Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 16 (10.8.1923)
- Date
- 1923-08-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 16 Prophezeiung bedeutet eine Voraussage zukünftiger Ereignisse. Sobald nun solche Ereignisse in genauer Uebereimstimmunfg mit den Worten der Piophetie tatsächlich eintreffen, so können wir sicher sein, daß wir an dem Zeitpunkt angelangt sind, welchen Gott für diie Erfüllung der betreffenden Weissagung bestimmt hat. Seit 'den Tagen Abrahams haben gottergebene Menschen erwartungsvoll dem Kommen des Messianaschen Reiches entgegenigeschaut. Seit der Zeit des ersten Kommens Jesu halben Christen gebetsvoll das Kommen seines Königreiches herbeigesehnt. So sehr erfüllte diese große Erwartung den Sinn seiner Jünger, daß unter den letzten Dingen, die sie ihm vorlegten, die Frage war: .Meister, sage uns. was wird das Zeichen deiner Gegenwart sein und des Endes der Welt?' Er antwortete ihnen und seine Antwort war in prophetische Worte gekleidet. Die große Prophezeiung, cle er damals gab, ist heute erfüllt, beziehunigsweise in der Erfüllung begriffen. Kurz zusammengefaßt war seine Antwort, daß zu jener Zeit efin Weltkrieg sein werde, Hungersnöte, Seuchen und Revolutionen in verschiedenen Teilen der Erde und diese Dinge der Anfang der über die Völker kommenden Wehen sein werden. Satans Organisation, bestehend aus den politischen, finanziellen und kirchlichen Machthabern, ist bösartig genug, aber eine entfesselte Pöbelmasse in wilder, sinnloser Wut, ohne Empfinden für Gerechtigkeit und aller Vernunft bar, ist noch tausendmal schlimmer. Diese Gefahr bedroht jetzt alle Nationen. Die" Völker und Nationen der Erde nähern sich im Sturmschritt einer verheerenden Katastrophe. In dem durch das prophetische Wort des Herrn beschriebenen schrecklichen Bilde sehe ich einen gewaltigen Umsturz beispielloser Art,, eine wahre Sturmflut von Blut und Brand, losbrechend in Rußland, über die ganze Erde hinwegfegen. Sie wird aufgepeitscht von Gier, Habsucht, Haß, Bosheit, Elend und Verzweiflung, und wird hervorgerufen von habgierigen Profitmachern, die das Volk skrupellos ausgebeutet und geplündert haben: von professionellen Politikern, die treulose Vertreter des Volkes gewesen sind, und von Predigern, welche das Volk hintergangen und in die Irre geführt haben — alle miteinander geleitet und mißbraucht durch die sie beherrschende, satanische Majestät, den Teufel. Bereits haben Satan und die losgelassenen Dämonen sich auch der Sinne der Umsturzelemente der Menschheit bemächtigt, und sie schreiten zum äußersten. Wenn nicht göttliche Macht eingreifen und Einhalt gebieten wird, so würde der Ausgang so unvorstellbar entsetzlich sein, daß die menschliche Sprache versagt, es zu beschreiben. Zwischen organisierter Arbeit auf der einen und organisiertem Kapital auf der anderen Seite herrscht ein großer und gefährlicher Konflikt. Unrecht ist auf beiden Seiten vorhanden und beide müssen und werden in ihrem Bemühen, einander zu bezwingen und zu zermalmen, fehlschlagen. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, welche dieses große Harmagedon abwenden könnte. Sie ist durch den Propheten Jeremias zum Ausdruck gebracht und an folgende Bedingungen geknüpft. Wenn die Profitmacher aufhören würden, das Volk zu berauben und auszubeuten; wenn die Politiker ehrliche und aufrichtige Vertreter des Volkes sein würden; wenn die Geistlichen sich von dem unheiligen Bündnis lossagen und die Wahrheit des Wortes Gottes predigen würden; und wenn das Volk Ruhe und Vernunft an- Feuilleton Heimweh! (Psalm 42, 43.) Von Dr. M. Spanie r, Berlin. (Schluß.) Man kann dieses Gedicht in der Tiefe seiner Gefühlsinnigkeit nur erfassen, wenn man diesen feinen Quellpunkt erkannt,hat und sich, fernhält von jener oberflächlichen Abschätzung und Rangeinordimng, düe man gewöhnlich mit dem Ausdruck ,.Kulturfrömmigkeit" verbindet. Erinnerung an das Glück der Heimat, Druck und Plage des gegenwärtigen Erlebens, Zuversicht auf eine erlösende Zukunft, das ist die folgerichtige Oedankenentwicklung in diesen drei Strophen, die durch ein wiederkehrendes Wort tröstenden Selbstzuspi nches äußerlich getrennt und innerlich zusammengehalten werden. Nicht als ob die inhaltliche Gliederung mit logischer Schärfe in diesen überquellenden Gefühlsäußerungen durchgeführt wäre, in jeder Strophe sind Elemente aus den drei Zeiten gemischt, aber doch so, daß der Grundton der natürlichen Folge entspricht. Der Gedanke an sein geliebtes Land gibt dem Dichter das ergreifende erste Bild, das die Tiefe der Sehnsucht malt. Dort, in des Sängers judäischer Heimat sind, wenn nicht anhaltende Regengüsse den Sagen der Fülle bringen, die Wasserläufe oft ganz ausgetrocknet. Mit welcher Gier lechzt dann, von einem Bach zum anderen rasend, die Hirschkuh — vielleicht hat sie ein Junges zu säugen! — nach dem durststillenden Naß. Mit solcher Inbrunst verlangt es den Dichter heim, zu seinem Gotte. Und mit einem Bild der Erinnerung an seines Lebens . schönste Tage, wenn er mit der Schar frommer Wäller zum Heiligtum schritt, schließt die erste Strophe. Schon sänftigt leise dieses Gedenken den Schmerz und den Unmut, der seine Seele füllt, weil man den Verlassenen in der Fremde mit der Machtlosigkeit seines Gottes höhnt. Denn aus dem Erlebten wächst das feste Vertrauen und die zuversichtliche Hoffnung, daß doch noch einmal sich erfülle, was die Seele so innig ersehnt. Aber wie im Mond'lied Goethes der Stolz des Erlebten („Ich besaß es doch einmal, was so köstlich ist —") bald wieder in sich zusammenbricht in der schmerzlichen Empfindung: „daß man doch zu seiner Qual nimmer es vergißt" — so preßt hier die drückende Gegenwart dem Dichter den Atem und läßt den Mut noch nicht aufkommen.