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Die Wahrheit · 1923-08-17 · Heft 17 (17.8.1923) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 17 (17.8.1923)
Date
1923-08-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Kr. 17 Die antisemitische Internationale. Die nimmer versiegende Geldquelle des opferwilligen Judenhasses gestattet Herrn Theodor Fritzsch in Leipzig, in diesen Tagen ungeheuerlicher Papierpreise und Druckkosten sein „Handbuch der J u d e n f r a g e" in 29. Auflage (68. bis 75..Tausend) erscheinen zu lassen. Ein Kapitel dieser vermehrten und verschlechterten Auflage ist dein „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gewidmet, den Fritzsch also verleumderisch charakterisiert: „Seine Zeitschrift erscheint unter dem Titel ,,C. V.-Zeitung". Nach außen predigt er für seine Mitglieder zwar »deutsche Gesinnung und die Betätigung dieser Gesinnung im bürgerlichen Leben', er fordert von ihnen aber, wie auch die Alliance Israelite Universelle, ,treues Festhalten an der geschichtlich geheiligten Gemeinschaft' aller Juden." „Internationales Judentum" ist das ABC völkischer „Weltanschauung". Man muß es mit internationalem Marxismus in einem Atemzuge nennen können, wenn man politische Geschäfte machen will. Alles Internationale ist fluchwürdig, weil es undeutsch ist. Nur eine Ausnahme ist gestattet: Der Judenhaß aller Länder darf sich unter Führung der Freunde des Herrn Fritzsch zu einer antisemii tischen Internationale zusammenschließen. Vor genau drei Jahren hat sich in Wien ein Initiativkomitee zur Schaffung einer „Weltliga gegen Juda" gebildet Vom 11. bis 13. März 1921 fand in Wien eine Tagung der Antisemiten Oesterreichs, Ungarns und Deutschlands statt. Bei dieser Zusammenkunft wurde der Antrag des Delegierten Dr. v. Sylvester (Budapest) angenommen, noch für den Herbst 1921 einen Weltkongreß der Antisemiten nach Budapest einzuberufen. Bereits im Februar des Jahres 1921 war in der Antisemitenpresse ein Aufruf zur Gründung einer „Alliance A n t i j u i v e Universelle" erschienen. Die „Deutschvölkischen Blätter" des Herrn Roth in Hamburg betonen in der Märznummer des Jahres 1921, daß der Aufruf zur Gründung einer „Alliance Antijuive Universelle" in Frankreich begeisterten Widerhall gefunden habe, daß aus Folen Zustimmungen gekommen seien und daß in E n g 1 a n d in der Monatsschrift „The Hidden Hand" der Aufruf mit großer Sorgfalt und Feinheit übersetzt worden sei. Die deutliche Sprache dieses Blattes werde aber von der Amerikas noch übertroffen. In aller Erinnerung ist der Aufruf der ..Erwachenden Ungarn" in Budapest zu einem Weltbund. „Ein Schutz- und Trutzbündnis soll entstehen, ein Bündnis, so mächtig, so innig, so hehr, wie es die Weltgeschichte noch nicht gesehen." Im Laufe der letzten beiden Jahre hat die antisemitische Internationale durch eine über Riesensummen verfügende, zielbewußte Organisation, deren Zentrale gegenwärtig ihren Sitz in Süddeutschland hat, erhebliche Fortschritte gemacht. Sie umfaßt heute beinahe alle Länder der alten und der neuen Welt. Selbst in Rußland wird gegenwärtig stark gewühlt, und antisemitische Pamphlete, aus dem Deutschen ins Russische übersetzt, werden auf Schleichwegen nach der Ukraine und nach Sowjetrußland befördert Die „Russische T r i b ü n e", Zeitschrift der Vereinigung für nationale Befreiung, die in München bei Oldenbourg gedruckt wird, bringt fünf Kopfaufdrücke auf Seite eins und vier: „Antisemiten aller Welt, vereinigt euch!" und berichtet im textlichen Teil über „Das Weltwachstum des Antisemitismus" Welche Kreise sind nun die Förderer der internationalen antisemitischen Bewegung in den einzelnen Ländern? In Frankreich sind die „Came 1 ots du roi", .denen die Poincaresche Politik gegen Deutschland vi e 1 z u m i 1 d e erscheint, weil sie am liebsten sofort Rheinland und das Ruhrgebiet annektieren möchten» die Träger des Judenhasses. Sie' sind es, die dem Abgeordneten Blum, als er sich von der Tribüne der französischen Kammer für die Revision des Versailler Friedensvertrages einsetzte, durch stürmische Rufe: „Herunter mit dem Juden!" das Weiterreden unmöglich machtea Es sind jene Kreise in Frankreich, die hinter dem deutschfeindlichen „M a t i n" stehen, der schon am 5. Mai 1921 mit Wohlbehagen aus der „L'action francaise" zitierte: „Ce sont des Juifs, les Juifs de banque et les Juifs de politique qui travaillent ä Londres contre nous." (Es sind die Juden, die Bankjuden und die Juden in der Politik, welche in London gegen uns arbeiten.) Aus diesen Angriffen geht klar und deutlich hervor, daß die Männer in England, die den Unv ersöhnlichkeitsstandpunkt Frankreichs gegen Deutschland verurteilen, weil sie den Wiederaufbau Deutschlands ermöglichen wollen, nicht die internationalen Freunde des Herrn Roth sind. Im Gegenteil. Die englischen Antisemiten beschimpfen diese Feinde französischer Gewaltpolitik tagtäglich. Und schließlich Amerika. Hier wird die Präsidentschaftskandidatur Henry Fords, wie wir dem „Jewish chronicle" vom i. Juni entnehmen, von den Deutschfreunden heftig bekämpft. In New- Jersey sei kürzlich eine Entschließung gefaßt worden, die Henry Fords Haltung verurteilt, seine Angriffe auf Juden unamerikanisch bezeichnet und seine Präsidentschaftskandidatur als eine Beleidigung der ' amerikanischen Demokratie brandmarkt. Es ist für die Denkungsart dieses besonders von den deutschen Antisemiten gefeierten Mister Fords bezeichnend, daß er in seinem Buch „Der internationale Jude" die Erlösung Deutschlands aus napoleonischer Knechtschaft durch die Befreiungskriege als ein Ergebnis jüdischer Verschwörung schmäh t! Auch in anderen Ländern läßt sich feststellen, daß die internationalen Judenhasser zu jenen chauvinistischen Kreisen gehören, die nichts dagegen hätten, wenn Deutschland morgen ohnmächtig zusammenbricht. Von Frankreich, England und Amerika hängt für die nächste Zeit das Schicksal Deutschlands ab. Es kann heute die Feststellung genügen, daß in diesen Ländern d i e i n t erm

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