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Die Wahrheit · 1923-08-01 · Heft 15 (1.8.1923) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 15 (1.8.1923)
Date
1923-08-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 15 Seite 15 kung gestattet auch nicht die biograplüsohe Form zu wählen, obwohl der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck gegeben werden soll, daß dies beides in absehbarer Zeit geschehen möge und als dankenswerte Aufgabe für den Historiker erscheint. Ziel und Zweck dieser Zeilen ist n u r, dem Manne, dem im Leben Kummer und Leid nicht erspart geblieben, für sein großes, ernstes, wissenschaftliches Leben, Forschen und Wirken den schuldigen Tribut des Dankel zu zollen und ihm damit ein kleines, bescheidenes Blumensträußchen auf das Grab zu legen. Seine wissenschaftliche Arbeitsleistung und schriftstellerische Tätigkeit treten für uns erst dann in die richtige Erscheinung, wenn man bedenkt, daß Wolf (wie er in seinem Vorwort zur Geschichte der Juden in Wien erwähnt) die Würde und Bürde eines anstrengenden Amtes zu tragen hatte und ihm daher nur ein sehr geringes Maß von Zeit zur Verfügung stand. Unter Festhaltung dieses Moments wird man geradezu mit Bewunderung und Staunen erfüllt, wie viel und vieles G. Wolf auf allen Gebieten der jüdischen Geschichte geschrieben, wie er Staats-, Land-, Stadt- und Gemeindearchive durch stöbert, mit emsigem Fleiß und sichtender Hand exzerpiert und alles historisch oder literarhistorisch Wertvolle und Bedeutende für seine Arbeiten nutzbar gemacht und zur Bearbeitung gebracht hat. Ganz unübersehbar ist die Zahl von Artikeln, Anzeigen und Rezensionen etc. aus seiner Feder in den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften. Wolf war Religionslehrer der Kultusgemeinde, wo der Unterricht seinerzeit noch nicht dezentralisiert war, sondern in der Religionsschule der Kultusgemeinde alle jüdischen Mittelschulen vereinigte. Später wurde er (nach Simon Szanto zum Inspektor für Volks-, Bürger- und Mittelschulen ernannt. Von manchen körperlichen Leiden und Gebrechen schwer getroffen, fand er immer Kraft und Trost in seinem Studium und düe schriftstellerische Feder, die er mit Leichtigkeit und meisterhaft führte, half ihm, für einige Zeit — wie er oft sagte — Leiden und Schmerzen vergessen. In seinen religiösen Anschauungen, Ansichten und Urteilen gehörte Wolf der sogenannten „freiheitliche n" Richtung an und im Kultus einer weitgehenden Reform, wodurch er sich mancher Anfeindung und Kämpfe zuzog. Mit tiefer Verehrung und wahrer Begeisterung sprach er oft und gerne von den Verdiensten und dem segensreichen Wirken Manatheimers, dessen Reden und Taten ihn mächtig fesselten. Von Wolfs zahlreichen Werken sei aber zum Schlüsse doch eines besonders erwähnt, das seinen Ruf und Ruhm als Schulmann begründete und weit über die Grenzen unseres Vaterlandes verbreitet ist. Es ist die „Geschichte Israels für die israelitische Jugend" (vier Hefte nebst Anhang), welches nach des Verfassers Tode von seinem leider auch vor einigen Jahren verstorbenen Sohn, dem Rechtsanwälte Doktor Hermann Wolf, dem Schreiber dieser Zeilen — im Sinne und in den Intentionen seines Vaters — zu entsprechender Umarbeitung übergeben wurde und nunmehr in f ü n f Heften in einer den Zeitverhältnissen und modernen pädagogischen Anforderungen angepaßten Form (derzeit in der Buchhandlung Gerold-Hölder-Tempsky) eine Reihe von Neuauflagen gefunden und in den meisten, fast in allen Wiener Mittelschulen eingeführt ist und auch in Schulen Deutschlands sich eingebürgert hat. Schließlich sei G. Wolfs als Menschen gedacht. Bei flüchtigem Verkehr konnte man ihn in seinem wahren Wesen nicht kennen lernen und erkennen, daß hinter einer etwas rauh erscheinenden Oberfläche — vielleicht durch manche Schmerzen und Sorgen hervorgerufen — sich ein edler, feiner und guter Kern barg, daß er stets von dem Bestreben erfüllt war;~zu helfen, zu nutzen und zu fördern. War er