Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 20 (5.10.1923)
- Date
- 1923-10-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 15 auf die kulturelle Entwicklung der Menschheit wäre. Das Professorenkollegium wird aber im Sinne der Beschlüsse des Hochschultages vom 21. Jänner 1923 nach wie vor die Gefahr der Schädigung des deutschen Charakters der Hochschule für Bodenkultur unentwegt im Auge behalten und auch bei Bestellung von Professoren und Dozenten wie bei Verleihung akademischer Würden auf die Wertung der wissenschaftlichen Verdienste und auf die moralische Eignung der Anwärter zu geistigen Führern der deutschen Studentenschaft strengstens Bedacht nehmen. 15. September 1923. Rektor Fischer m. p. Hierzu bemerkt „Der Tag" vom 3. d. M.: Die Hochschule für Bodenkultur galt bisher für ein Institut, das die Aufgabe hat, dafür zu sorgen, daß in Oesterreich möglichst guter Kohl gebaut werde. Aber es scheint, daß ihr Professorenkollegium andere Sorgen hat. Diesem Professorenkollegium gehören mindestens zwei Herren von jüdischer Abkunft an, beide Gelehrte von großem Ruf. Der neue Rektor, der demnächst Herrn Fischer ablösen wird, ist Professor Hofmeister, einst Wahlkandidät der Bürgerlich - demokratischen Arbeitspartei. Aber gleichviel aus was für Leuten der akademische Senat bestellt, der ein so unerhörtes Schriftstück verfaßt hat. Die Tatsache ist in der Welt, daß die Lehrer einer Wiener Hochschule es für gut befunden haben, ex cathedra die wüstesten antisemitischen Parteiphrasen zu verkündigen. So etwas wai bisher in Wien noch nicht da, selbst an der Universität nicht, wo wir schon so viel Absonderliches sich ereignen sahen. Ein Professorenkollegium einer deutschen, das heißt einer europäischen Hochschule verlangt seufzend nach einem „Forum zur Feststellung der rassischen Herkunft" — wessen? Von Zuchtpferden oder Vollblutpferden? — nein, von Staatsbürgern, denen das noch immer nicht aufgehobene Grundgesetz der Republik volle Gleichberechtigung verspricht, ein Gesetz, das nichts davon weiß, daß ein erheblicher Teil der Bevölkerung die kulturelle Entwicklung der Menschheit schädige. Dasselbe Professorerikollegrum teilt in einer hinterhältigen Verklausulierung mit, daß es nicht dulden werde, daß Angehörige dieses Volkteiles zu Hochschullehrern ernannt werden. Nebenbei bemerkt, unter allen österreichischen Hochschulen hat die für Bodenkultur die wenigsten jüdischen Hörer, von einer „Verjudung" kann dort gar keine Rede sein, und die Heldentat dies Rektors Fischer und seiner Mitschuldigen ist daher nichts als eine mutwillige Störung des bürgrlichen Friedens und jenes wissenschaftlichen Ernstes, der an einer Hochschule zu Hause sein sollte. Die österreichische Landwirtschaft, über deren katastrophale Rückstäridigkeit so viel geklagt wird, bedarf einer ernstlichen wissenschaftlichen Führung; wenn die Professoren der landwirtschaftlichen Hochschule darauf bedacht wären, Kohl zu bauen, statt Kohl zu reden und zu schreiben, würden sie ihre beschworene Pflicht besser erfüllen. Politik und Fremdenverkehr. In der letzten Nummer haben wir eine an den Bundesminister für Verkehrswesen Dr. Schürt! gerichtete Eingabe, betreffend die Schädigung des österreichischen Fremdenverkehrs durch die antisemitische Hetze in den Sommeririschen veröffentlicht. Darauf ist uns folgende Zuschrift des Bundesministeriums für Verkehrswesen zugekommen: ZI. 27.538/20. Wien, üm 26. September 192.*. An die Union deutsch-österreichischer Juden in Wien IX., Berggasse 4. Wir haben Ihre Eingabe vom 29. August!. J. dem Bnndeskanzleramte und dem österreichischen Verkehrsverband, der alle Landesverbände rür Fremdenverkehr umfaßr, mit dem Ersuchen um weitere Behandlung der Angelegenheit übermittelt. Für den Bundesminister: Oamter. Die Kandidaten der „Jüdischen Wahlgemeinschaft". Die „Jüdische Wahlgemeinschaff stellt für den N a t i o n a 1 r a t als Listenführer im Wahlkreis Nordost (Leopoldstadt, Brigittenau, Flortdsdorf)_. Herrn Gemeinderat Dr. Rudolf Schwarz- H i 11 e r, als Listenführer für den Wahlkreisverband Wien (Reststimmenmandat) Herrn Oberbaurat Robert Stricker auf. Die Listenführer der „Jüdischen Wahlgemeinschaft" für den Gerne in d erat sind: Für den 1. Bezirk Herr Kommerzialrat Doktor Isidor S c h w a r z m a n n, für den 2. Bezirk Gemeinderat Dr. P 1 a s c h k e s, Gemeinde rat Doktor Schwarz-Hiller und Dr. Körner, Präsident der „Hakoah", für den 3. Bezirk Hofrat Dr. Emil Riesenfeld und Kommerzialrat Max Markus, für den 6. Beziirk Bautrat Dr. Defris und Doktor Desiider Friedman«, für den 7. Bezirk Markus Fischer und Dr. Desider Fried!mann, für den 9. Bezirk Gemeinderat Dr. Pollak-Parnau und Simon W e i n e r, für den 20. Bezirk Oberbaurac Dr. Robert Stricker, Dr. Körner und Gemeinderat Dr. Plaschkes. Die vollständige Kandidatenliste wird jedem jüdischen Wähler, respektive jeder jüdischen Wählerin rechtzeitig ins Haus gestellt werden. Die Wahlleitung der „Jüdischen Wahlgemeinschaft" befindet sich im Kaffee „Atlashof", I., Aspern platz 4 (Telephon 79-0-34) und im Büro der „Union der österreichischen Juden'*, IX., Berggasse 4 (Telephon 19-2-77). MWK««^ Gedenket in Leid und f reud des israelitischen Taubstummeninstituts in Wien III-, Juch&sse 22.