Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 21 (17.10.1923)
- Date
- 1923-10-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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nm Unabhängige Zeitschrift für jüdische Interessen Kit dem Beiblatt; Veröttenflichungen der „Union deutschösterreichisiher Jaden" Redaktion und Administration: Wiem II.. Heines^raOe 13. - Fernruf 42-2-16 XXXIX. Jahrgang Wien, 17. Oktober 1923 Nummer 21 An Dr. Joseph S. Blochs (xrabe. Man möchte mit des bedeutenden Journalisten Ludwig Börnes „Tötenklage um Jean Paul" anheben: Eine Krone ist vom Haupte eines Königs gefallen, ein Schwert der Hand eines Helden entsunken. Die Krone der Ehren, von dem zum Leiden auserwählten Volke seinem Wahlkönige Dr. j. S. Bloch gereicht, das blanke Schwert des Geistes, das er so tapfer gebrauchte und wie Jung- Siegfried selbst geschmiedet hatte, mit dem er den „Riesen und die Drachen" des Judenhasses zu Leibe ging, Krone und Schwert hat der Allbezwinger Tod dem tapferen Mann in hohen Jahren entwunden. Ach, nicht nur der Prophet, sondern auch der Wegebereiter neuer Ziele gilt nichts im eigenen Lande, deshalb fand Dr. Bloch in fernen Gämarkungen weit mehr Verständnis, weit mehr begeisterte Anerkennung als am Orte seiner unmittelbaren Tätigkeit. Besonders bei den „Maßgebenden" der Wiener Kultusgrößen zagten sich mehr Hemmungen als Förderungen. Die Leisetreter der Rührmcht-dran-Partei hielt für"der politischen Weisheit höchsten Schluß: Geh mein Volk ins Kämmerlein, Wohl verschließ das Pförtelein. Duld' die kurze Spanne Zeit, Bis der Sturm sie hat zerstreut. Nicht so geartet war der furchtlose Streiter. Nicht mit zum Bitten gefalteten Händen, mit stoßentschlossenen Ellbogen bahnte er sich den Weg zum Recht. Spät dankten sie es ihm, die Zaghaften. Freilich nicht alle; nicht alle zahlten dem Toten, was sie dem Lebendigen schuldig geblieben. Sie hätten sich wohl selbst geehrt, wenn sie ihm in Scharen die letzte Ehre erwiesen hätten. Wo waren die vielen, denen die. Gesinnung so locker auf der Zunge sitzt? Wo waren die vielen, denen Bloch zu ihren} Recht oder einer Existenz verholfen? Wo die zahlreichen Jünger, die aus der journalistischen Meisterschule des Herausgebers der' „Oesterreichischen Wochenschrift" hervorgegangen, die sich heute Ritter des Geistes dünken und dort als Knappen ihre ersten Sporen verdienten. Damals allerdings trugen sie noch keine Brieftasche mit, aber Ideale im Herzen, jene Ideale, denen Dr. Bloch in Greiseujähren noch treugeblieben. Daß die österreichische Prälatenregiernng sich bei dem Leichenbegängnis des einstigen streitbaren Rabbi nfcht vertreten ließ, erscheint begreiflich und selbstverständlich. Doch wie % kann es die Judenpresse, die sich inder „Concordia" konzentriert, verantworten, daß sie durch ihre Abwesenheit glänzte; und wie das Wiener Stadtregime, das keinen beherzteren Mitkämpfer gegen Luegerei und sonstige Reaktion hatte als eben diesen Doktor . J. S. Bloch? Von allen menschlichen Lastern ist Undankbarkeit das verabscheuenswerteste, fcs würdigt tief unter das Tier herab; der Löwe des Androklus hatte es nicht vergessen, daß dieser ihm einst den Dorn aus der Tatze gezogen und sie mit einem Heilverbande umhüllt, er hat dann bekanntlich mit dieser Tatze die Bestien niedergeschlagen, die im Zirkus an den Unglücklichen heranwollten. Die von Opportunität durchfressene Krone der Schöpfung beschwert sich nicht gerne mit Dankbarkeit. Der verklärte Große in Israel bedürfte ihrer allerdings nicht. Er lebt fort in der Erinnerung derjenigen, die seinen Wert von Anbeginn anerkannt und treu bewährt haben. d. * * <. Das Leichenbegängnis Dr. J, S. Blochs fand D.onnerstag, den 4. d. M., statt. An. der Bahre standen^ af§ nächste. Leidtragende die Familie des Herrn - Rabbiner Dr. Max' G r u n w a 1 d, dessen Gattin Margarethe eine Tochter des Hingeschiedenen ist, und der Bruder des Verblichenen Herr Morris B1 o c h aus New-York, der nach Wien gekommen war, um mit seinem Bruder die schon mit Kriegsabschluß begonnene Hilfsaktion in Galizien weiterzuführen und eine Reise nach Palästina zu unternehmen, wo Herr Morris Bloch gemeinsam mit dem Verewigten eine große Fabriksunternehmung ins Leben rief. Außer diesen Familienmitgliedern hatte sich eine Trauergemeinde eingefunden, in der man unter anderen bemerkte: Für die Kultusgemeinde Präs. Prof. Dr. A. Pick und Kultusvorsteher I. Schwarz, Oberrabbiner Dr. H. P. C h a j e s und die Rabbiner Dr. M. Rosenmann und Doktor Feuchtwang, für den Bethausvorstand Dr. E. M ü n z. Siegmund Ernst, Dir. A. Landesberg er. Dir. A. L ö vkoviez und Gustav Planer, für die „Union deutschösterreichischer Juden" Präs. Dr. S. Ornstein und" Sekretär S. Fleischer, für die zionistische Partei Oberbaurat R. Stricker, für die jüdischen Mandatare Gemeinderat Dr. P 1 a s ch k e s. für den Orden Bne Brith Notar Dr. Beerm a n n, Prof. Dr. Ehrmann und Prof. Dr. .T. K ö n i g s t e i n, für die Adas .lisroel die Kultusvorsteher Kommerzialrat S. B o ii d y und Wolf Pappenheim, für den Tempelverein Aescliel Awrohom (II. Bezirk) Redakteur Ludwig Hirschield und A. Knopf, für die Freunde des großen Leopoldstädter Tempels S. Meister und Jakob Sc Kaff er, für den Tempelverein des III. Bezirkes Eduard Enge 1. für den Tempel verein Margareten Ehrenpräsident Adolf Hof manu, für den Oesterreichischen Kantorenverein Präs. I. L ö w i t und die Oberkantoren Frankel, M a r g u 1 i e s und M ü 11 e r. für den Frauenverein Frau Dir. U 1 1 m a n n, für den Frauenverein Floridsdorf Frau Rabb. Dr. Rosenma n n, für Margareten Frau Präsident Katharina Hof manu, für den Verein ..Alte Frauen" Marie Steiner, für die Vereine „Machsike Hadas" Jakob März, „Kurfürsorger" Obmann Dr. J. Braun und Verwalter Max Schwager, „Montefiore" Restaurateur _tL.