ja Mitbegründer des Unterstützungsvereines jüdischer Hochschüler, in dessen Hand die ganze Arbeit gelegt war. Und wie viele* gab und gibt es, die aus dem Fonds des genannten Vereines Beiträge für Rigorosen- und Promotionstaxen erhielten und denen damit die Vollendung ihrer Studien ermöglicht wurde. Wolf war eine markante Persönlichkeit, die im ganzen wenig sprach und viel dachte und als Vorgesetzter immer von wahrem Wohlwollen, echter Kollegialität erfüllt war. Hoffentlich findet sich der Biograph, der der Bedeutung dieses Mannes gerecht wird, daß seine Lebensarbeit und seine Arbeiten volle und gebührende Würdigung finden als Monument — Aere perenniies. Schulrat Dr. H. P o 11 a k, Dr. Oskar Wagner. Der allgemein beliebte, im Dienste hingebungsvolle Arzt und Inspektionsarzt der Wiener freiwilligen Rettungsgeselschaft Dr. Oskar Wagner hat sich entsprechend dem bescheidenen Wesen dieses schlichten Menschen in aller Stille vor kurzem mit Fräulein Irene Spitzer vermählt. Das Komitee zur Sanierung notleidender israelitischer Wohlfahrtsanstalten, welches die Bedeutung dieses seines Mitgliedes entsprechend nach Verdienst zu schätzen weiß, kann nicht umhin, auch an dieser Stelle seinen Glückwünschen Ausdruck zugeben. Kundmachung. Es wird in Ergänzung der Kundmachung vom Juni 1923 und im.Einvernehmen mit dem chrw. Rabbinate hiermit bekanntgegeben, daß die Fleischbank des Herrn Leo Hammer, XIV., Dreihausgasse 27, unter Aufsicht der israelitischen Kultusgemeinde steht. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. Leopoldstädter Tempel verein „Aeschel Awrohora." Der Vorstand teilt uns mit, daß es ihm gelangen ist, den bekannten Meister synagogalen Gesanges, Herrn Jehuda Mülle.r, für die freigewordene Stelle eines Oberkantors zu gewinnen. Oberkantor J. Müller, der aus seinem früheren Wirken an der Schiffschul den ungeteilten Beifall der andächtigen Hörerschaft in reichem Maße gefunden, erfreut sich schon lange des besten Rufes in der Judenschaft und hat auch anläßlich des Kantorenkonzerts in rHinfhaus glänzende Beweise seines Könnens erbracht. Nach all dem darf der Vorstand des Pazmanitentempels zu der von ihm gemachten Akqu/i'sitkm aufrichtigst beglückwünscht werden. Oberkantor Müller wird Freitag abends, den 3. August, sein Amt antreten und die große Schar seiner Freunde und Verehrer bei diesem feierlichen Anlasse vereint sehen. Verein der Neutraer. Auf Anregung zweier aiter Neutraer' Herren berief Fürsorgerat M. Friedmann eiinc Anzahl seiner Landsleutc zur Gründung eines Vereines „Neutraer in Wien", der sich unter zahlreicher Teilnahme konstituierte. Die Generalversammlung fand am 7. Juni im Cafe Fetzer (Praterstraße) statt. Es waren zirka 230 Neutraer Familien anwesend. Die Statuten ■sind fn geselligem und humanitärem Sinne ausgearbeitet worden. Es werden vierzehntägig Zusammenkünfte veranstaltet. Der Verein beabsichtigt, im August 1923 einen Vereinsausflug nach Nitra zu unternehmen. Zu diesem haben sich schon zahlreiche Mitglieder vormerken lassen. Aus alldem erhofft der Vereinsvorstand eine schöne Summe zusammenzubringen, um nachstehende humanitäre Tendenz des Vereins ausführen zu können: 1. Unterstützung verarmter Landsleute in Wien. 2. Aufrichtung von Existenzen. 3. Verteilung an Heizmaterial, Osterbrote und Kartoffel an Minderbemittelte, ferner ist im Statut auch vorgesehen, daß beim Ableben eines Mitgliedes mindest zehn Mitglieder des Vereines dem Verblichenen das letzte Geleite seben müssen. Der Verein besteht heute schon aus 200 ordentlichen und vielen unterstützenden Mitgliedern und beläuft sich das Vereinsvermögen heute schon auf mehrere Millionen österreichischer Kronen. Der provisorisch gewählte Vereinsvorstand wurde von der Generalversammlung mit Beifall für gut geheißen und besteht derselbe OWWWWWWWWWWWWW^^ Gedenket in Leid und Freud des israelifischen Taubsfummeninsfifufs in Wien III-, Juchgasse 22. ■mrarawrarawra»^

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