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Die Wahrheit · 1923-10-05 · Heft 20 (5.10.1923) · page 16

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 20 (5.10.1923)
Date
1923-10-05
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 16 DIE WAHRHEIT Nr. 20 spotten, sowie das Vorleben des ersten Vorstandsmitgliedes, des früheren Staatsanwalts Geras, werden eingehend in der Generalversammlung beleuchtet werden." Es müssen in der Tat schon sehr „ungeheuerliche" Vorkommnisse sein, die die Herren gezwungen haben, ihrem völkischen Herzen einen Stoß zu geben, auf daß es sich in die Oeffentlichkeit flüchte. Wir wissen zur Stunde nicht, welche Ergebnisse die außerordentliche Generalversammlung der Genossen der Deutchvölkischen Bank am 28. v. M. gezeitigt hat. Aber wie immer auch, wenn es den deutschnationalen Stänkerern wieder einmal gelüsten sollte, sich über jüdischen Schwindelgeist das ungewaschene Maul zu zereißen, wird es am Platze sein, ihnen die ungeheuerlichen Vorkommnisse bei der Deutschvölkischen Bank entgegenzuhalten. Ford angeklagt. Nach einer New-Yorker Meldung hat Hermann Bernstein beim dortigen Gsrichtshof Henry Ford auf einen Schadenersatz von 200.000 Dollar wegen judenfeindlicher Artikel verklagt, die in Fords Blatt, dem „Dearnborn Indiepeudent", erschienen sind. Ford beschuldigt hauptsächlich die Juden, den Krieg angezettelt zu haben, um von den Alliierten Palästina zu erlangen. Man erinnert sich, wie Rosika Schwimmer, die mit einer Frauendelegation im September 1915 bei Wilson eine Friedensvermittlung durchsetzen wollte, Ford in Detroit besuchte und ihn im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern als begeisterten Pazifisten ganz auf ihrer Seite fand, wie aber diann der Gastgeber plötzlich, wie nicht bei Sinnen, in den Ruf ausbrach, den er, wie eine eingelernte Formel, immer wiederholte: Die deutsch-jüdischen Bankiers haben den Krieg gemacht. Ich habe Beweise. Tatsachen. Ten erhalte noch weitere. Dann werde ich sie veröffentlichen." Ford, der augenscheinlich unter dem Einfluß seines bei ihm allmächtigen Generalsekretärs Liebold steht, ist diesen Beweis1 bis heute schuldig geblieben. Aegypten und die Bibel. Laut Mitteilungen in der amerikanischen Prese wurden im vergangenen Juni durch die Expedition des Pensylvania-Museums in Bethschean (Palästina) zwei Steintafeln ausgegraben, von denen die eine über die Beziehungen berichtet, die Pharach Seti zu den Kriegen zwischen den Stämmen Transjordaniens und Palästinas unterhielt. Die zweite erwähnt neben anderen wichtigen Tatsachen die, daß bei der Erbauung" der Stadt Rameses Asiaten verwendet wurden. Die Ausgrabungen in Gibeah (in der Nähe Jerusalems) haben Ruinen von vier Festungen festgestellt, die erste aus der Zeit der Richter, die zweite war die des Königs'Saul, die dritte erbaut vom König Asa, die vierte von den Makkabäern. Juden als Ackerbauer. Auf der Moskauer Industrie- und Ackerbau-Ausstellung ist für die Leistungen der jüdischen Ackerbaukolonien Rußlands ein besonderer Pavillon bereitgestellt worden. Theater, Kunst u. Literatur Warnung vor Irrtümern. Die Prager „Wahrheit", Unabhängiges Organ für öffentliche Fragen, hat in Wien eine Filial-Redaktion und Administration eröffnet. Wir bitten in Anbetracht dieses Umstandes, um etwaigen Irrtümern vorzubeugen, bei Zuschriften an unsere Redaktion und Administration stets die genaue Adresse: IL, Heinestraße 13, zu berücksichtigen. Diese Feststellung richtet sich absolut nicht gegen unsere Prager Namensvetterin „Die Wahrheit", deren Wiener Redaktion unter Leitung des Herrn Dr. Desiderius Papp steht und gewiß in erster Linie den Zweck hat, die Prager Redaktion mit Berichten über österreichische Verhältnisse zu versorgen. Vortragstournee Josef Grob. Auf Einladung mehrerer jüdischer Körperschaften begibt sich der bekannte jüdische Schriftsteller Gm o b ins Ausland, um eine Vortralgstournee zu absolvieren. Josef Grob, dessen Vorlesungen von der Wiener jüdischen Bevölkerung immer mit Vorihlebe besucht wenden, ist auch auswärts sehr bekannt und es ist zu erwarten, daß er, der einer der besten Interpreten am Vorlesetische ist und ausschließlich seine eigenen Dichtungen, 'dSe sich durch einen seltenen Humor auszeichnen, zum Vortrage bringen wird, von den Liebhabern der jüdischen Literatur im Auslände-entsprechend gewürdigt werden wird. Walther Rathenau. Eine Würdigung zu seinem Gedächtnis. Marcan-Block-Verlag. Köln 1922. Hier sind drei gute Vorträge abgedruckt, in denen, was immer schwerer wird, über den großen Toten noch etwas in weiten Kreisen Neues und dabei Gutes gesagt wird. Sie sind anläßlich einer von Dozenten und Studierenden der Universität Köln abgehaltenen Gedenkfeier für Rathenau von den Professoren Scheler, Heimann und Baumgarten gesprochen worden. Besonders der Zweitgenannte weiß viele interessante Einzelheiten der Persönlichkeit Rathenaus mitzuteilen. Wertvoll ist insbesondere, wie Scheler das Geheimnis der eigentlichen politischen Ueberzeugung Rathenaus vor Augen führt; wie er ausführt, inwieweit Rathenau „Demokrat" gewesen ist und. inwieweit nicht. Im Ganzen eine schöne Würdigung voll wissenschaftlichen Verstehens und tiefmenschlicher Liebe. O, H. Die Brücke über den Abgrund. Um der deutschfranzösischen Verständigung die Wege zu ebnen, hat die Deutsche Liga für Menschenrechte, Berlin, Kurfürstenstraße 125, eine Broschüre unter dem obigen Titel herausgebracht. Das interessante Schriftchen enthält neben dem Bericht über den Verlauf der Verständigungskundgebungen im Reichstag, im Lehrervereinshaus und im Ruhrrevier auch die genaue Wiedergabe der wundervollen Reden des Pariser Professors V. Basclr. Außerdem birgt das Büchlein für jeden Friedensfreund interessantes Material. JAC. M AVER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborsrraße 44

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