Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 16 (10.8.1923)
- Date
- 1923-08-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 16 * demika" auch Studenten nichtdeutscher Nationalität zu speisen pflegten. Die Antwort des Präsidenten, des Herrn Professors Schattenfroh, veranlaßte mich, darauf hinzuweisen, daß die „Mensa Akademika" statutengemäß verpflichtet sei, insbesondere bedürftigen Studenten, ohne Rücksicht auf Nationalität und Konfession, die billige und nahrhafte Speisegelegenheit zu bieten. Bei dieser Gelegenheit habe ich darauf aufmerksam gemacht, daß schon seit Jahren sämtliche nichtvölkischen Studenten vom Besuch de r „M ensa" ausgeschlossen sind und daß sich die Ausgeschlossenen zwecks Behebung dieses statutenwidrigen Zustandes an mich gewendet hätten." „Wer hat augenblicklich das Recht, in der „Mensa Akadieinika" zu speisen?" „Das Recht haben alle bedürftigen Studenten ohne Standes- und Stammesunterschied. Praktisch ist aber der Besuch an die Zugehörigkeit zum Verein „Deutsche Mensa Akademika" gebunden, der sich ausschließlich aus völkischen Kreisen rekrutiert Nun haben auf meine Veranlassung B es p r e c h u n g e n der ausgeschlossenen Studentengruppen mit dem Kuratorium der „Mensa Akademika" stattgefunden. Wiederholt haben sich ferner in der gleichen Angelegenheit Vertreter der Oeffentlichkeit an mich gewendet. Jedesmal endeten diese Besprechungen zwischen den ausgeschlossenen Studenten und diern Kuratorium der „Mensa Akademika" ergebnislos, da Herr Professor Schattenfroh erklärte, daß die ausgeschlossenen Gruppen von Studierenden ihre eigenen Speisegelegenheiten hätten und zu gering wären, um an Stelle der dem Verein der „Deutschen Mensa Akademika" angehangen Studenten in Betracht zu kommen. Kurzum:Fürdie keinem völkischen Verein Angehörenden sei kein Platz, obgleich der Verein der „Deutschen Mensa Akademika" für neue, ihm zugewachsene Mitglieder im m e r noch Platz zur Ausspeisung.zu schaffen w u ß t e. Eine letzte Eingabe der freiheitlichen und sozialdemokratischen Studentengruppen um Teilnahme an der Ausspeisung in der Mensa führten schließlich zu den Vorgängen in jener Kuratoriumssitzung vom 6. Juli, und ich bin außerstande, mich über die Vorgänge in dieser Kuratoriumssitzung zu äußern, da ein Beschluß, der in dieser Sitzung von allen gegen meine Stimme gefaßt wurde, mich zum Stillschweigen verpflichtet. Nach dieser letzten Kuratoriumssitzung habe ich mich jedenfalis veranlaßt gesehen, an den Präsidenten, Professor Schattenfroh, ein Schreiben des Inhalts zu richten, daß über Aufforderung der, wie es den Anschein hat, auf .Ewigkeit zum Hungern verurteilten ausgeschlossenen Studentengruppen ich es übernommen habe, meine in der letzten Sitzung ausgesprochenen Ansichten von nun ab auch öffentlich zu vertreten Ich stehe auf dem Standpunkte, daß, so lange die gegenwärtigen Statuten des Kuratoriums zui Erhaltung und Verwaltung der „Mensa Akademika" zu -Recht bestehen, das Kuratorium die Verpflichtung hat, allen Studierenden nach dem Grade ihrer Bedürftigkeit die Wohltat der Ausspeisung zukommen zu lassen. Um so mehr als dieses Kuratorium von der österreichischen Allgemeinheit wie von ausländischen Aktionen Spenden erhalten hat und e rh ä 11 und ich nicht annehmen kann, daß die Ausiandshilfsaktionen einen besonderen Wert darauf gelegt haben und legen, diejenigen Gruppen von Studierenden zu unterstützen, die ausschließlich die Zugehörigkeit zum deutschen Volke zu besitzen glauben. Es geht also nicht an, daß Spenden denjenigen Studierenden vorenthalten werden, denen sie gewidmet wurden, und nur deshalb vorenthalten werden, weil die Anspruchsberechtigten nicht Mitglieder des Vereines „Deutsche Mensa Akademika" sind." Hinzuzufügen wäre noch, daß'die Zahl der ausgeschlossenen Reflektanten an die 3000 beträgt. Es wäre hoch an der Zeit, daß der Verein zur Erhaltung und Verwaltung der „Mensa Akademika" entweder seine Statuten ändert und auf die der Allgemeinheit von Studierenden gewidmeten Spenden verzichte oder daß er seine Tore denen öffne, die nicht nur gesetzlich, sondern auch menschlich ein Anrecht darauf besitzen. Aus unserem Rechtschutz u. Abwehrbüro. Die Wahlen in den Nationalrat sind für den 21. Oktober ausgeschrieben worden. Die Christlichsozialen und Großdeutschen bemühen sich, eine sogenannte „bürgerliche Einheitsfront" herzustellen. Nebenher laufen Verhandlungen zwischen den Großdeutschen und Nationalsozialisten zur Erzielung eines „antimarxistischen und antisemitischen Wahlbündnisses", die aber noch nicht zu einem Abschluß geführt haben. Die Jüdischnationalen geben das Schlagwort einer „jüdischen Einheitsfront" aus, dessen Befolgung mit der zwecklosen Verpulverung der jüdischen Wahlstimmen gleichbedeutend wäre. Das freiheitliche Bürgertum schläft noch den Sommerschlaf. Aufklärung. Nachstehender Zeitungsausschnitt aus einem Prager Blatt wurde uns zugeschickt: „An Mauerwänden Wiens kleben folgende Flugblätter: Arische Mädchen! Hütet euch vor Jüdinnen ajs Freundinnen, denn sie sind von den jüdischen Gemeinden beauftragt, euch zur Sünde wider das Blut vorzuibereitea Sie führen euch in1 volksfremde, jüdisch durchseuchte Gesellschaften, Tanzunterhaltungen, Bars usw., wo ihr rettungslose Opfer jüdischer Lebejünglinge, und geiler Juden werdet. Won dem Tage an, da ihr diesen Lüstlingen verfallt, seid ihr für euer deutsches Volk verloren. Als Frauen bekommt ihr nur noch jüdische Kinder. Wollt ihr euch über, diese Gefahr vorher unterrichten, darin leset nur . . . die Hakenikreuizlerpresse." Unseres Wissens haben die großen Wiener Zeitungen — ausgenommen „Morgerizeitung" und „Arbeiterzeitung" — hierüber keine Nachricht gebracht. Igno-