Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 21 (17.10.1923)
- Date
- 1923-10-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 21 S. Grüner, Verein der Duklaer Apotheker B e r g e r, für die Angestellten der Kultusgemeinde die Sekretäre Dr. Emil Adler und Guido Fuchsgelb, Amtsleiter W. Freistadt für den ..Ferienheim" Frau Dozent Grünfeld, für die Baron Hirsch - Stiftung Dr. Arnold As-cher, für das Jüdische Museum Dr. Jakob Bronn er, für die Alliance Israelite Sekretär Dr. Kaminka, für die Chewra Kadischa Währing Obmann Nossig, Floridsdorf Obmann Gabriel Dukes, für den Verein der Kleingewerbetreibenden Obmann S. Klausner und Kassier Rudolf G o 1 d s t e i n, für die „Wiener Morgenzeitung" Redakteur Jakob Krauß, für die „Wahrheit" Redakteur Oskar H i r s c h f e 1 d, für die „Jüdische Morgenpost" Redakteur J. Racker und viele andere. Die Bestattungsfeierlichkeiten wurden nach den ritualen Trauergesängen der Herren ersten Kantoren Schleifer und Funke mit Chor durch folgenden "ergreifenden Nachruf Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. Max Qrunwald eröffnet: „Einer der Weisen des Altertums sagt: Glücklich der Mann, der Taten vollbringt, würdig, daß man sie beschreibt; fieil ebenso dem, der Werke schreibt, die wert sind, gelesen zu werden; doppelt glücklich, wer beides ist, ein Meister der Feder wie ein Held der Tat. Noch glücklicher aber war der große Tote, den wir hier betrauern; seine Taten, die der Geschichte angehören, beschrieb .er selbst in Werken, die unser Schrifttum zieren.- Und dieses Glück, den Rausch des Ruhmes, hat er ausgekostet bis auf den tiefsten Grund und bis in seine letzte Stunde. Der Lorbeer, der in der Heimat seine jugendliche Stirn geschmückt, er verjüngte, vervielfachte sich dem Greis in der Fremde. Im Ausland fand er den Dank, den das Inland zum großen Teil ihm schuldig blieb. Aber er bedurfte nicht der Ehrung durch andere, er, einer der Fürsten aus Genieland, die ihre eigenen Orden tragen. Und nicht von alten Verdiensten zehrte der Rulnn seines Alters. Gerade in seinen letzten Jahren schuf er sein wichtigstes Werk, ein Buch, wie es unser Schrifttum seit Jahrzehnten nicht auif weist und das viele Jahrzehnte zu überdauern bestimmt erscheint, solange Israel unter den Völkern.sein Recht, sowie die Ehre seiner Lehre -und seines Stammes zu schützen hat, ein Buch, in dem er alles, was er geleistet, zusammenfassend, . sein Lebenswerk krönt, wie die Palme erst am Wipfel die reife Frucht gibt, er, ein Bild unverwüstlicher Jugend, wie Chanoch, von dem wir lesen, daß er dahinging, „obwohl im hohen Alter, doch vor seiner Zeit". Soging er auch von uns, zu früh für ums, zu früh für ihn selbst, da er mitten im Schaffen war, ein Jüngling an Tatkraft, an Arbeitsfreude und Geistesfrische. Am Grabe eines Großen des Talmuds wurde die Klage laut: „Vom Stamme der Alten war er, aus dem Osten kam er, ein Buch der Kämpfer war sein Leben." Auch mit unserem Toten ist dahin ein Stamm der Alten. Der Letzte war er eines großen Geschlechts, von einem Stil und Zuschnitt, für die der Gegenwart so oft das Augenmaß fehlt. Und aus dem Osten kam er, von dort, wo selbst im kleinsten Städtchen sein Bild, von der Legende umsponnen, lebendig ist und woher so mancher hierher pilgerte, um als Sehenswürdigkeit Wiens ihn, den großen'Sohn, den Stolz seiner Hei'mat zu" besuchen. Und ein Buch der Kämpfe war sein Leben, der Kämpfe für die Ehre des jüdischen Namens. Mit dem Schwert des Gotteskämpfers in der siegreichen Faust, so wurde er vom Tode gefällt, gerade in einein neuen Kampfe mit der Hydra, die in ihm, dem Die Abstammung von Karl Marx. (Broschüre von Dr. Bernhard Wachstein, Wien.) Die große französische Revolution von 1789 hatte bekanntlich auf ihren Wogen Napoleon Bonaparte an die Oberfläche getragen. Freunde geschichtlicher Parallelen warfen angesichts dier dreifachen ReA^olutiöniiemng Europas, die der Weltkrieg . mit sich brachte, die Frage auf, welch ein Napoleon wohl diesmal dien Stürmen der Politik entsteigen werde. Die Revolution in Rußland, deren Venlauf woM am meisten Aehnlichkeit mit dem französischen Beispiel aufweist, hätte demnach auch die Mission, der Welt den neuen Naipoleon auf die Beine zu stellen. Aber ach, unsere Zeit gebiert keine Männer von großem Format mehr! Kleimgeistige Hetzer und - Schwätzer, armselige Charaktere, niedrige Poseure bevölkern mit prahlerischem Getiue und öden Grimassen die politische Bühne der Gegenwart, auf der für den wirklichen Helden keim Raum und keine Rolle da ist. Diesen Mangel erfühlend, haben Trotzki und Lenin in das vergangene Jahrhundert gelangt, um einen Heros aus dem Grabe zu holen, um dem Anbetungsdrange ihres Volkes einen Fetisch aufzurichten. Wenn uns im heutigen Rußland in Stadt unid_ Land, in Büsten und Bildern, das haar- und bartumwallte Antlitz Karl Marx' mit der gutmütigen Stumpfnase und den Versteheraugen begegnet, so wird man Mühe haben, sich zu erinnern, daß dieser Nationalhöld keineswegs russischem Blute und russischer Landschaft entsprossen ist, sondern jenem deutsch-französischen Grenzgebiete,.: dessen beide Nachbarn sich desselben Sri nimmer endender Befebidnng seit Jahrhunderten bemächtigen wollen, um es zu beglücken, womit sie'es in Wahrheit jedoch zerstören und zerfleischen. Karl Marx' Ingenium aber ist nicht allein aus diesen zweien sich' befehdenden Komponenten zusammengesetzt. Sein Stammbaum reicht, nur von Vaters-Mutterseite her betrachtet, auf den im 16. Jahrhundert im nördlich gelegenen Krakau lebenden und als Schuloberhaupt wirkenden, Josef b. Gerson Cohen zurück und erstreckt sich auch auf die im südlichen Padua wirkenden Rabbiner- und Lehnergeschlechter Rabbonim Minz, deren schon im 15. Jahrhundert nachweisbarer R. Jelruda b. Elieserha-Levi Minz, eigentlich Mainz, seine Herkunft wieder aus dem Rheintale herleitet. Dazwischen liegen etwa ein Dutzend von Generationen jüdischer Gelehrter, Rabbiner und Lehrnausvorsteher, die alle einen Hauch ihres Geistes für den späten Enkel bewahrt und in ihm regeneriert haben. Dies alles nachzulesen in des Genealogen Dr. Bernhard Wachstein vortrefflicher Broschüre: Soertrykaf Festskrift i anladning af Professor David Simon sens 70 aarige Todsesdag. Kobenhavn 1923 Hertz's Bogtrykkeri. Wer aber den mit Umsicht und Sorgfalt zusanunengestellten Stammbaum genauer besieht, der wird i