Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 16 (10.8.1923)
- Date
- 1923-08-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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! Seite 16 DIE WAHRHEIT Nr.'"16 Theater, Kunst u. Literatur Die „Beruria". Im Anschluß an die Bemerkung, die in der „Wahrheit" vom J. Juli Herr Freundlich der Q r u 11 w a i d sehen „Beruria" gewidmet hat, wird uns von einer unserer Leserinnen ein Brief zur Verfügung gestellt, den sie von einer Breslauer Delegierten zu dem Wiener Jüdischen Frauenkongreß, Frau Gutsbesitzer Rosi Grätzer auf Kryschanowitz bei Breslau, soeben erhalten hat. Darin heißt es unter anderem: „Daß ich Ihnen heute schreibe, hat seinen Grund darin, daß ich bei der täglichen Lektüre mejnes Andachtsbuches „Beruria" plötzlich bei dem Namen des Verfassers Rabb. Dr. M a x G r u n w a 1 d - Wien mir.sage, wie sehr ich es bedauern muß. in Wien gewesen zu sein, ohne ihm dankbar die Hand zu drücken für die vielen Weihestunden, die ich ihm verdanke. Ich bin eine so begeisterte Jüdin, daß ich jede Gelegenheit begrüße, mit gleichgesinnten Seelen zusammen zu sein, und besonders mit einem so gefühlswarmen und geistesklaren Mann. Bewundere ich doch an der Zusammensetzung der „Beruria" immer wieder das tiefe Verständnis und die erschöpfende Vielseitigkeit, mit der unsere erhabene Religion behandelt wird, und die vielen Anregungen für Geist und Herz, die darin gegeben werden, und ich fühle mich als beglückten Menschen, wenn ich meine Freitag- Abendandacht im Kreise der Meinen mit den Gebeten aus der „Beruria" eingeleitet habe. Hat Herr Dr. Grunwald nicht schon einmal den Gedanken eines schlichten deutschen Gebetbuches für Kinder ins Auge gefaßt? Die Kinderseele verlangt Religion, und es ist schmerzlich zu sehen, wie wenig Eltern oft diesem Bedürfnis Rechnung tragen! Ich selbst würde gerne bescheidene Beiträge zu einem solchen Buche liefern aus dem Gefühl heraus, unsere Jugend für unseren Glauben zu erhalten und zu erwärmen. £s ist Herrn Dr. Grunwald doch vielleicht eine Freude zu hören, welch guten Boden sein edles Wirken* für die Vertiefung des jüdischen Familienlebens in Deutschland gefunden hat. Die „Beruria" ist sehr verbreitet. Ich selbst habe sie in vielen Exemplaren lieben Angehörigen geschenkt', denn die Beschäftigung mit idealen Werten veredelt doch die Menschen! ..." Wir drucken diese Zeilen hier ab, nicht um für ein Buch Reklame zu machen, das in Deutschland, wie dieser Brief einer treuen Jüdin, die in der Einsamkeit ihres ländlichen Besitzes ihr Judentum zu pflegen weiß, von neuem beweist, in Ungarn und sonst längst eingebürgert ist. Nur das paradoxe Verhalten der W i e n e r, die-eine Jugendausgabe der „Beruria" eigens für die Mädchenkonlirmationcn eingeführt und nun wieder ausgeschaltet haben, soll durch eine solche, ganz unbeeinflußt aus dem Reiche zu uns dringende Stimme beleuchtet werden. Im übrigen finden wir den Gedanken eines Kinüergebetbuches, wie es die geehrte' Briefschreiberin vorschlägt, näherer Beachtung wert. Wir glauben, daß, wenn ähnliche Anträge und Anerbietungen von Beiträgen an Herrn Dr. Grunwald ergehen sollten, wir von ihm eine solche höchst erwünschte Bereicherung unserer an Brauchbarem recht armen modernen religiösen Literatur erhoffen dürften. Ein Schritt auf diesem' Wege ist bereits geschehen. Ohne jede öffentliche Ankündigung und Propaganda ist im Verlage R. L ö w i t bereits zu dem diesjährigen Pessach eine überaus gelungene Uebersetzung der. Pessachhaggada von Dr. Grunwald erschienen, die in der Vereinigung mit dem von Budko illustrierten Original eine herrliche Festgabe darstellt. Diese Uebersetzung soll bis zum nächsten Pessach durch einen volkstümlichen, besonders dem kindlichen Gemüte angepaßten Kommentar aus der Feder Dr. Grunwald s eine Ergänzung erfahren. Seine Haggadaübersetzung hat es meisterlich verstanden, der vielen Klippen, die einem solchen Unternehmen entgegenstarren, Herr zu werden. Wie vorzüglich .der kindliche Ton getroffen ist, zeigt ein Blick in die gelungene deutsche Nachdichtung des Chadgadja- Liedchens usw.. Propagaiidatilm des Jüdischen Hilfswerkes, Am 24. v. M. fand im Rotentunnkino üie Pressevo rf ü h r u n g des Films „Opfer des n a s s e s" statt, der außer Vertretern der Presse in Vertretung des Bundesministeriums für soziale Verwaltung Herr Sektionsrat Dr. Wenzel, sehr viele Führer der Wiener jüdischen Oeffentlichkeit, sowie in Vertretung der Wiener Kultusgemeinde deren Präsident Professor Dr. Alois Pick anwohnten. Nachdem Herr Kultusvorsteher Wolf Pappen heim eine schwungvolle Ansprache gehalten und das Mitglied der Leipziger Oper Herr Max K r i e n e r einige Gesangsstücke schön zum Vortrag gebracht hatte, folgte die Vorführung des Films, der das Schicksal eines jüdischen Fabriksdirektors schildert, den blinder Haß von der heimatlichen Scholle vertreibt und ihn seiner ganzen Habe beraubt. Nur zwei Enkelkinder bleiben ihm erhalten und er flieht mit ihnen unter schwersten Entbehrungen. Völlig herabgekommen und seelisch gebrochen, gelangen diese Opfer menschlicher Bestialität nach Wien, wo sie die Liebe ihrer Glaubensbrüder warm umfängt und ihnen eine zweite Heimat gewährt. Die beiden Kinder finden Aufnahme in dem Waisenhaus in Baden und vergessen gar bald die Ereignisse, die ihre jungen Gemüter aufwühlten. Der Film, der gute Aufnahmen des Elsabethheims, der Talmudthoraschule und anderer Agudainstitutionen, aber auch einige alte Bekannte aus der Wiener jüdischen Oeffentlichkeit zeigt, wurde^mit großem Beifajll aufgenommen. „Junge Menschen". Diese Jugendzeitschrift (Hamburg 13) entspricht den höchsten Anforderungen eines gut geleiteten Jugendblattes. Jedes Heft zeugt von; einem ehrlichen Willeil, zu den Kämpfen um eine Weltanschauung ein gutes Rüstzeug zu liefern. JAC. MAYER Kleiden-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien IL, Taborstraße 44 ~:f.:-<--a