daß sie Ordnung im Sinne der Frieden&idee schaffen wollen. Daher die Affenkomödie, aufgeführt vom Ministerpräsidenten Graf Bethlen gegen den Diktator Horthy, als ob es auf einen Sturz dieses bösen Geistes Ungarns abgesehen wäre. Im stillen Kämmerlein blinzeln die beiden einander verständnisvoll zu wie die römischen Auguren. Laß uns nur erst das Geld in der Hand haben, dann bleiben wir die Alten und alles bleibt wieder beim Alten. Der Schwindel ist aber nicht so fein gedrechselt, daß ihm die politische Welt aufsitzen würde. Dünger für die Verhetzung. Die Wiener „Stunde" schreibt:'Ein vielerörterter Erlaß des Rektors Fischer.von der Hochschule für Bodenkultur hat die Aufmerksamkeit auf diese, einst nützlichen Dingen gewidmete Schule gerichtet. Dabei stellt sich heraus, daß dieser Erlaß kein gelegentlicher Einfall war. In der Hochschule für Bodenkultur wird tatsächlich der Dünger hergerichtet, auf dem die Verhetzung gedeiht. Beweis dafür das nachstehende Evidenzblatt, das jedem Studierenden zur Ausfüllung vorgelegt wird E v i d e n z b 1 a 11 der. S t u de nt e n s c h a f t. Vor- und Zuname; Ort und Land

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