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Die Wahrheit · 1923-10-05 · Heft 20 (5.10.1923) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 20 (5.10.1923)
Date
1923-10-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 DIE WAHRHEIT Nr. 20 Eingesendet Eine Festpredigt. Von Kommerzialrat Siegmund Bondi, Präsident der „Adas Jisroel". Motto: Der Gott, der Israel wachsen ließ, der wollte keine Knechte. Mit düesem Motto hatte Herr Obenrabbiiner Dr. H. P. C h a j e s am letzten Rosch-Haschonoieste seine Rede geschlossen. Herr Oberrabbiner Doktor Chajes hat hiemat ganz in unserem Sinne gesprochen, nur daß unsere Auffassung betreffs dies Verhältnisses Israels m Gott der seinen diianwnetral ist. Wir betrachten es als die größte Ehre unid Anerkennung Israels, daß war gerade Knechte Gottels sind und wollen solche bleüiben bis an unser Lebensende. Unser Verhältnlüs ist in der Thora im den Wanten „Kl avodiai hem" festgelegt. Dieses Knechttum ist unser Ideal und so lange wir leben, werden wir an diesem Bande nicht lockern und daran festhalten. Wir woMen uneingeschränkte Diener üoties sein und unserer ganzen Lebensauffassung die Richtung geben* daß wir dieses Verhältnis erstarken und uneingeschränkt unseren Kindern und Nachkommen überliefern. Israel kann neben der Souveränität der Thora und des genau beschriebenen Verhältnisses zu Gott keime Nebenherrschaft anerkennen und hat sein Volkstum diesem Verhältnis auch immer zu unterordnen. Was wäre denn Israel, wenn gerade die uniumschränktä Anerkennung Gottes und seiner göttlichen Gebote nicht die Souveränität hätte. Wir wären unter den übrigen Völkern untergegangen und vom Erdboden ebenso verschwunden wie dieselben. Ich glaube hiermit, den Schlußsatz der Rede des ehrwürdigen Herrn Oberrabbiners in unserem Sinme genügend aufgeklärt zu haben und bemerke nochmals, daß wir, so lange wir leben, Knechte des Alhnächtigen sein wollen. Wenn Herr Oberrabbiner davon spricht, daß der Gott, dar Israel wachsen ließ, keine Knechte wollte, so spracht-er auch in unserem Sinne, indem wir orthodoxen Juden keine Knechtung wünschen. Das Verhältnis, das heute zwischen den orthodoxen Juden und der israelitischen Kultusgemeinde besteht, ist wahrlich das Verhältnis der Knechtung. Wir bringen die größten Opfer, um unsere Institutionen zu erhaltest, die Kinder in unserem Sinne zu erziehen, damit dieselben einst, herangereift zu Männern, denselben Idealen wie -wir nachgehen und für die Uebarlieferung des traditionellen Judentums Sorge tragen. Durch die israelitische Kultusgemeinde wird uns das jedoch unmöglich gemacht: 1. Wohl gehören wir einer Gemeinschaft au und haben dieser große Steuerle&stumgen zu entrichten, aber die Kultusgemeinde bietet uns hierfür keine Gegenleistung und müssen wir unsere Institutionen aus eigenen Mitteln befriedigen. Die Kultusgemeinde hat bis heute das wiederholte Verlangen der Orthodoxie, das Rabbinat der- Adas, Jisroel anzuerkennen, damit dasselbe berechtigt ist, Gitim und Chaliess sowie, für, staa^litihe Behördea. Qu^chteiK abzugeben, nicht erfüllt. 2. Unsere seit Jahrzehnten wiederholte Bitte, die / Kinder, . welche an den Religionsschiulen der Adas Jisroel und der angeschlossenen orthodoxen Bethäus^r unterrichtet werden, vom Religionsuniterrichte der Lehrer der Kultusgemeinde zu düspemsiereni, nicht entsprochen. Dieser Religionsunterricht ist für unsere Kinder ein direktes Verderbnis, da in demselben die große Mühe der häuslichen Brzilehnnig untergraben wird, indem die den Kindern zu Hause beigebrachten Reiligionsbegriffe gerade durch den Religionslehrer erschüttert werden. 3. Ferner stehen wir auf dem Standpunkte, daß auch auf dem Friedhofe der israelitischen Kultusgemeinde jedem im Sinne der Thora lebenden Juden die Möglichkeit geboten werden muß, nach dem Tode eine den religiösen Ansprüchen entsprechende Grabstätte zu finden. Der arme sowie der wohlhabende religiöse Jude muß darüber Sicherheit haben, daß nicht nach seinem Ableben seine Beisetzung, auf einem Friedhofe erfolgt, auf welchem.' Urnen beigesetzt, Grüfte errichtet und die. Gräber durch BLumen verziert werden. Die strenggläubigen Juden verlangen, daß auf dem Friedhofe ein Teil abgezweigt wird, auf welchem allan strengr religiösen Bedienungen. entsprochein wiird, wie dies, bei den Sephardim der Fall ist. Das Verlangen der Orthodoxie, daß endlich ihre Wünsche vom Vorstand der Kultusgemeinde erfüllt werden, wurde in' der Plenarsitznng; der israelitischen Kultusgemeinde: am Sonntag dien 23. September 1. J. durch driei Vertreter strenggläubiger Richtung, und zwar Herrn Wolf Pappen heim, Herrn Osias März und meine Wenigkeit, eine Eingabe -in obigem Sinne dem Vorstände vorgelegt. Ich habe: dieselbe vorgeteen und habe sowohl selbst als auch Herr Wolf Pappenheiim zur Erläuterung während der Debatte wiederholt das Wort ergriffen. Wir haben uns. nun entschlossen, unsere Forderungen zu terminisieren, damit endlich einmal auf dieselben geantwortet wird und die Orthodoxie weiß, was sie von der Kult isgemeinde zu erwarten hat. Sie ist nicht gewillt, sieh, weiter wie bisher behandeln zu. lassen und muß notfalls aus dem* Vorgehen der Kultusgemeinde' die Kbnv Sequenzen ziehen. Wir hoffen, daß der Kultusvorstand im letzten Moment sich seiner Pflicht gegenüber, der Örtho^ doxie bewußt wird und es der Orthodoxie durch An* erkennung ihrer gerechten Forderungen ermöglicht; im Verbände der Kultusgemeinde auch ferner zu verbleiben. Danksagung, Anläßlich unserer Trauung sind uns ao zahlreiche Beweise der Freundschaft und des Wohlwollens zugedacht worden, daß wir auf diesem Wege allen Gönnern und, Freunden den herzlichsten Dank ausdrucken; ■- insbesondere danken wir Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald, dee weiteren,dem Vorstand, und;* Bethausvorstand -der isr. Kultusgemeinde, den Deputationen des Vereines .Freunde des LeopoldatHdier Tempels", des KrankenunterstlltzungsVereines „Monteflore": und der Beamtenschaft und Angestellten der Kultusgemeinde, wie auch meinen verehrten Herren Kollege*,, Kantor Leo Funke und *F#ato«

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