Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 15 (1.8.1923)
- Date
- 1923-08-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 15 Slowakei, der Hegel und die deutschen Materialisten, vor allem Feuerbach und D. Fr. Strauß, verantwortlich macht. So hat überhaupt die unvermittelte, unvorbereitete Bekanntschaft mit den radikalen deutschen Denkern auf die Russen verheerend gewirkt. „Diese russische läßt sich mit dem Zersetzungs- und Auflösungsprozeß vergleichen, den die Naturvölker durchleben, wenn sie mit der europäischen Kultur plötzlich bekannt werden ..." Zum Schluß stellt Bulaschow noch die Frage nach dem eigentlichen Nutznießer der Legende von der Judaisierung des Bolschewismus und der Bolschewisierung des Judentums. Die Antwort lautet: Polen! Polen muß Westeuropa und ganz besonders Amerika, dessen Sympathien es braucht, die Berechtigung seiner unersättlichen Ländergier, seiner Raubpolitik gegen Rußland und die Ukraine nachweisen. In einem Punkte müssen wir den sachkundigen Verfasser berichtigen oder doch ergänzen. Mag sein, daß Polen ein unmittelbares Interesse daran hat, die Legende vom jüdischen Bolschewismus in alle Winde zuposiaunen. Mittelbar ist der Aintiseimiitismus der ganzen Welt der Nutznießer. Denn die Legende ist das Element des Antisemitismus: von ihr lebt er, und um zu leben, muß er ständig eine neue schaffen. Hier wirkt ein tiefliegendes psychologisches Gesetz, das den Antisemitismus oft ganz unbewußt zur Ausschließlichkeit und Unbedingtheit seiner Doktrin, kurz: zur Verallgemeinerung, treibt. Darin ist seine demagogische Natur begründet, die Ansteckungsgefahr, zugleich ist darin aber auch das Gegengift enthalten: die Uebertreibung, an der er scheitern wird wie jeder Radikaiismus im politischen, sozialen, selbst wissenschaftlichem Kampfe. Diese Uebertreibung auf das rechte Maß zurückzuführen, eine gefährliche Legende zu zerstören, ist das Ziel, das sich Bulaschow in seiner Schrift gesetzt hat. Wer weiß, wie Legenden entstehen und was sie für die Massen bedeuten, der gibt sich keiner Täuschung darüber hin, wie schwierig es ist, sie aus der Welt zu schaffen. Aber die Schwierigkeit eines Unternehmens hebt seine Notwendigkeit nicht auf. Notwendig ist es, die Aufklärungsschrift Bulaschows dahin zu bringen, wo sie Nutzen stiften kann — sonst wären Mühe und Kosten verschwendet. Dies an die Adresse jedes einzelnen von uns. Lloyd George gegen den Antisemitismus. In einem jener lapidaren Artikel, in welchen der frühere britische Premierminister Lloyd George nach seiner Rückkehr ins Privatleben die wichtigsten Fragen der Weltpolitik bespricht, unternimmt es der berühmte und geistvolle Staatsmann, auch die Berechtigung des Anspruches der Juden auf die Besiedelung Palästinas auf Grund der Balfour-Erklärung zu verweisen. Er zeigt die Hifsquellen des Landes auf, die unter der türkischen Mißwirtschaft verschüttet wurden und nun durch die jüdischen Pioniere neu erschlossen werden. Für die jüdische Bevölkerung in der Diaspora und für die ganze gesittete Welt sind die. wuchtigen Sätze, mit denen sich Lloyd George gegen den Antisemitismus in jeder Form wendet, von besonderer Bedeutung. Lloyd George schreibt: Von allen blinden Vorurteilen, die das menschliche Gemüt aufreizen, ist der Antisemitismus das unsinnigste. Er hat keinen Boden in der Vernunft — er wurzelt nicht im Glauben — er strebt kein Ideal an — er gehört eben zu jenem feuchten und ungesunden Unkraut, das im Morast des Rassenhasses wächst. Wie vollkommen sinnlos es ist, kann aus der Tatsache beurteilt werden, daß er sich fast ganz auf Völker beschränkt, die jüdische Propheten und Apostel anbeten, die nationale Literatur der Hebräer als die einzige Offenbarung der Gottheit an die Menschheit verehren und deren ganze Hoffnung auf Erlösung in den Verkündigungen und Versprechen der großen Lehrer von Juda seine Grundlage besitzt. Und doch können nach der Ansicht dieser Fanatiker die Juden von heute nichts recht machen. Wenn sie reich sinld, sind sie Raubvögel. Wenn sie arm sind, sind sie Ungeziefer. Wenn sie einen Krieg begünstigen, wollen sie die blutigen Kämpfe der Christen zu ihrem eigenen Profit ausnützen. Wenn sie nach Frieden verlangen, sind sie entweder Feiglinge oder Verräter. Wenn sie großmütig schenken — und e s gibt keine freigebigeren Geber als die Juden — so tun sie es zu irgendeinem selbstsüchtigen Zweck. Wenn die Arbeiterschaft durch das Großkapital bedrückt wird, ist die Geldgier der Juden dafür verantwortlich. Wenn die Arbeiterschaft sich gegen das Kapital auflehnt — wie sie es in Rußland tat -- werden die Juden auch dafür angeklagt. Wenn der Jude in einem fremden Lande lebt, muß er verfolgt und durch Pogroms daraus vertrieben werden. Wenn er in sein eigenes zurückkehren will, muß er daran verhindert werden. Was immer er tun oder beabsichtigen oder unterlassen mag, seit Jahrhunderten wurde er in jedem Lande mit dem brutalen Ruf des Pöbels von Jeursalem gegen den größten aller Juden verfolgt — Kreuziget ihn! Nichts Gutes ist je von den Völkern gekommen, die die Juden gekreuzigt haben. Es ist armseliger und feiger Sport, dem alle wahren Eigenschaften der Männlichkeit fehlen, und diejenigen, die sich ihm hingeben, wären die ersten, davonzulaufen, wenn irgendeine Gefahr dabei wäre. Die Judenhetzer sind meistens von der Sorte jener, die gewichtige Gründe fanden, den Militärdienst zu meiden, als ihr eigenes Land in Gefahr war. Aus unserem Rechtschutz u. Abwehrbüro, Gesetzwidrige Aufhebung der Freizügigkeit. Der Gemeinderat von Spitz a. d- Donau hat ini seiner Sitzung am 9. Februar 1923 beschlossen, nur Ariern einen mehr als dreitägigen Aufenthalt zu bewilligen und die Nachbar gern eindeni zu ersuchen, für 1923 keine Juden als Sommerparteien aufzunehmen. Auf die Beschwerde der „Union deutsch-östei*r. Juden" vom 25. April d. J. hat die Bezirkshauptmannschaft Krems mit Verfügung vom 19. Juni 1923. Z: 1140/3 B, die Vollziehung dieser Beschlüsse unter gleichzeitiger Anzeige an die Landesregierung untersagt. Die Landesregierung hat hierüber wie folgt entschieden: