Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 15 (1.8.1923)
- Date
- 1923-08-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Nr. 15 entsaigt hätte, als falsch und unredlich zu einem Glauben midi bekannt, der mir so zuwider war". Und zu Hause, als die Mutter sie fragt, was sie bei dem Pastor gelernt, belügt sie die Mutter, das erstemal in ihrem Leben. So wurde sie Christin. In einen ganz anderen Kreis versetzt uns das zweite Buch, die Erinnerungen des kürzlich verstorbenen Fritz MautHner, des genialen Sprachforschers, der, in einem freigeistiigen böhmischen Judenhause aufgewachsen, „bis zu seinem achten Lebensjahre kaum wußte, was das bedeutet, daß wir Juden waren." Was er über den jüdischen Religionsunterricht an dem Prager Gymnasium, das er besuchte, berichtest, erinnert leider zu deutlich an sehr verwandte Tatsachen aus unserer Zeit und nächsten Umgebung!, und muß jeden denkenden Juden auf diesen wunden Punkt hinstoßen; den noch immer in so vielen Fällen unser Religionsunterricht bildet. Durch dieses Kapitel gewinnt das Buch, das übrigens über die Fr anlasten und andere Einzelheiten der jüdischen Geschichte interessante Daten bietet, für uns an Aktualität. In eine neue Welt tritt man mit dem dritten der drei Bücher, den Tagebüchern Theodor Herzls. — Die ganze Größe dieses Mannes kömmt uns erst hier zu vollem Bewußtsein. Es ist ein Buch, das in jedes jüdische Haus gelhört. Ein Roman. Auf den ersten Blick eine Donquichotterie. Aber immer wärmer und wärmer packt es uns. Die grausige Tragik des Promtheus, der, an den Felsen banausischen Sklavewdiienstes geschmiedet, vom Geier niederträchtiger Ausbeutung gemeiner Schurken zerfleischt, die Verwegenheit büßen muß, seinem Volk das himmlische Licht der Selbstbesinnung gebracht zu haben. Wie fein seine Menschenkenntnis, wenn er „die Kultusgemeinden erobern lassen will, damit wir den Anhängern Ehrenämter, den Käuflichen Pfründen geben können". Aber welche Selbsttäuschung über 'manchen in seiner Gefolgschaft, wenn er schreibt: „Die Leute, die diese Bewegung machen, wollen weder Mandate kriegen, noch können sie irgend einen persönlichen Vorteil davon haben." Eine endlose Kette von Enttäuschungen. Einzelne Irrlichter: Audienzen beim deutschen Kaiser, beim Sultan, bei Plehwe. Neben unablässiger Selbstaufopferung, Hingabe seiner Kraft und seines Besitzes, die nagende Sorge uim die Zukunft seiner Familie. Und dieser Mann läßt sich von seinen alten Eltern den Segen erteilen,- wenn er einen entscheidenden Schritt unterniimimt. Er läßt seine Kinder mit dem hebräischen Nachtgebet den Tag beschließen. Kein Jude kann dieses Buch lesen, ohne stolz zu werden auf seine Zugehörigkeit zu einem Volke, das einen solchen Mann geboren, das eines solchen Menschenopfers gewürdigt wurde. Unsere Jugend muß das Buch lesen. Hier lernt sie, was es heißt, ein Jude sein. Ein Eddmensch, der seinem Ideal sein Löben zum Opfer brachte* in jedem Augenblick von dem Bewußtsein durchdrungen: „Du trägst die Ehre deines Volkes in deiner Hand!" Und welche werbende Kraft in dieser Persönlichkeit! Wie alle Idealisten, wird Herzl ungerecht, wohl küM rechnender Verstand dem Fluge seines Geistes nicht folgen kann. Doch vor der Reinheit seinies Herzens, vor dem Adel seiner Seele verstummt jeder Einwand, auch derer, die seinem Beginnen ihren Beifall versagen. Von ihm geht ein Licht aus, dais selbst die Mißgriffe so mancher, die sich mit seinem Namen schmücken, nicht verdunkeln können. ' R. „Numerus Clausus" einst und jetzt. Von Josef Lazarus. (Fortsetzung) Portugiesische Juden aus M ad ei r a führen «die Zuckerplantationen in Brasilien ein. Der erste Europäer, der mit Amerika Handel trieb, war der spanische Jude Juan Sanchez aus Saragossa, der im Jahre 1502 fünf Schliffe mit Weizen un(d!Pf erden beladen, nach Amerika sandte.23) Koloniahvirtschaft erfordert Geduld und Pflege. Ferdinand von Aragonien hatte hierfür weder Zeit noch Lust. Vielmehr streckte er seine habgierige Hand nach fertigen Früchten jüdischer Arbeit aus. Diese zu ergreifen — verbrannte er die Besitzer. Zum zweiten Male sahen diese. Glaubensheidien die Scheiterhaufen lodern. Diesmal aber weigerten sich diese Helden — wenn auch nur zum Schein — den Glauben zu wechseln, bestiegen mutig den Scheiterhaufen, Gott ihre Seele ernpfehlend. So verschieden in den Flammen die edlen Juan Alvarez mit Frau und Kindern, der Arzt Alvaro Nunez, der Du arte Nunez, der Manuel Lopez und viele andere. Mit dem guter schaff enden Geist, den sie in den Flammen aushauchten, erlosch alle Güterschaffung. Mit dem Verglimmen der Scheiterhaufen verlor Spanien seihe Kolonien. ,.So war die Niederlage des Faustrechtes gegenüber der Kulturarbeöt dies Bethamidrasch. Nach solchen Greueltaten der Spanier und solcher Kulturarbeit der Juden» w'air der Segen des biblischen Volkes bald begehrt von den Holländern, um die ihnen aufgedrungene Inquäisitilon abzuwehren und die spanlische Henrischaft loszuwerden. 1593 kamen die ersten InquisitionsflüchtUnge in A m s t e t d a m an. Sofort bauten sie ein Bethamidrasch, aus dem ihnen Lelfrunig und Erleuchitung für ihr Wirken in diesem, für sie neuem Lande quoll. Durch ihre überseeischen Famüfenbeziehuiigen vergrößerten sie den holländischen Seehandel. 16(9 hatten sie bereits 'die Fnelüzügigkeit im ganzen Lande. 1675 bauten sie die berühmt gewordene Synagoge zu Amsterdam, die zum geistigen Zentrum jüdischer Gelehrten der ganzen Welt wurde, weshalb Amsterdam in der Gelehrtenwelt mit dem Titel des „Neuen Jerusalem" geschmückt wurde. (Forlsetzung folgl) 23) Kayserling „Columbus etc." BBI Unterlassen Sie nidtf llll!!!!!llllllillllllllllll!llllllltlll!llllllllllllllllllllllllllH ihren Verwandten und Dekonnten In der ROSCIiliASCHONO-FESTNIiraNlCR der „Walarltreitf" zu gratulieren -1 (Näheres Omsdilagselfe 19]