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Die Wahrheit · 1923-08-01 · Heft 15 (1.8.1923) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 15 (1.8.1923)
Date
1923-08-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15 DIE WAHRHEIT / „Die angeführten Beschlüsse verstoßen gegen die bestehenden Gesetze und1 zwar gegen die Artikel 2 (vor dem Gesetze sind alle Staatsbürger gleich), *4 (die Freizügigkeit der Person und dies Vermögens innerhalb des Staatsgebietes unterliegt keiner Beschränkung) und 6 (jeder Staatsbürger kann an . jec^rrj Orte des Staatjsgebietes seinen Aufenthalt und Wohnsitz nehmen) des Staatsgrundgesetzes vom 21. Dezember 1867, R. G.B1. Nr. 142, sowie gegen Artikel 7, Absatz 1, dies Bunidesverfassungsgesetzes vom 1. Oktober 1920, B. G.B1. Nr. 1, über die Gleichheit aller Bundesbürger vor dem Gesetze. Die beiden Beschlüsse werden d aher außer Kraft gesetzt. Hiervon ist die Gemeinde Spitz a. d. Donau unverzüglich nachweislich zu verständigen." Christen für Juden. Wiederholt hatten wir Gelegenheit zu berichten, daß katholische und evangelische Priester in hervorragenden Stellungen das antisemitische Treiben als im Widerspruche mit dein Geist des wahren Christentums verurteilten. Nun können wir %die Aeußerungen eines ausgesprochen katholischen Blattes registrieren, das gleicherweise den Mut seiner Ueberzeugung be kündet. Anknüpfend an die Beobachtung, daß an der Mauer eines Grazer Hauses die Auirorderung stand: „Die Juden haben alles Geld, haut ihnen den Schädel ein!", meint das gedachte Blatt, das kann kein Christ geschrieben haben, allenfalls einer, der diiie Bildung wildfer Hottentotten hat und eifert gegen diese Entartung mit den überzeugenden Worten: «Stünde es wirklich besser um uns, wenn die Juden vertrieben oder vertilgt würden? Kaum! Warum nicht? Weil es zu viele Christen gibt, die selbst Juden, d. h. nicht besser sind wie schlechte Juden; und die treiben das gleiche Luderleben weiter. Es würdie nichts besser \verden, wedA die Fäulnis zu sshr in uns selbst steckt, die wir an anderen auftun. Es ist ja sehr menschlich unangenehm und billig, die eigenen Sünden durch das Schimpfen und Schelten über die der anderen zu übersehen und zu vergessen. Es steckt in uns soviel Hochmut, Habsucht, Geilheit und Schlechtigkeit jeder Art, daß das Verschwinden der Juden in unserem Leben, wie wir es sehen, kaum einen i-Punkt ändern würde. Warum also das Geschrei und Getöse gegen die Juden? Sag, ist der Jude nicht auch Mensch, der eine unsterbliche Seele hat? Was willst Du ihn verstoßen? Du kannst und sollst das Böse in ihm verstoßen* den Teufel, das Teuflische; das sitzt aber vielleicht gar sehr, jedenfalls mehr als Du meinst, auch in Dir. Also bei D i r zuerst anfangen! Und dann befreie die Seele des anderen! Aber verstoße sie nicht! Das „Wehe euch!" und das Verdammungsurteil steht nur Gott zu. Verstoße die Seelc- Deines Nächsten nie, auch nicht, wenn sin in jüdischem Gehäuse einhergeht. Stoße sie nicht ab durch bittere Worte, durch Streit, durch Vorwürfe, durch das ewige Vorhalten langer Sündenlisten! Durch schlechtes, unchristliches Beispiel! Nicht in der Rede und nicht in der Zeitung! Suche d i e Seele zu gewinnen durch wahre Liebe, durch Verstehen, durch aufrichtig gute Worte, durch christliche Hilfsbereitschaft und praktisch christliche Tat." Man lese dazu, wie unsere neuheidnischen Christen predigen: Auf der Pommerschen Tagung des deutschnationalen Jugendbundes rief einer in seiner Rede1 den jungen Leuten zu: „Ihr müßt hassen! Ihr müßt auch hassen lernen! Es ist in Wirklichkeit nicht unchristlich ...!'