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Die Wahrheit · 1923-08-17 · Heft 17 (17.8.1923) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 17 (17.8.1923)
Date
1923-08-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17__________________________ DIE WAHRHEIT ._____ Seite 7 Ueber die Entstehung der Jugendbewegung der „Agudas Jisroel" äußerte sich Herr Dr. Max Cohen, Kö'n, Vorstand der A. J. Jugendorganisation für Deutschland einem unserer Redakteure gegenüber wie folgt: Die Jugendbewegung der Agudas Jisroel wurde gelegentlich einer Delegiertentagung bereits bestehender gesetzes treuer Jugendvereine Deutschlands und einiger anderer Länder Mitteleuropas im Jahre 1913 in Franfurt a. M. gegründet. Es wurde damals, was die Vereinstätigkeit anbelangt, beschlossen, die Arbeit der bestehenden Jugendvereine insoierne zu ändern, als neben den bisherigen Bestrebungen, die sich in erster Linie auf das Thoralernen bezogen, die Verbreitung der Idee der Agudas Jisroel neu aufgenommen wurde. Die neugegründete Jugendorganisation faßte aber gleichzeitig den Beschluß, durch eine umfassende propagandistische Tätigkeit innerhalb der gesamten gesetzestreluen Jugend überall, wo die religiösen Verhältnisse es gestatten, Jugendgmppen der Agudas Jisroel ins Leben zu rufen. Dieser Beschluß wurde mit größtem Erfolg durchgeführt und schon nach ganz kurzer Zeit waren in fast allen Großstädten und auch in vielen kleineren Orten Deutschlands und den westlichen Ländern Europas blühende Jugendgruppen entstanden, so z. B. in Holland, Belgien, der Schweiz usw. Wenn auch durch den Krieg die Fortführung der Arbeit erheblich leiden mußte, so haben wir es trotzdem auch in diesen Jahren zustandegebracht, einen Jugendtag abzuhalten, der im Sommer 1918 in Würzburg stattfand. Dieser Kongreß hatte einen beispiellosen Erfolg, der sich unter anderem in folgenden Zahlen ausdrückt: mehr als 100 Jugendgruppen mit fast 250 Delegierten und zirka 500 Gästen waren in dieser Versammlung anwesend. * Die Bewegung ging dann in den auf den Kongreß folgenden Jahren, durch systematische Arbeit gefördert, mächtig voran. In Landesteilen mit besonders großer Anzahl von Jugendgruppen haben wir Bezirkssekretariate geschaffen, wodurch die Gruppenarbeit naturgemäß vertieft werden konnte. Inzwischen hatten sich auch -in Oesterreich, in der Tschecho-Slowakei und in Polen starke Jugendorganisationen der Agudas Jisroel gebildet, mit denen wir teils direkt, teils durch die Vermittlung eines beim geschäftsführenden Ausschuß der Agudas Jisroel in Wien gegründeten Jugendamtes in rege Verbindung traten. Die gesamten Jugendorganisationen der Agudas Jisroei . verfolgen nunmehr sowolü die Vertiefung des jüdischen Wissens und des jüdischen Lebens ihrer Anhänger, als auch die Durchführung größerer sozialer Aktionen und schließlich die Förderung aller Bestrebungen, die die GesWitorganisation der Agudas Jisroel auf ihre Fahne geschrieben hat. Der rabbinisehe Rat. Von einem hervorragenden Kenner rabbiniseher Fragen. Der rabbinisehe Rat gehört notwendig zu der großen Idee der Agudas Jisroel, denn die Agudas Jisroel will das jüdische Voik in seiner historischen Form weiter repräsentieren. Diese Form bestand bis vor hundert Jahren eben darin, daß die Verfassung und die Gesetze für alle einzelnen Regungen des Lebens durch die Thora festgelegt wurden. Daher sind auch die Thoragelehrten als entscheidende Instanz in allen Fragen notwendig gewesen. Erst seit 100 Jahren gibt es Strömungen im Judentum, die diese absolute Autorität der Thora nicht mehr voll anerkennen. Gerade diese Gegenströmungen und ferner das Zusammenarbeiten der Judenschaft irr Palästina und die politische Vertretung der Juden nach außen haben es in diesen 100 Jahren noch nötiger gemacht, daß die Thoraautoritäten in Fragen, welche die Allgemeinheit betreffen, oft angegangen werden. Um hierin immer Entscheidungen mit der nötigen Schnelligkeit herbeiführen zu können, dazu hat die Agudas Jisroel den rabbinischen Rat nötig. Man könnte vielleicht fragen, wie denn solche die Allgemeinheit des Judentums betreffenden Fragen bis vor 100 Jahren entschieden werden konnten. Seit der Zerstörung der babylonischen Hochschulen gab es zwar keine solche Instanz, abgesehen von der Zeit, wo die vier Länder-Synode in Polen tagte (im 16. bis 18. Jahrhundert). Aber die unbestrittene Autorität der Thora ermöglichte es doch, in vorkommenden Fragen die Entscheidung durch brieflichen Verkehr zwischen den Thoraautoritäten herbeizuführen. Ueber die Organisation des rabbinischen Rates wäre folgendes zu sagen: Die Mitglieder des rabbinischen Rates werden von der Gesamtheit der rabbinischen Mitglieder in den einzelnen Landesorganisationen ungefähr nach dem Verhältnis der Mitgliederanzahl gewählt. Das Statut schreibt nicht bestimmte Zeiten für das Zusammentreten des rabbinischen Rates vor. Hierin ist der rabbinisehe Rat vollkommen autonom. Der rabbinisehe Rat hat sich anläßlich des jetzt stattfindenden Weltkongresses der Agudas Jisroel (Kenessio Gedauloh) nach vorangegangener Wahl in den einzelnen Ländern konstituiert. Es wird also zum ersten Male seit 100 Jahren wieder eine den Zeitverhältnissen angepaßte Instanz bestehen, welche alle religiösen Fragen, die das Leben der Gesamtheit der Judenschaft betreffen und zu denen die Agudas Jisroel Stellung zu nehmen hat, zur Entscheidung bringen wird, und seit dem Untergang der babylonischen Hochschulen werden zum ersten Male wieder die Thoragrößen der ganzen Welt sich organisch zusammenfassen und es ist zu hoffen und zu erwarten, daß der Eintritt der wenigen noch nicht in der Agudas Jisroel organisierten Thoragrößen diese Zusammenfassung bald vollständig machen wird. Der rabbinisehe Rat wird, wie er in allen autonom ist, sein Präsidium und dessen Sitz sich erst im Verlaufe des Kongresses wählen. Das Judentum bei Oswald Spengler. Von Eh". Max Orunwaid. Spenglers Buch „Der Untergang des Abendlandes'1 ist ein „Schlager". Es packt, reißt mit sich fort und läßt nicht rasten, bis man auf der letzten Seite — vorläufig dies zweiten Bandes — gelandet ist. Doch die Fahrt ist nicht ohne Fährnis. Da heißt es, bald recht tief tauchen, um auf den Grund zu kommen, bald wiedler den Kopf recht hoch und die Augen offen halten, um Geröll zu vermeiden und Strudeln auszuweichen. Da gibt es manche Scylla und Charybdiis innerer Widersprüche und die Sirenen einer zauberhaft bestrickenden Darstellung, denen man um der kritischen Prüfung willen zeitweise das innere Ohr verschließen muß. Doch, wenn ich es einen „Schlager" nemra, so will ich zugleich betonen, daß es kein „Blender" ist. Mit Chamberlarn, an dessen Sensationserfolg die Wirkung Spenglers unwillkürlich erinnert, darf main ihn nicht in. einem Atem neraisn. Hier schwätzt nicht ein Charlatan, läßt keim Pamphletist Giftblüten bunt-

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