Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 18-19 (10.9.1923)
- Date
- 1923-09-10
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite ^30 DIE WAHRHEIT Nr. 18/19 trägt Zinsen, die sehr gut ausfallen, wenn man bedenkt, daß die dem Oesterreicher Hitler, den man wohl nie als „lästigen Ausländer" abschaffen wird, gespendeten Markbeträge im April (!) noch etwas wert waren. Heute wäre für ihm, großzügig, wie er ist, eine solche Gabe nur schlechter Aprilscherz. Und was er will. Er hat es zwar schon unzählige Mate seinen Horden im eigenen Lande gesagt, aber er hat den Ehrgeiz, ein Prophet zu sein, der auch bei allen Gleichgesinnten aller deutschen Länder gilt und so entwickelte er anläßlich des Parteitages itn Salzburg den aufhorchenden Freunden seine Pläne. Daran noch nicht genug, schrieb dieser Mensch im Salzburger „Volksruf" einen Artikel ähnlichen Sinnes — man verzeihe das härte" Wort! Das war von seinem Standpunkt wohlgetan, denn was man schwarz auf weiß besetzt, kann man getrost nach nach Hause tragen und für den Bedarfsfall gebrauchen. Also schrieb Adolf Hitler im Leitaufsatz des erwähnten Blattes unter dem Titel „Die erste Tat", das Ziel und Weg der deutschen Nationalsozialisten die Ausrottung der Fremden, ob Welsche oder Juden, sein müsse. Nur nicht von des Gedankens Blässe sich ankränkeln lassen, sondern mit bajuvarischer Rauferfaust bis zur Bewußtlosigkeit dreinschlagen! „Ohne Bedenken auf die hohe Zahl!" Hitler und seine Leute werden schon mit der Reichswehr und, wenn es sein muß, mit der ganzen französischen Besatzung fertig werden. So ungefähr las und schrieb man es auch vor dem Kriege. An dem dicken Ende hat jetzt das gesamte Deutschland zu tragen1. Der wahre Geist Ludendorffs steckt in dem ehemaligen Dekorationsmaler. Die Partei mag dabei in Trümmer gehen, kündet Adolf Hitler zum Schluß. Verstehen wir ihn wohl, gemeint ist die nationalsozialistische Partei, die nur gutbesoldete Wegbereiter für Ihre Majestäten des deutschen Nordens und Südens ist. Der Münchener Mordprozeß. Man schreibt uns aus München vom 27. v. M.: Heute wurde das Urteil in dem Hochverratsprozeß wegen der Ermordung des. Studenten B a u r, der am 6. und 7. geführt wurde, nach abermaliger Verhandlung zu Ende geführt. Der Mörder des Studenten Baur, August Zwengauer, der von seinen eigenen Gesinnungsgenossen als angebliches Spitzel getötet worden war, erregte weniger Interesse als der Anstifter des Mordes, der frühere PrivaJtdozent für Philosophie an der Universität Heidelberg, Doktor Arnold Rüge. Im Juli 1920 wurde ihm durch das badische Unterrichtsministerium nach Anhörung: der philosophischen Fakultät die venia legendi entzogen. Er ist der gleichnamige Enkel des freisinnigen 1848er- Vorkämpfers Rüge, destsen Witwe von Kaiser Wilhelm II. später eine bedeutende Gnadenpension erhielt. In Heidelberg kämpfte er gegen das Frauenstudium in der Broschüre „Das Wesen der Universität und das Frauenstudium" (1912), das er als „das Werk einiger hysterischer Jüdinnen" bezeichnet haben soll. Seit der Beendigung des Krieges wurde er durch seine fortgesetzten schroffen nationalistischen Bestrebungen bekannt, so daß er auf die Beschwerde der Heidelberger Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr des Antisemitismus und des israelitischen Oberkonsistoriums in Karlsruhe vom badischen Ministerium in Disziplinaruntersuchung gezogen wurde, das zu seiner Entfernung vom. Lehramte führte. In der am 1. Juni durchgeführten Verhandlung wurde er als Zeuge einvernommen, was zahlreiche Widersprüche ergab. Ende Juni beantragte die Staatsanwaltschaft Ruges Verhaftung, die auch durchgeführt wurde. Am 22. August begann der Prozeß, in dem Rüge als Gründer einer nach russischem Vorbilde gebildeten Tscheka angeklagt war, wobei er der Aufforderung zum Morde an Baur überwiesen wurde. Die Aufforderung zum Morde an Baur wurde in ""einer Rede gefunden, die Dr. Rüge am 13. Februar d. J. in einer Versammlung der Mitglieder des Blücherbundes hielt, in der er in aufreizender Weise davon sprach, daß mißliebige und schädliche politische führende Personen und führende Juden beseitigt werden müßten. Der Fanatismus Ruges war, wie die Begründung des Urteils betont, na jener politisch hochgespannten Zeit durch seinen Einfluß auf die jugendlichen Gemüter seiner Zuhörer doppelt gefährlich. Der Mörder August Zwengauer wurde zur Todesstrafe und Dr. Rüge wegen Vergehens der Aufforderung zum Mord zu einem Jahr Gefängnis vom Volfcsgericht verurteilt. Gesellschaft von Förderern und Freunden der Kultusgemeinde. Unter diesem Titel hat sich, nachdem unserem Wiener „Verein der Freunde des Leopoldstädter Tempels" analog in Berlin ein „Verein der Interessenten; der alten Synagoge" entstanden war, auch in M ü n c h e n vor einiger Zeit unter dem Vorsitze des Justizrates Dr. Dispeker ein Verein gebildet, der die dortige Kultusgemeinde unter anderem durch Sammlungen unter den Gemeindemitgliedern in die Lage versetzen will, ihren Aufgaben in Angelegenheit des Kultus gerecht zu werden, vor allem ihre Angestellten zeitgemäß zu besolden. Wie ich mich bei meinem jüngsten Aufenthalt in München überzeugen konnte, ist schon durch die Beiträge der Vereinsmitglieder, die in Goldmark entrichtet werden, in dieser Hinsicht Ersprießliches geleistet worden. Daß der Münchener Kultusvorstand die Arbeiten des Vereines« mit größtem Wohlwollen und genü'hrender Dankbarkeit und Anerkennung begleitet, bedarf keiner 'besonderen Erwähnung. Neuerlich ein Beweis, wie glücklich und 'berechtigt die Idee war, unseren „Verein der Tempelfreunde" ins Leben zu rufen. Es ist zu. wünschen, daßdieser Verein sich über alle Wiener Bezirke ausdehne, zumal seine Tendenzen sich .keineswegs' auf den Kreis des Leopoldstädter Tempels und seiner Besucher beschränken, sondern auf die Hebung des Geimemdelebens im allgemeinen zielen. Wie dringend eine solche Zusammenfassung aller unparteiischen, nur auf das Wohl der Gemeinde bedachten Kräfte nottut. dafür spricht schon die Tatsache allein, daß dieser Verein, der für den Wiederauifibaiu des abgebrannten Lepoldstädter Tempels Hunderte von Millionen aufgebracht hat und fortgesetzt aufbringt, von der gegenwärtigen Gemeindeleitung in einer Weise behandelt wird, die ihn bereits bei höheren Instanzen sein Recht zu suchen gezwungen hat. Dr. W . . . r. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA Werbet Abonnenten für „Die HahFlieit11! rTT?TTT?TTY¥TV?7TTTT?TTTTVTVY?*¥TT*TVTVV