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Die Wahrheit · 1923-08-10 · Heft 16 (10.8.1923) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 16 (10.8.1923)
Date
1923-08-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 DIE WAHRHEIT Seite 7 19. Jahrhundert [B. Gu Teubner, Leipzig, Berlin, 270. Band, Aus Natur und Geisteswelt, 1917] beweist) der begreift es ohne weiteres, daß gerade die jüdische Kultur als eine erweckende, helfende, beschwingende Lebensmacht das Abendland gewaltig in ihren Bann gezogen hat. Es gibt im Bereiche des Abendlandes keine Kultur, für die nicht der jüdische Qeäst Baiustein'e -geliefert hat. In der versinkenden geraianischen Heildesnzeit, im Mittelalter, selbst in der Renaissance, der Reformation und Gegenreformation, im Barock, in der Aufklärung, im Idealismus und in der Romantik, im Zeitalter der Zivilisation, mit ihren Klassenkämpfen und Revolutionen: überall wirkt das jüdische Erbe als befruchtende, ja, als eine geradezu überwältigende Macht fort." — Ich möchte das Referat mit der Meinung schließen: Das Buch Mückles gehört wirklich zu jenen, die man gelesen haben muß; Christen wird es belehren, Juden ergötzen. Deutsche, Tschechen und Juden. (Eine abschließende Betrachtung.) Es war bald nach dem Zerfall des alten Habsburgerreiches, Böhmen fühlte und gebärdete sich als Siegerstaat. Unter den deutschen Bewohnern dieses Landes herrschte Heulen und Zähneklappern. Das schlechte Gewissen dieses ehemaligen vermeintlichen Herrenvolkes hatte alle Ursache, den Tag des Gerichtes zu, fürchtea Aber noch immer wähnten sie im Dünkel der prominenten Rasse, dem Geist der Weltgeschichte Gewalt antun zu können. Die berufsmäßigen Führer, die sogenannten „gelernten Deutschböhmen", wie der witzige Graf Taaffe sie einst genannt hatte, glaubten zu retten, was noch zu retten wäre, und klammerten sich an den Gedanken der deutschen Einheitsfront Aus jener Zeit, Mai 1919, stammt der folgende Artikel, den Siegmund Schönau in Dr. Blochs Wochenschrift veröffentlichte und der nicht nur eine wertvolle Reminiszenz, ein Dokument zur neueren Geschichte der Deutschen in Böhmen liefert, sondern ein lehrreiches Material zum Kapitel der arischdeutschen Treue beisteuert. Herr Siegmund Schönau, der in den Jahren 1915 bis 1919 lebhaftest für die Bekämpfung des Antisemitismus in Wort, Schrift und Tat eingetreten ist, schrieb damals: „Sonntag, den 6. April d. J., lö Uhr vormittags, sollte die neue „Einheitspartei" in der Reichenberger Turnhalle ihre erste Zusammenkunft abhalten. Die „Reichenberger Zeitung" brachte einen Aufruf: „Kommt am 6. April!. Vom Braunauerwäldchen bis zum Böhmerwald nur ein Ziel — die Einigkeit! Bürger! der 5. April soll ein Reichenberger Rütli werden. Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen in Gefahr usw." So war es gedacht! Es zeigte sich jedoch, daß selbst in dieser Zeit der höchsten Not bei den Patentdeutschen der Parteigeist und die Sehnsucht der Führer ungleich stärker war als die Liebe zum deutschen Volke, dem in seiner Not Hilfe gebracht werden sollte. Die erste Vorbesprechung tagte im Hotel National in Reichenberg, Samstag, den 29. März, in Anwesenheit von „Führern" der Städte Reichenberg, Morchenstern, Tannwald, Friedenau, Kratzau, Neustadt a. T. u. a. m. Die Hauptversammlung fand den darauffolgenden Tag und eine solche gleichzeitig in Trautenau statt. Allein das Resultat der Beratung waren allgemeine Grundsätze in 18 Punkte. Deren letzter lautet: „Die Juden sind als ein eigenes Volk anzusehen, wie sie es selbst verlangen. Daraus ergibt sich folgerichtig unsere Stellung zum jüdischen Volke." Mit anderen Worten, die jüdischen Deutschen Böhmens, die für das Deutschtum ein Jahrhundert hindurch die schwersten Kämpfe bestanden, die höchsten Opfer gebracht haben, wurden einfach vor die Türe gesetzt und anstatt Einigkeit wurde Zwietracht proklamiert. Welche Leistungen haben die Patentdeutschen aufzuweisen, gegenüber den Opfern und der treuen Standhaftigkeit der jüdischen Deutschen Böhmens? Was hat die herostratische Tat des Exzellenzherrn Prade — der in seiner Vaterstadt den Glaubenszwist nach Luegers Vorbild inaugurierte und hierdurch die Bürgerunion zerstörte — der Stadt Reichenberg oder dem Lande für Nutzen oder Vorteil gebracht? Dort an der Weisse spricht niemand mehr von Prade, dem späteren Bankgründer, der wie alle „teutschen" Volkstribunen, nachdem er zu Rang, Macht und Reichtum gelangt war, das Rückgrat verloren und die Demokratie in die Tasche gesteckt. Ein ganz anderer Mann war jedoch der Jude Alois Neumann, der sich vor den Mächtigen nicht duckte und jedem die Wahrheit im Interesse des deutschen Volkes in Böhmen sagte und mancher Staatsminister, der Reichenberg mit seinem Besuch beglückte, verließ oft früher, als dies programmmäßig stipuliert war, die Stadt, da der Herr Präsident ihm mit kernigen deutschen Worten aufwartete, die er zu hören nicht gewohnt war. Ja, das war kein Streber, sondern ein Patriot, von dem man noch immer mit Hochachtung spricht und den man nicht vergessen hat. Der Jude Alois Neumann bewährte zu jeder Zeit jüdische Treue zum deutschen Volke. Wie dagegen benahmen sich jene „Erwählten" des deutschböhmischen Volkes, die immer auf die Juden schimpfen und einen Rassenhochmut zur Schau tragen? Während der Kriegsdauer gehörten sie zu den Propheten des Siegfriedens, zu den Streitern für Annexionen im Süden, Osten und Westen, die Durchhalter um jeden Preis, ihre Blätter mit dem Gold der Schwerindustrie bestochen, schimpfen jeden, ob hoch oder nieder, der öffentlich wagte, ein Wort für den Verständigungsfrieden zu sprechen. Große Patrioten — Patentdeutsche — solange es gut ging, die aber das Volk, das sie in die verzweifelte Lage hineingehetzt haben, sofort verließen, als die Situation kritisch zu werden begann. Anders aber das Verhalten der Reichenberger Juden, die sich seit einem Jahrhundert zum deutschen Volke zählen, für das Deutschtum seit je in vorderster Reihe des Kampfes standen und nun als Dank dafür von den Patentdeutschen eine öffentliche Absage erhielten. Wären sie schlau und praktisch wie die Patentdeutschen, so würden sie sijh vom Deuijchitim abkehren und dafür die Gunst der mächtigen Herrscher in Prag und in Paris eintauschen. Leider sind die Juden nicht so praktisch und sie bewähren ihre jüdische Treue dem deutschen Volke, in Zeit der Not. Die „Reichenberger Zeitung"

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