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Die Wahrheit · 1923-08-10 · Heft 16 (10.8.1923) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 16 (10.8.1923)
Date
1923-08-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 16 DIE WAHRHEIT Seite 13 deren, Totschweigen halten sie gegenüber solchen Gemeinheiten für die richtige Taktik. In diesem Sinne nennt auch die „A.-Z." den Aufruf ein „ordinäres Plakat" und die Anreger „Gesindel". Ist Oesterreich. verjudet? In Nr. 14 unseres Blattes zerzauste Siegfried Fleischer die „unwiderleglichen Beweise" der Flugschrift des Obmanns des „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzblindes für Oesterreich", Herrn Leo Haubenberger, welche Broschüre die Verjudung des deutschen Geisteslebens in Oesterreich schildern und die diversen Novosats zu Heldentaten im Dienste der nationalen Sache begeistern sollte. Haubenbergers Schilderung war mit einer Menge von Namen belegt und wurde deshalb von allen Preßprodukten der völkischen Richtung ohne weitere Prüfung — das ist bezeichnend für diese Herrschaften — abgedruckt. So hatte auch die „Südmark", alpenländische Monatsschrift für deutsches Wesen und Wirken in ihrem Brachmonatheft (Juni) den Inhalt der Hatubenbergerscheii „Arbeit" wiedergegeben. Im Heumonatheft (Juli) muß sie nun mitteilen, daß der Artikel vielfach berechtigtes Mißfallen erregt hat. Herr Haubenberger hat nämlich auf gut Glück — wohl aus dem „Lehmann" — Namen abgeschrieben, die ihm als jüdische vorkamen. Da er die grenzenlose Ignoranz, seiner Gesinnungsgenossen kennt, nahm er sich weiter keine Mühe, und so sind tatsächlich seine Schimpfereien für so und so viele Volksgenossen Erbauungsstunden geworden. Diejenigen Personen aber, die er nannte, waren nicht entzückt und sie schrieben der „Südmark" wütende Briefe. So mußte dann von ihr festgestellt werden, daß der Krautmann, der als Beispiel für die Verjudung des Justizministeriums denunziert war, ein Parteileitungsmitglied der groBieutschen Volkspartei ist. Der Freudenthal im Ministerium des Aeußern* ist ein arischer Freiherr von, "Oswald Redlich, Präsident der Akademie, für Wissenschaften, stammt aus dem biederen Tirol. Im ganzen mußten bisher 24 Namen aus der Liste widerrufen werden, darunter der eines Herrn Grantzes im Verkehrsministerium, der Arier war und schon längst gestorben ist. Das Heumondheft widmet dieser argen Entgleisung folgende Entschuldigung: „Das Heft Haubenbergers, vom Schutz- und Trutzbund für Oesterreich verlegt, ist von zahlreichen Zeitschriften als Unterlage benützt worden und, so viel wir wissen, unwidersprochen geblieben.." „Herr Haubenberger," fügt sie hinzu, „hat auch in „Deutschlands Erneuerung" einen Aufsatz über das Judentum in Oesterreich geschrieben; der Aufsatz ist sondergedruckt, nachgeschrieben und viel in nationalen Blättern gepriesen worden, was wir jederzeit nachweisen können. (Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund für Oesterreich in St. Pölten, Matthias Corvinusstraße 8; Druck: Buschek, Waidhofen an der Thaya: „Deutschlands Erneuerung", München, Lehmann, Paul Heysestraße 26.) War damit Herr Haubenberger nicht gewissermaßen zu einem Fachmann des praktischen Antisemitismus gestempelt? Hatten wir nach so vielen Empfehlungen — man lese nur die Besprechungen seiner Aufsätze — noch Recht zum Mißtrauen? Durfte man annehmen, daß ein solcher Fachmann im breitesten öffentlichen Leben stehende Männer als Juden an den Pranger steht, ohne ihres Judentums vollkommen sicher zu sein? Wir durften mit vollem Recht annehmen, daß ein so von allen Seiten günstig beurteilter Verfasser nur nach den gewissenhaftesten Erhebungen die Zahlen und Namen, die wir angeführt haben, aufgenommen hat. Unser Fehler war lediglich, daß wir es unterließen, die Entnahme unseres Artikels ans der angeführten Broschüre mitzuteilen und damit die Verantwortung auf die richtige Stelle zu übertragen. Damit glauben wir, den bedauerlichen Vorfall genügend geklärt zu haben und dürfen die Empörung auf die richtige Stelle ablenken. Weitere Aufklärungen aus dem Leserkreise sind uns sehr erwünscht und werden dringend erbeten. Wir halten es selbstverständlich für unsere Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Betroffenen Genugtuung bekommen, und tragen hiermit unseren Teil dazu bei." Absage der ungarischen Regierung an die Antisemiten. Die Gömbösgruppe, die mit den „Erwachenden Magyaren", den Geheimbündlern und sonstigen Antisemiten in engster Fühlung steht, ist aus der Regierungspartei ausgetreten. In der entscheidenden Auseinandersetzung warf Gömbös dem Ministerpräsidenten Grafen B e t h 1 e n vor, „daß er sich vollständig von der Rassenpolitik entfernt habe". Graf Bethlen erwiderte, auch er stehe auf der Grundlage der christlichen Politik, man müsse aber diese Politik mit den inneren und äußeren Interessen des Landes in Einklang bringen. Er w a r n e die Partei auf das schärfste vor antisemitischen Kundgebungen. Er werde die Maffia enthüllen, die an dem Ruin des Landes arbeite und werde schonungslos die Hülle von diesen Machenschaften reißen. Die Gömbös-Leute haben die Lokomotivführer der ungarischen Staatsbahnen zum Streik aufgehetzt und es wurde infolgedessen über das ganze Land das Standrecht verhängt. Justizminister Nagy erklärte, die Regierung sei entschlossen, die O r d n u n g u m jede ti Preis aufrechtzuerhalten und werde eventuell auch schießenlassen. Die Regierung Bethlen hat den Kampf gegen die^extremen Antisemiten nicht zu spät aufgenommen und es ist nur zu sehr zu befürchten, daß dieser Kampf linder wieder auf dem Rücken der Juden ausgetragen werden wird. Der Judenhaß wächst! Nur fester Zusammenschluß und Opferwilligkeit zu gemeinsame r Abwehr können dagegen helfen! Tretet der „Union deutsch-österreichischer Juden", Eurer bewährten Schutzorganisation, bei! Stärket unseren Preßtonds! 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