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Die Wahrheit · 1923-09-10 · Heft 18-19 (10.9.1923) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 18-19 (10.9.1923)
Date
1923-09-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Nr. 18/19 Resolution gegen den Antisemitismus. Die mit dem großen Kriege über die Welt hereingebrochene Katastrophe, hat den Nährboden zu einem neuen Aufflammen des Judenhasses geschaffen, der unendliches Leid über Millionen Unschuldiger bringt. Die Kenessio Gedaulo appelliert im Namen Gottes, des Vaters der Menschheit, an den in der Brust des Menschen schlummernden göttlichen Funken der Liebe und Gerechtigkeit, appelliert an alle Edeldenkenden unter den Nationen der Erde, daß sie den Instinkten des Hasses unter ihren Volksgenossen offen entgegentreten und der Schmach des Judenhasses endlich ein Ziel setzen. Resolution gegen die Verfolgung in Rußland. Die Juden sind seit Jahrtausenden die Träger des, alle sittliche Bindung bedingenden Gottesgedankens. Wann und wo jüdische Menschen als Führer antireligiöser Bewegungen hervortreten, geschieht es im Gegensatze zur jüdischen Tradition und im Gegensatze zur Grundstimmung der religiösen jüdischen Massen. Seit langer Zeit ohne Beispiel sind die Verfolgungen, die sich gegenwärtig in Sowjetrußland gegen religiöse Betätigung, namentlich auch gegen das jüdisch-religiöse Leben, also gegen alle Juden richten, die den Geboten der Thora und der Tradition gemäß leben, lehren und lernen. Die Kenessio Gedaulo spricht den Verfolgten ihr tiefstes Mitgefühl aus und protestiert gegen die Verfolgungen. Sie spricht ihre Ueberzeugung aus, daß von allen Ideen, wohl am wenigsten die Höchste, die Idee Gottes und des Gottes dienenden Lebens, durch irgendwelche Machtanwendung unterdrückt werden känn und appelliert an die Sowjetregierung, dafür Sorge zu tragen, daß den für den menschlichen Geist und die menschliche Würde so überaus beschämenden Vorgängen ein Ende bereitet werde. Resolution gegen die Schaffung rein weltlicher jüdischer Gemeinden. Die Kenessio Gedaulo erklärt die Bildung rein weltlicher Gemeinden, sogenannter Volksgemeinden, als in Widerspruch stehend mit der tausendjährigen Tradition des Judentums und fordert den Aufbau der jüdischen Gemeinschaft auf der Grundlage des Thoragesetzes, das alle Zweige des religiösen, ^kulturellen und sozialen Lebens umfaßt und ordnet. Sabbath. Die Grundlage des thoratreuen Judentums bildet die Heiligung des Sabbaths durch völlige Arbeitseinstellung. Der Sabbath der Bibel, den man der Urmenschheit als kostbares Gut des wöchentlichen Ruhetages geschenkt hat, ist für das jüdische Volk der geistige Gesundbrunnen, der allein den Fortbestand der für die Menschheit wertvollsten Charakterzüge-des Juden gewährleistet. Die Kenessio Gedaulo richtet in diesem Sinne an die Staaten, in denen die Juden leben, die Bitte, die Sabbathheiligung durch gesetzgeberische Maßnahmen nicht derart zu erschweren, daß den Sabbath heiligenden Juden, ein zweiter voller Ruhetag auferlegt und damit das wirtschaftliche Opfer der Sabbathheiligung für die jüdischen Bürger bis zur Unerträglichkeit gesteigert wird. Die gesetzliche Berücksichtigung des Sabbaths in der Sonntagsruhe-Gesetzgebung, wofür Vorbilder bereits vorliegen, ist eine Forderung der Gerechtigkeit. Schechita. Gegenüber den antisemitischen Angriffen stellt die Kenessio Gedaulo fest, daß nach biblischer Vorschrift die Tötung des Tieres durch den Akt der Verhältnisse zur Bewerbung um Aufnahme. Anfangs nur von den Aermsten unseres Volkes b eg e h r t und darnach eingerichtet, ist es heute ein Pflegeheim für solche, die früher in den vorderen Reihen gestanden und selbst fürsorglich und werktätig Wohltaten gedibt und an den Schöpfungen für die Allgemeinheit sich beteilig;: haben. Jetzt, wo sie selbst untätig und fürsorgebedürftig sind, fühlen sie sich beglückt durch das Bewußtsein einst beigetragen zu haben zur Linderung der Altersnöten. Mit dem Anwachsen des Bedarfes sollte auch für die Entstehung von Alltersheimstätten gesorgt werden für unsere jüdischen Alten und dieses schöne Ziel sollte die Jugen d sich zur edlen Aufgabe machen. Wenn die Jugend sich dafür begeistern wollte, zu jedem Sport, den sie betreibt, zu den Vergnügungen, die sie in Szene setzt, zu Veranstaltungen und GeselligkeitsakJtionen jeglicher Art einen Prozentsatz diesem edlen Zwecke zu widmen, könnte ein Altersversorgungsfonds entstehen, der Grundstein gelegt werden zu einem zweiten Altersheim, welches sicher nicht überflüssig sein wird, wenn auch die heutige Jugend im Schnee des Alters eine geschützte Heimstätte suchen^ ein behagliches Ruheplätzchen brauchen wird. Es soll dies kein Armenhaus werden, in welches man weh- und demütig einkehrt, der Not gehorchend und nicht dem eigenen Triebe. Alice Menschen gleichen Kindern, die auch etwas Freude und Heiterkeit brauchen, ein bischen Sonnenschein, um nicht verdüsterten Gemütes des Lebens überdrüßig zu werden. Nicht alle alleinstehenden Alten sind pekuniär verarmt, sondern oft arm an Liebe und Zugehörigkeit zu einer Familie und dem befriedigten Gefühl der Geborgenheit bis zum Grabe. Das ist es, was uns aussöhnen kann mit allen Leiden des Alterns und das Gemüt bewahrt vor Verdüsterung und Depressionen. Warum sollen Menschen nach arbeitsvollem Leben, nach vollbrachtem Schaffen und Wirken nicht eine gesicherte Ruhestätte finden, wo sie in girier Stimmung in ein Friedensheim einkehren könnten und mit der Errungenschaft ihrer Arbeit ein behagliches Plätzchen finden, wo ihnen Pflege, Obhut und die nötige freundliche Fürsorge geboten würde. Dem müden Lebens-wanderer sollte doch für den Lebensabend ein freundliches Plätzchen als Errungenschaft winken für sein vollbrachtes Schaffen und Wirken. Die Jugend soll sich des Gedankens und Gedenkens an das Älter bemächtigen, mit edler Begeisterung jede Gelegenheft. Leid und Freud benützen, um dem Alter Tribut zu zollen, aus Pietät, Dankbarkeit oder Gefühlsregung und Erinnerung. Es gilt einem großen Werke, zu dem bei Zeitten Steinchen um Steinchen gesammelt (werden soll. Jugendliches Feuer wird rascher zün-

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