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Die Wahrheit · 1923-10-05 · Heft 20 (5.10.1923) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 20 (5.10.1923)
Date
1923-10-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 20 DIE WAHRHEIT Seite 15 Wahrheiten vom Tage Der Fechter von Budapest. Se. Exzellenz Graf Bethlen, im Hauptberuf Reisender in Anleihesachen, ist bisher nicht auf die Kosten seiner beharrlichen Fahrten gekommen. Außer einigen wohlwollend höflichen Zusagen konnte er noch nichts auf sein Gewinnkonto buchen, wenn überhaupt schöne Redensarten als Gewinn zu betrachten sind. Wenn man bedenkt, welchen Schwierigkeiten und Geduldproben der Bundeskanzler Seipel in einem ähnlichen Fall ausgesetzt war. ehe ihm die Völkerbundanleihe gelang, wird man die Aussichten des Grafen Beithlen nichts weniger als rosig bezeichnen können. Dabei kommt noch in Betracht, daß die österreichische Republik ohne politischen Kredit keinen finanziellen gefunden» hätte. Oesterreich war bei den maß-, d. h. geldgebenden Faktoren, bei den führenden Männern der großen und! kleinen Entente Liebkind wegen semer politischen Verläßlichkeit, wegen seiner Anpassung an die Wünsche der alliierten und assoziierten Mächte, was von Ungarn dank seiner Erwachenden nie gesagt werden konnte. Es ist vielmehr eine übel vermerkte Tatsache, daß Magyarien innerlich und äußerlich nicht zur Ruhe kommen will, und Ruhe ist des Staatsbürgers erste Pflicht, wenn er Geld borgen will. Der gräfliche Fechter von Budapest konnte demnach immer nur mit leeren Händen und ebensolchen Versprechunigen heimkehren. Dabei kommen Staats- und Volkswirtschaft stetig herab, und wenn eine feile Presse von guten Beziehungen zu Rumänien und der Tschechoslowakei fabelt oder faselt, so geschieht dies doch immer nur zu dem Zwecke, um das Gesicht einer Regierung zu-wahren, das seine Schamröte verbirgt. Der C. V. muß erhalten bleiben! Unter dieser Parole hat der Verwaltungsauschuß des Zentral- Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am1 2. September eine Sitzung abgehalten, in der Justizrat B r od n i t z präsidierte und die in achtstündiger Beratung jene Maßregeln festlegte, die gegenüber der furchtbaren deutschen Geldeutwertung die Mittel sichern solle, die zur Fortführung des Betriebes unerläßlich sind. Es zeigt nun ebenso für die mustergültige Organisation des C. V., wie für die Opferwilligkeit seiner Mitglieder, daß die außerordentlichen, der schweren Not der Zeit angepaßten Mehrleistungen keinem Widerspruch begegneten. Höchst anerkennungswert war der Beschluß des Verwaltungsausschusses, daß die normalen Mitgliederbeiträge keine Grenze nach oben oder unten beschreiben, daß vielmehr jedermann nach gewissenhafter Selbsteinschätzung sipviel steuere, als es ihm möglich ist. Der C. V., über dessen segensreiches Wirken kein Wort gesagt werden muß, bleibt also erfreulicherweise erhalten. Seime1 rettende Tat soll überall beispielgebend aneifem Alldeutsche Moral., Jedes dritte Wort der peutschnationalen betont die völkische Redlichkeit im Gegensatze zur semitischen Verderbtheit in Handel und Wandel, woran sich das folgerichtige Begehren knüpft, die jüdischen Schädlinge als Vampire des GeuTmamenvolkes mit Stumpf und Stiel, so oder so. d. h. durch Verwaltungsmaßregeln und blutige Gewalt auszurotten. Sofern zwei das Gleiche tun, ist es nach Anschauung der Gräfe, Wulle und Hitler nicht dasselbe. Was bei einem Stinnes für recht gehalten wird, gilt für die „Andersgearteten*' nicht als foitig. Mit Vorliege wird von arisch-germanischer Seite auf die maßlose Bewucheruing des Volkes durch das jüdische Großkapital hingewiesen, das in den Banken Reinkultur zeigt. Es ist nun sehr nützlich und belehrend, an einem Beispiel die alldeutsche Moral eines Finanzinistituts zu demonstrieren, das selbst vom Schatten jüdischen Einflusses unberührt ist, und da übernehmen wir den Alarmruf der Schutzvereiniigung von 295 Genossen der Bertiner DeutschvölkischenBank, der folgendermaßen erging: „An die Genossen der Bank! Ungeheuerliche Vorkommnisse zwingen uns, die bisher aus völkischen Rücksichten geübte Zurückhaltung aufzugeben und rücksichtslos vorzugehen. Nicht nur der völkische Charakter des ganzen Unternehmens ist aufs1 höchste gefährdet, sondern außerbereits verlorenen gewaltigen Vermögenswerten drohen den Genossen auch noch weitere Verluste. Es ist daher unbedingt notwendig, daß an der außerordentlichen Generalversammlung am 28. September, mittags1 12.30 Uhr, im Kleinen Hause des Schloßparktheaters in Steglitz, Schloßstraße 48, jeder teilnimmt, der es nur irgendwie möglich machen kann. Die Versammlung ist wieder trotz des Wunsches von 295 Genossen auf eine so frühe Stunde gelegt worden, um recht vielen den Besuch unmöglich zu machen. Damit Sie eine Ahnung bekommen, was auf dem Spiele steht, teilen wir hier kurz folgendes mit: Die früheren Aufsichtsratsmitglieder Landgerichtsrat Jenne, Richard Kunze und Aufsichtsratsrevisor Behrends, sowie die von der ersten Generalversammlung im April eingesetzten Revisoren Kaufmann Wolff und vereid. Bücherrevisor Schilling haben festgestellt, daß der Vorstand so grobe Verstöße gegen die Sicherheit der Bank und die Vermögenswerte der Genossen begangen hatte, daß ihm eine Entlastung unter keinen Umständen erteilt werden konnte. Es steht ferner unzweifelhaft fest, daß sich der Vorstand auf Kosten der Genossen große Vermöge n sv o r t e i1 e verschafft hat. Trotzdem hat die letzte Generalversammlung im Mai. zu der der Vorstand alle seine „Getreuen" herangeholt hatte, um sich die Mehrheit zu sichern, die Vorstellungen der genannten Aufsichtsratsmitglieder vollständig außeracht gelassen, diese Genossen vielmehr aus dem Aufsichtsrat hinausgewählt und einen dem Vorstand genehmen Aufsichtsrat geschaffen, unter dem ietzt die Bank dem Ende entgegengeführt wird. In den letzten Tagen ist zum Beispiel das größte Vermögensobjekt der Bank, die Ziegelei und das Gut Sommerfeld für einen Spottpreis an einen Herrn „Liebschütz" unter Beistand des Rechtsanwaltes „Werthauer" verkauft worden. Das von der Bank versandte Rundschreiben stellt die Tatsachen geradezu auf den Kopf. Nur die Rücksicht auf eine größere Anzahl Genossen, insbesondere kleinere Geschäftsleute, hat uns davon abgeh&Iffefi, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft zu erstatten. Alle weiteren „U «gehe uerlichkeite n", die jeder Beschreibung

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