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Die Wahrheit · 1923-09-10 · Heft 18-19 (10.9.1923) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 18-19 (10.9.1923)
Date
1923-09-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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in Betracht, die an sich naturgemäß nicht nur physisch, sondern auch seelisch zur Geltung gelangt. Anders Spengler. Er spricht (149) von einer Energie des Blutes, das durch Jahrhunderte immer wieder dieselben leiblichen Züge (Familienzüge) prägt. Zu dieser Einwirkung, die aber doch nur bedingt, nämlich bei Ausschließung oder Einschränkung fremden Blutzustromes zu Recht 'bestünde, und dem Einfluß des Bodens, der den „Menschenschlag" erzeugt, tritt aber bei Spengler „noch jene rätselhafte kosmische Kraft des gleichen Taktes eng verbundener Gemeinschaften. Was man das Versehen der Schwangeren nennt, ist nur eine wenig bedeutende Einzelheit aus einem der tiefsten und mächtigsten Gesitaltungsprinzipien alles Rassehaften". Wovon Spengler hier spricht, ist eine alltägliche Erscheinung. Spengler selbst weist darauf hin, daß Eheleute nach langem engen Zusammenleben mitunter einander ähnlich sehen. Dasselbe beobachtet man an. den Juden, die, in England anders als in Rußland, vielfach restlos den Typus der Umgebung angenommen haben. Es ist nichts als eine Folgeerscheinung der Milieugemeiiischaft. Dieser Zusammenhang wirkt sich auch seelisch aus. „Man kann", nach Spengler, „die Gestaltungskraft dieses lebendigen Taktes, dieses sitarken innerlichen Gefühles für die Vollkommenheit des eigenen Typus gar nicht hoch genug anschlagen." „Dieses Rasseideal setzt sich," wie er erklärt, „durch, unabhängig von der Wahl der Frauen. Im Verlaufe von kaum zwanzig Generationen wächst so die Bevölkerung eines Landes zu einer einzigen Familie zusammen. Der Begriff der Rasse ist somfc sehr dehnbar. Wir finden sie „bei jedem alten Adel, der sich stark und innig als Einheit fühlt und eben damit ganz unbewußt zur Ausbildung eines körperlichen Ideals gelangt. Kameradschaft züchtet Rasse. Französische Noblesse und preußischer Landadel sind echte Rassenbezeichnungen. Edle Menschen unterscheiden sich in ganz derselben günstigen Weise wie edle Weine." Das „Aroma ist für die messende und wägende Wissenschaft unerreichbar." Darum ist „eine feste Einteilung der Rassen unmöglich. Rasse ist im Gegensatz zur Sprache durch und durch unsystematisch. Zuletzt hat jeder einzelne Mensch in jedem Augenblick seines Daseins seine eigene Rasse." Rasse ist Stil, Charakter. Hier ist es klar und deutsch herausgesagt: Rasse ist wissenschaftlich, begrifflich nicht zu erfassen. Sie besteht nicht objektiv, sie ist Sache des Gefühls und des Geschmacks und jede Rassent'neorie ist demnach eine künstliche Konstruktion, umso gefährlicher, wenn sie Haß und Verfolgungseifer zur Stütze dient. Wenn auch, nach Sp., „Rasse nichts Stoffliches, sondern etwas Kosmisches und Gerichtetes, gefühlter Einklang eines Schicksals, gleicher Schritt und Gang im historischen Sinn" ist, so kann freilich „aus einem Mißverhältnis dieses ganz metaphysischen Taktes" Rassenhaß entstehen. Er ist aber jedenfalls etwas rein Gefühlsmäßiges, keinesfalls, wie seine * Wortführer wollen1, wissenschaftlich irgendwie begründet. Frei von solcher Anwandlung, sagt Sp. im Zusammenhange mit seiner Rassenauffassung (149): „Gerade das hat auch den Typus des europäischen Juden mit seiner ungeheuren Rassenenergie in einem tausendjährigen Ghetto herangezüchtet und wird immer wieder eine Bevölkerung zu einer Rasse schmieden, sobald sie sich einem Schicksal gegenüber seelisch für lange Zeit aneinanderschließt." Von einer jüdischen Rasse, wie sie zum Beispiel auch von L e n z (in dem von Ruber, Grutber und Ficker herausgegebenen „Handbuch der Hygiene" sowie der „Menschlichen Erblichkeitslehre" von Bauer, Fischer und Lenz) behandelt wird, kann somit nicht die Rede sein. Nur Einheit des Wohnortes und Gemeinsamkeit des Schicksals schaffen gewisse Typen, die sich alber wandeln mit dem. Wechsel der Ursachen. Auch die „jüdische Rasseneniergie" kann nur so verstanden werden, daß im Juden ein seelisches Ideal lebt, das auszuprägen und zu vererben ein Lebensziel bildet. Ein körperliches Ideal im Sinne unser* Rassemfexe kannte der Jude nie. Das, zu mancher Zeit sehr erhebliche, Proselytentum spricht dafür, ganz zu schweigen von den modernen Mischehen, die zumal, wo sie nicht mit dem Uebertritt des fremden Teiles zum Judentum verbunden sind, als Entartung gebucht werden. (Fortsetzung folgt.) T'kioh ... Ein Sammelruf zu den Jüdischen Festtagen von Josef Grob. Posaunenschall wird wieder am Neujahrstage in den jüdischen Gotteshäusern ertönen. Alljährlich, beim Herannahen der jüdischen Festtage, wird dieser Zapfenstreich geblasen. Der Ruf des Schofars gilt keinen Parteien und Sekten), sondern dem ganzen jüdischen Volke. Einen ganzen Monat lange schmettern die Töne der T'kioh in der jüdischen Gasse und mahnen und rufen zur allgemeinen jüdischen Versammlung. Und sie kommen alle, die während des ganzen Jahres in Parteien und Gruppen gespalten sind, die sich in ihren Programmen mannigfach unterscheiden und bekämpfen, in dieser Versammlung erscheinen sie alle mit dem gleichen Ziele, mit einem einheitlichen Programm: Das jüdische Versöhnjungsprogramm,. Unisono folgt das ganze Judentum dem Ruf des Schofars und versammelt sich in den Gotteshäusern, das große Versöhnungsfest zu begehen; die allgemeine Versöhnung mit Gott und allen seinen Menschenkindern auf Erden. T'kioh! Je länger dieser Ruf aus den jüdischen Tempeln ertönt, desto zahlreicher erscheinen die Kinder Israels, um an geweihter Stätte das Zeugnis abzulegen, daß sie heute wie alljährlich zur Versöhnung bereit sind. Bei allen anderen Nationen und Völker werden die Alarmrufe des Hornsignales als ein böses Zeichen aufgefaßt. Es erzittern die Söhne und erschaudern die Mütter bei jedem Signalruf des Zapfenstreiches, weil er zum Haß und Kampf und Mord aufruft. Eine Schauerkälte durchzieht Länder und Städte beim Erschallen der bösen Durtöne der kalten, blechernen Trompete, weil sie nichts Gutes verkünden: Völkerschlachten und Brudermord, Feuer und Blut und Tränen . . T'kioh! ganz anders der jüdische Zapfenstreich. Dreißig Tage lang schmettern die T'kioh';s in der jüdischen Gasse und je mehr der Schall der Posaune das

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