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Die Wahrheit · 1923-08-10 · Heft 16 (10.8.1923) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 16 (10.8.1923)
Date
1923-08-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT *Jr. 16 vom 5. April publizierte eine Erklärung von 348 wahlberechtigten Juden unterfertigt, in der es unter anderem heißt: „. . . erklären wir Unterzeichneten, in Reichenberg und Umgebung wohnhaften deutschen Staatsbürger jüdischen Bekenntnisses, daß unsere Zugehörigkeit zum Judentum, lediglich die Zugehörigkeit zu einer Religionsgenossenschaft bedeutet, daß wir jedoch in nationaler Hinsicht Deutsche sind Vermöge unserer Mutter- und Umgangssprache, vermöge unseres Erziehungs- und Bildungsganges, vermöge unseres ganzen Denkens und Fuhlens gehören wir dem deutschen Volke an und diese unsere Angehörigkeit lassen wir uns vyeder von deutschvölkischer, noch von jüdischnationaler Seite abstreiten. Wir waren und bleiben deutsch! Reichenberg, den 4. April 1919." Aber auch die jüdische Jugend in Reichenberg hat d>is Wort ergriffen, um öffentlich von ihrer Treue und Anhänglichkeit zum deutschen Volke in dieser Not Zeugnis abzulegen. In der „Reiohenberger Zeitung" publizierte die jüdische Jugend eine Erklärung, der wir folgende Stellten 'entnehmen: „Wir. die Jugend, können, dürfen und wollen nicht von dem deutschen Volke lassen. Wir können nicht, denn! unser Fühlen iund Empfinden sträubt sich dagegen; wir dürfen nicht, denn ehrlos ist der, welcher seine Heimat in der Not im Stiche läßt; wir wollen nicht, weil unser Deutschturn unser schönstes Gut und Glück ist. Dies soll kein Bekenntnis sein, denn bekennen kann man sich zu einer Partei, zu einer Religion, zu seinem Volke kann man nur unentwegt fest und treu stehen." Während dem Patentdeutschen das Deutschtum ein Geschäft ist, Sache des Vorteils und des Profits, bewahren unld bewähren diiie Juden in Deutschböhmen ihre Treue zum deutschen Volke in Zeiten der Not trotz des Schiimipfens der Patentdeutschen und trotz der Bedrohung, idie ihnen durch die staatlichen Machthaber in Prag bevorstehen. Eine ähnliche Erklärung wie die Raichenbeirger Juiden haben auch 180 wahlberechtigte Juden in Gablonz publiziert. Nun darf ich nicht unerwähnt lassen, daß zu der am 30. März zu einer Vorbesprechung für Reichenberg tagenden Versammlung die Stadt Grottau keinen Vertreter entsendet hatte und die1 Gablonzer Vertreter ihre endgültige Zustimmung zum bindenden Beitritt noch von dem Entschluß einier nochmaligen lokalen Beratung abhängig machten. Die Absage erfolgte bald, denn in Gablonz hatte man schon früher begriffen, daß sich Demokratie und Republikanismus nicht mit den ehemaligen Sc'hlagworten decken, durch welche man das Volk betört und irregeführt hatte; selbst die in Gaiblomz dler altdeutschen Partei angehörenden Bürger sahen ein — im Gegensatz zu ReicheuiDerg, wo die deutsche Volkspartei (die sogenannten Salcftantiisieiniten) dominierend ist —, daß es nicht so weiter gehen dürfe und man bildete daselbst eine deutschdemokratiiselie Vereinigung, die alle bisherigen Parteien einschließen will, alle deutschsprecheniden Bewohner ohne konfessionellen Unterschied. Es scheint nun, daß man im Böhmenkind zur Besinnung zu kommen beginnt, und so kam ein neuer vorbereitender Ausschuß zur Einberufung einer deutschböhmiisohen Einheitspartei zustande, einer Partei, der alle Deiitschgiesinnten ohne Unterschied, der Konfession angehören sollen. Mittwoch, am 23. April, fand bereits eine gemeinsame Beratung statt, zu welcher zahlreiche Kundgebungsstimmen vorlagen; dieselben begrüßtem freudigst die neuerlich in Reichenberg eingesetzten Bestrebungen zur Schaffung einer ehrlich deutschen Einheitspartei des freisinnigen Bürgertums, welcher alle Deutschen ohne Ausnahme der Konfession angehören sollen. Zweifellos werden die Teilnehmer an dieser Aktion von den Doppeltdeutschen als „Abtrünnige" unld „Judenknechte" verketzert werden. Deswegen ist es noch immer unsicher, ob der unternommene Versuch zum Gelingen führen wird. In den späteren Gedenkblättern aber soll e's verzeichnet bleiben, daß das deutsche Volk in Böhmen in Zeiten seiner höchsten Not von seinen Führern irregeleitet und verlassen war, von den angefeindeten Juden aber Beweise der Treue unld. Standhaftigkeit erMiren habe. Weder Lockungen der Pariser Machthaber, noch die Schmähungen und Beschimpfungen der Patentdeutschen vermochten die Juden zum Verrat zu bringen und dem deutschen Volke in seiner Not die Treue zu verleugnen." Ein Tag in (Dreilingen. Von Bernhard B a r b e r. Jüdiische Dörfer in Deutschland! Oft schon hatte ich von ihnen gehört und! war das Staunen des Städters nicht losgewordein! Der Jude, der geborene „Großstädter", wie hatte er sich in ghettoloser, freier Dorf gemeinde wohl entwickelt? Trieb er dort auf dem Lande Bodenkultur? War er-Bauer geworden? Diese und ähnliche Fragen waren es, die mich an einem heißen JuMtage von Konstanz nach dem am Oberrhein gelegenen Geilingen trieben. Zuerst die Bahnfahrt über Singen nach Gottmadingen, dann das Pöstauto; in 40 Minuten fuhr es bergauf, bergab und dann über einen höheren bewaldeten Rücken zum Ziele. Schon die Autoiinsassen waren nur Juden, Glaubensgenossen, und am Wege hatte vom Fenster manches jüdiische Aiigeiipaar auf uns geblickt. Informationen nahm ich beim Autopostillion. Es stimmte zwar nicht alles; einst hbten hier 2000 Juden, viele, viele waren, besonders in den letzten Jaihren, fortgezogen. Meute waren es knapp 1000. Dagegen 1200 NJohtjuden. Aber die Juden sieben doch dem Orte das Gepräge. Das Einvernehmen sei ein gutes. Nur in die jüdischen Gasthäuser soll Unterlassen Sie nidit lllillllllllllllllllllillllliilllllflllllllllllillllllP Ihren Verwandten und Bekannten in der BOSCiiHilSCilOWO-rESTMBMrlER der „Wahrtaeii" zu gratulieren (Näheres tlmsdiiagselte 19)--

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