*... „Dieser Haß ist heilig. Haß gegen alle, die unser Volk so elend gemacht haben; Haß auch gegen die, die keine Deutschen sind, die man nicht lieben kann, die unser Volk vergiftet haben. Sie, die in planmäßiger Arbeit die Revolution begonnen haben, müßt ihr auch hassen!" Die Hakenkreuzpest in Deutschland. Der konservative Politiker Adam Röder veröffentlicht im Stuttgarter Tageblatt einen Artikel, in welchem er konstatiert, daß die Intelligenz in den ehemals konservativen Kreisen völlig abgedankt habe. „Professoren, Akademiker, Pfarrer, Adelige, Studenten, höhere Beamte, haben sich jedes' sachlichen Urteils und jeder Logik begeben, gehorchen nur den trüben Instinkten und berauschen sich an einem auf anständige Menschen ekelhaft wirkenden Antisemitismus." Kennzeichnend ist nach Röder, daß „Geister von so moralischer Brüchigkeit, wie Graf Reventlow, Wulle, Dinter, Kunze, Maurenbrecher" und der geistig nicht ernst zu nehmende Hitler heute die führende Rolle in der konservativen Bewegung spielen. Allerlei Hunnisches aus Magyarleu. Seitdem es zur unzweifelhaften, betrübsamen Tatsache für den Ministerpräsidenten Graf B e t h 1 e n geworden, daß seine Schnorrfahrt nach den Ländern der großen Entente ganz erfolglos blieb und man ihm, beziehungsweise seinem Herrn und Meister H o r t h y weder Geld noch Vertrauen entgegenbringen mag, haben diese Oberhunnen Schluß mit der Heuchelei gemacht, als ob man dort mich einem linken Kurs steuern wolle und die Erwachenden, die für die kurze Zeit der ministeriellen Bettelreise an die Kette gelegt wurden, werden nun mit anfeuernden Hussassu losgekoppelt, auf daß sie sich umso hemmungsloser auf ihre Opfer stürzen. Keine Kredite — kein Minoritätenschutz, ist die Parole der Budapester Regierung. Man sieht, wie klug die maßgebenden Staats- und Finanzmänner waren, als sie die friedlichen Versicherungen der geldstichenden Rattenfänger als eitel Wind einschätzten und nicht auf die aufgesteckte Leimrute gingen. Im ganzen Ungarland, soweit es noch unter der hunnischen Oberhoheit steht, herrscht der Schrecken, der Schrecken für alles, was sich zum jüdischen Glauben, zur jüdischen Rasse bekennt. In der Landeshauptstadt wie an verschiedenen Orten der Provinz weilen die bekannten besten Offiziere des Verwesers und deren willfähriger Mob. Totschlag und Plünderung sind an der Tagesordnung, die sich auch bis in die späten Nachtstunden ausdehnt. Weniger heldisch lebt sich der ritterliche Sinn der Schandbuben an den fremdnationalen Jugo- und Tschechoslawen aus. Da wagt man sich nicht in ein Gedränge einzulassen, denn die Knechte von gestern sind die Herren von heute. Mit Prag und Belgrad ist nicht gut Kirschen essen. Man kennt die Stimmungen und Verstimmungen dort und muß ihnen Rechnung tragen. Außerdem ist Gefahr, daß die Kleinententler es dem großen Bruder sagen, der bekanntlich ohnedies nicht gut auf Ungarn zu sprechen ist. Aber an den .luden darf man sich umso ungestrafter schadlos halten. Das ist so in der besten der politischen Welten._ ^■■■■■■■■■■^■P^HOBHHI^HBHHHB^ Der Judenhaß wächst! Nur fester Zusammenschluß und Opferwilligkeit zu gemekiisaimer Abwehr können dagegen helfen! Tretet der „Union deutsch-österreichischer Juden", Eurer bewährten Schutzorganisation, bei! Stärket unseren Preßfonds! Abonniert unser Organ „Die Wahrheit"! Tue Jeder seine Pflicht!__

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