Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 15 (1.8.1923)
- Date
- 1923-08-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 15 DIE WAHRHEIT Seite 13 (sprich Juden) glaubhaft .hinstellten will. Aber nur getrost. Es hat sich bereits ein Bund für d e u t s c h e s R e c h t mit dem Sitz in Bochum gebildiet, dem voller Sieg prophezeit wird. Ob der neue Bund sich der üblichen Warfen, Pistole, Dolch und Gummiknüttel, [in seinem Kampfe bedienen iwird, davon schweigt des Sängers Höflichkeit. „Der Hannoverische Sturm", der sich von anderen Parteiblättern bloß 'durch pyramidale Dumnüieit unterscheidet, bezeichnet es als jüdischen Hohn, daß unsere. Zeitschrift an der Aufrichtigkeit der Alkoholenthaltsamkeit des Normialdeutschen zweifelte und leistet sich dabei den patenten Dreh, „nach Ansicht der Juden sind die Deutschen notorische Säufer". Mit Verlaub, werter Sturmheld! Nicht nach Ansicht der Juden, sondern nach dem von Ihrem Standpunkt gewiß nicht anzwedfeiibarem Urteil des im nationalen Feuer dreimal geläuterten Hammerfritsch in Leipzig, der in der Juliausgabe folgende Zuschrift aus einer Hansestadt veröffentlicht: „Der hiesige völkische Jugendklub ist der reine Poussilerverein und steht einer demoralisierten roten Jugendgruppe im Benehmen nicht nach. Weicher Schaden entsteht dadurch unserer Bewegung! Neulich hatten die Pennäler ein Abschl'edlsfe'St, und man konnte ganze Rudel v o n b ie t r u n k e n e n Jungens im Alter von 15 Ja ihren in den übel berüchtigten Straßen der Stadt antreffen. Was mögen das für Eltern sein, die ihren Sprößlingen derartiges erlauben und sie noch dazu mit Geld verseilen. Es ist - eine Schandle, besonders deshalb, weil dilese Jugend stolz das Hakenkreuz trägt." — Leider spielt unter eimein Teile der Jugend das Vorbild des Bier-Stiilderiten noch immer eiinie Rolle. Dieser selbst gehört der Vergangenheit an; die Mehrzahl der deutschen Studentenschaft ist unter eigener und vaterländischer Not über die geistige Verödung und sittliche Verwildierumg der Kneipe hinaus zu herber* harter Lebensführung geläutert. Umso tadelnswerter ist das Nachäffen studentischer Unsitten durch Schüler höherer Lehranstalten. Sie stehen den Gefahren des Alkohols noch wehrloser gegenüber als der frühere Bietstudent, der oft — als einziges Ergebnis der Studentenzeit — a n L e i b u n d S e e 1 e g e b r o c h e n, •den Rest seines Lebens verbrachte und so sich, Eltern und Volk um die Hoffnungen betrog, die man in ihn gesetzt hatte. Nationalsozialisten und Großdeutsche, Hakenkreuzler und Komblumenrütter, haben ihr Wahlk3mpromiß schon fertig. Der Grundgedanke desselben ist die Herstellung einer antisemitischen E d n ih e i t s f r o n t und diie praktische Wirkung wird der Einzug etlicher Nationalsozialisten, denen gewisse Wahlkreise kampflos überlassen werden sollen, ins Parlament sein. Man darf sich also im neuen Hause auf vermehrte und verschärfte Judendebatten gefaßt machen. Gegenüber dieser raschen Einigung im rassenantisemitischien Lager mutet die Zerfahrenheit und Uneinigkeit im freiheitlichen Bürgertum und unter der jüdischen Wählerschaft sehr trautriilg an. Es war ja immer so und es wird leider immer so bleiben. Roma deliberante Saguntum periit. Während sie sich in Rom zankten, ging Sagunt verloren. Theater, Kunst u. Literatur „Martyrium", ein jüdisches Jahrbuch von Jakob Krausz. Es ist ein seltsames Buch, das man mit Schmerz und Entzücken liest und das man bedingungslos bewundert, wenn man es gelesen hat. In anregendem Plauderton führt uns der Verfasser durch alle Leidenswege der Juden seit der grauesten Urzeit bis in die Gegenwart, die wir miterlebt und mitempfunden haben, hinein. Die verschiedenen Phasen der Emanzipation Assimilation, des Sozialismus und Zionismus, ihre Ursachen und Wirkungen in unserem Volke werden gestreift, die haarsträubenden Ereignisse in den Pogromländern eingehend behandelt. Die Zähigkeit mit der unser Volk, umbrandet von den Wellen des Hasses und der niedrigsten Verleumdungen, seine Eigenart zu bewahren wußte, tritt in diesem Buche so deutlich zutage und ist selbes als Jugendlektüre besonders empfehlenswert. Klara Lippa. Upton Sinclair. „Religion und Profit". Als der Uebersetzer dieses Sensationsbuches Professor Dr. J.Singer als Zeuge gegen den wegen Ehrenbeleidigung angeklagten österreichischen Minister a. D. Hussarek aussagte, daß die vom Neuen Geist-Verlag bewerkstelligte Ausgabe 5000 Exemplare betrug, dachte man wohl nicht daran, daß sich bald die Notwendigkeit einer Neuauflage erweisen werde, dank der Staubaufwirblung in jener Gerichtsverhandlung. Dem Herrn Minister a. D. beliebte es, in seiner Eigenschaft eines von der „Reichspost" bestellten Kritikers Upton Sinclair einen Schurken zu nennen. Er wollte die Berechtigung dazu aus dem Titel eines ehemaligen Professors des Kirchenrechts und eines rechtgläubigen Katholiken ableiten, dessen religiöses Empfinden Sinclair durch den Inhalt von „Religion und Profit" verletzt habe. Obgleich, wie im Laufe des gerichtlichen Verfahrens festgestellt wurde, der fromme Kritiker vor Jahren ähnlichen Anschauungen wie der von ihm beschimpfte Autor huldigte. Er übersah jedoch, daß dieser mit dem Untertitel des Buches, „Versuch einer wirtschaftlichen Auslegung",-die Quellen aufzeigen wollte, die von der Religion zur Profitmacherei führen. Er vergaß, oder tat wenigstens so, daß Sinclair, der sich freimütig als einer „der HauptSchmiitzaufwrrbler Amerikas" vorstellt, kein Religionsverächter schlechtweg ist. Dies zu konstatieren, muß eine Stelle aus seinem Buche (Seite 8) angeführt werden: „In ihrem wahren Sinne bedeutet Religion den grundlegendsten seelischen Impuls, die leidenschaftliche Liebe zum Leben, das Gefühl seines Wertes, den Wunsch, es zu steigern und fortzusetzen. In jenem Sinne^ muß jeder denkende Mensch religiös sein, in jenem Sinne ist Religion eine sich unablässig erneuernde Kraft, die wahre Natur unseres Seins. In jenem Sinne denke ich nicht daran, sie anzugreifen, und möchte klarstellen, daß ich sie jenseits aller Angriffe erachte. Aber uns ist die Freude versagt, das Wort in jenem ehrbaren Sinne zu gebrauchen, weil ein anderer ihm gegeben worden ist. Für den gewöhnlichen Menschen bedeutet „Religion" nicht die Sehnsucht der Seelen nach Wachstum, den „Hunger und Durst nach Rechtschaffenheit", sondern gewisse