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Die Wahrheit · 1923-09-10 · Heft 18-19 (10.9.1923) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 18-19 (10.9.1923)
Date
1923-09-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr, 18/19 DIE WAHRHEIT sie von ihrem Throne gestürzt sind und es sich erfüllt „daß die Welt sich ordne als das Reich Gottes, des Einzigen, des Vaters aller Menschen". , Der schlimmste Götze aber, vor dem die Welt seit undenklichen Zeiften auf den Knien liegt, dem man Opfer darbringt, schlimmer und zahlreicher als je die. Heiden ihrem Moloch, das ist die Macht, die auf Gewalt sich stützt. Um der Macht willen begehen die Menschen die schlimmsten Sünden, verrät der Bruder den Bruder, verläßt der Freund den Freund, zerfleischen die Völker 'einander. Wie wenn es darauf ankäme, die eigene Art dem andern aufzuzwingen! Die Welt wird nicht eher Ruhe haben, als' bis jeder weiß, daß Macht zur Sünde verführt. Wir sollen die Welt aufbauen, nicht als das Reich der Menschen, sondern als das Reich Gottes, darin ein jeder nur den Gedanken halt, den Namen Gottes zu verherrlichen und seine Forderung zu erfüllen. Und das ist Neujahrsweihe für das kleine, zertretene Israel, daß wir beten, es mögen die Götzen Macht und) Gewalt entthront werden, „damit die Welt sich ordne als das Reich Gottes". Die wichtigsten Resolutionen und Beschlüsse der Eenessio Gedaulo. Resolution an den Völkerbund. In dem geschichtlichen Augenblick, da zum erstenmale seit Beginn des Exils der Judenheit, die gewählten Vertreter der thoratreuen Juden zu ihrer großen Versammlung (Kenessio Gedaulo) auf den Ruf der Agudas Jisroel, aus nahen und fernen Ländern zusammengekommen sind, entbieten sie allen Völkern und Staaten einen Gruß des Friedens und einen Gruß der Versöhnung. Die Kenessio Gedaulo denkt mit tiefem Schmerze der furchtbaren Verwirrungen und Leiden, unter denen die Menschheit zusammenzubrechen droht. Sie erblickt in diesem Leide einen wirksamen Mahnruf der Rückkehr zum Vater der Menschheit, der über alle Nationen in unerschöpflicher Liebe, die Hütte seines Friedens spannt. Die Kenessio Gedaulo begrüßt die Organisation des Völkerbundes, in der heiligen Hoffnung, daß der Völkerbund Recht und Gerechtigkeit zur Grundlage der Beziehungen der Völker zu einander gestalten wird. Die Kenessio Gedaulo spricht die Erwartung aus, daß im Laufe der Entwicklung, die das Leben der Völker beeinflussenden und bestimmenden religiösen Weltanschauungen innerhalb des Völkerbundes zur Geltung kommen, damit aus dem Völkerbund Versöhnung und Friede erwachse. Resolutionen an den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die zu ihrer Kenessio Gedaulo zusammengetretenen Mandatare der orthodoxen jüdischen Massen aus allen Staaten der Welt, die in der Agudas Jisroel organisiert sind, entbieten dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zur Uebernahme seines hohen Amtes ehrfurchtsvoll Glück- und Segenswünsche. Sie gedenken in tiefer Dankbarkeit des Landes, in dem Millionen ihrer Brüder eine gastliche Heimstätte gefunden, gedenken der gewaltigen Taten der Menschenliebe, mit denen die Bürger Amerikas ihren Brüdern in Mittel- und Osteuropa und Palästina während der letzten Jahre zur Seite gestanden und sprechen den Wunsch und die Hoffnung aus, daß der Präsident, den erhabenen Traditionen entsprechend, seinen Einfluß allezeit zur milden Gestaltung und Handhabung der amerikanischen Einwanderungsgesetzgebung, einsetzen möge. Solange ein altes Ehepaar im leergewordenen Neste sich gegenseitig erfreut, trös/tet, einander hilft und stützt, ist's noch eriträglich und man würzt das Dasein mit alten Erinnerungen. Wenn aber der unerbittliche Tod auch dieses feäte Band zerreißt, beginnt erst der eigentliche Jammer des Zurückgebliebenen. Die Kinder sind oft gut und liebevoll und dennoch außerstande, Vater oder Mutter in ihr eigenes Heim zu nehmen; denn die Schwiegerkinder wehren sich dagegen, Schwiegermutter oder Schwiegervater, wenn sie auch gut zu ihnen sind;, ganz ms Haus zu nehmen. Zu den verschiedenen Abwehrargumenten nehmen sie auch die Furcht vor dem Verluslt ihrer Selbständigkeit im eigenen Haushalt, oder der Furcht, die auferlegten Pflichten nicht erfüllen zu können, in den jetzt ohnehin so schweren Zeitverhältnissen. Da, wo doch ein Versuch gemachit wird, sind die unliebsiamen Aufdringlinge, die armen Alten, zumeist zu beklagen. Frauen versuchen es daher, in ihrem verwaisten Heim zu bleiben und vermieten einen Wohnungsteil oder fügen sich in die traurige Einsamkeit. Doch das wird unmöglich bei zunehmendem Alter und Hilflosigkeit und jetzt kommt der letzte Sturz ins Unerträgliche, die letzte Zuflucht ins — Altesversorgungshaus. Mutterliebe, die bis zum letzten Herzschlag unveränderlich bleibt, legt sich selbst die Pflicht auf, das Heim- und Familienleben ihrer Kin-* der ungetrübt zu erhalten und verwahrt sich selbst dagegen, zu ihren Kindern gehen zu wollen. „Jung und Alt paßt nichlt zusammen in der heutigen Zeit, sagt sie — ich will nicht bei euch sein — denn ich brauche meine Ruhe und will unter Alten sein, gleich und gleich gesellt sich gern." Auch Väter reden so in wohltuendem Stolze zu den Kindern, denn man will nicht zeigen, daß man für des Kindes Glück und Frieden fürchtet und entsagt lieber dem Familienleben. In der Wiener israelitischen Knltusgemeinde hat der Gedanke des dringenden Bedarfes nach Altersversorgung schon vor mehr als einem halbe in Jahrhundert die Gedanken und Herzen edler Menschen angeregt und beschäftigt und so ist das heutige iraelitische Versorgungshaus im 9. Bezirke entstanden. In anerkennenswerter Weise ist es immer erweitert und mit Siechenabteilungen, mit guten Aerziten und Pflegepersonal musterhaft eingerichtet und unter gewissenhafter guter Leitung ist es heute ein Glück für die Aiten, denen sich diese Pforten öffnen, um darin ihre Altersruhe zu finden. Doch der Umsturz und die Ungunst der Zeit hat den Andrang gesteigert. Dank der vortrefflichen menschenfreundlichen Ob- und Fürsorge erreichen die Insassen zumeist in dieser so großen Anstalt ein hohes Alter und das Freiwerden der Plätze stehtnicht im gleichen

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