Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 14 (15.7.1923)
- Date
- 1923-07-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 16 Nr. 14 Vermischtes Ein nachahmenswertes Beispiel jüdischen Gemeinschaftsbewußtseins. Tür die Zeit der Renovierung des Fünfhauser GemeindStempels hat der Mairiahilfer Tempelverein bereitwilligst zur Abhaltung von Trauungen den Fünfhausern sein Gotteshaus zur Verfügung gestellt, wie in unserer letzten Nummer durch die Trauung A 1 b e r s - F u 11 e rw e i t dokumentiert wurde. Das gesamte Personal des Fünfhauser Tempels fungiert demgemäß bei solchen Anlässen im Tempel der Schmalzhofgasse. Man erinnert sich bei dieser Gelegenheit, daß in der ganzen langen Zeit, in der Trauungen im großen Leopoldstädßer Tempel nicht vorgenommen werden konnten, mancher seine Zuflucht zum Tempel in der Seitenstettengasse nehmen mußte, der Chor und diie Diener der Temepeigasse aber von der Mitwirkung an den dort placierten Trauungen ausgeschlossen wurden. Um so freudiger und auerkennender ist das Vorgehen dar Mariahilfer zu begrüßen und für kommende Fälle als Vorbild festzuhalten. Interessante Eheschließungen im Berliner Hause Rothschild. In der Berliner Gesellschaft erregen zwei Eheschließungen im Hause Rothschild Aufsehen. Ein Mitglied der Dynastie Rothschild-Goldschmidt wird die Tochter des Kohlenkönigs aus Vorstinnesscher Zeit, des Herrn Friedländer-Fuld heiraten. In erster Ehe war die Braut verheiratet mit dem früheren Staatssekretär des Auswärtigen von Kühlmann, dessen Seitensprünge bei der Friedenskonferenz in Bukarest 1918 zur Auflösung der Ehe führten. Gleichzeitig verheiratet sich ein anderes Mitglied der Familie Rothschild-Goldschmidt mit einer Gräfin Henkel-Donnersmarck, einer Tochter des größten oberschlesischen Kohlengrubenbesitzers. Die Gräfin Henkel tritt aus diesem Anlaß zum Judentum über. Famüiennachrichten. So oft ich die „Times" zur Hand nehme und auf der vordersten Seite spaltenlang Familiennachrichten rubriziert finde, staune ich, daß unsere jüdischen Zeitungen nicht längst dieses Vorbild nachgeahmt haben. Wie mir, so ergeht es gewiß vielen anderen, daß man eine Einladung zur Trauung, Barmizwah u. dgl. beiseite legt oder vergißt. Wenn aber die „Wahrheit" die im kommenden Halbmonat statfindenden Familienfeiern brächte, und zwar wie die ..Times", die Familiennamen alphabetisch geordnet, fett gedruckt, dahinter in Petitsatz den festlichen Anlaß, so wäre vielen, geholten. Ebenso wären Geburtsanzeigen und nachträgliche Sterbefälle, aber auch andere Kasualien, wie Jubiläen, Geburtstage, silberne und goldene Hochzeiten usw. bekanntzugeben. Vor allem aber etwas, was bisher mit Unrecht arg vernachlässigt wird. Ich meine die Jahrzeiten. „Vergessen, wie ein Toter aus dem Herzen", sagt weise die Schrift. Kaum daß das Trauerjahr vorüber, ist, zumeist wenigstens, der Tote in das Album der verblaßten Erinnerung geraten. Ohne, daß man gerade wie jene Witwe zu fühlen braucht, der ein Freund nach dem Ableben ihres Mannes sagte: „Er war ein einziger Mensch, sie werden keinen besseren finden", worauf sie unter Schluchzen die Antwort gab:„Ich will's versuchen". Unter der Ueberschrift „Im Memoriam", bringt die „Times" kleine, oft rührend innige Nachrufe von Hinterbliebenen bei der Wiederkehr des Todestages eines Angehörigen, und zu dieser Kategorie eine besondere Heldentafel unter dem Titel „1914—1918". Selbst der Fernstehende wird von dieser Kundgebung echter Pietät ergriffen, um wie viel mehr Freunde des Verstorbenen, die auf diese Wreise wieder an ihn erinnert werden. Auch Gratulationen und Kondolenzen können auf diesem Wege zum Ausdruck gebracht und Geschenke, beziehungsweise Kranzspenden abgelöst werden. Wie, wenn ein Verein, wie unsere rührigen „Tempelfreunde", die Sache in die Hand nähme! Der Verein richtet an seine Mtiglieder eine Verständigung folgenden Inhaltes: „Wir ersuchen unsere p. t. Mitglieder um rechtzeitige Bekanntgabe aller Familienereignisse, die sie ihren Bekannten anzuzeigen wünschen, ebenso die Jahrzeiten ihrer Angehörigen, auch von allfälligen Glückwünschen und Beileidskundgebungen. Der Verein übernimmt für seine Mitglieder den kostenfreien Abdruck in der „Wahrheit": Mitteilungen, die eine Petitzeile überschreiten, werden Mitgliedern nach dem Inseratentarif berechnet. Nichtmitgliedern wird das Gleiche, gegen eine entsprechende Spende an den Verein, eventuell, wenn charitative Zwecke in Betracht kommen, für das „Wohlfahrtskomitee" des Vereines geboten. Auf diesem Wege könnte ' der Verein in formaler Weise die Verpflichtung übernehmen, die Jahrzeit des Stifters alljährlich anzuzeigen. Wer ihm ein treues Andenken bewahrt, wird ihm gern ein Kadclisch widmen. Wir sind überzeugt, daß alle, die das verdienstliche Wirken des Vereines kennen, ihm auch ihre Glückwünsche zu Rauschhaschonoh. Purim und anderen Gelegenheiten auf demselben Wege umso lieber anvertrauen werden, ab sie gewiß sein dürfen, daß dieses Geld nicht thesauriert, sondern sogleich einem edlen Zwecke beziehungsweise der verfügten Bestimmung zugeführt wird. Zugleich wird aber auch der „Wahrheit" ein neues Feld der Betätigung und ein neuer Kreis von Freunden und Lesern erschlossen, was wir nur wünschen können, nicht sowohl um der „Wahrheit" willen, als um das zum großen Teil indolente jüdische Publikum für jüdische Dinge zu interessieren. Fr. K., Mitglied des Vereines der Tempelfreunde. Generalversammlung. Am 3. v. M. fand eine außerordentliche Generalversammlung des Synagogen-Vereines „B e t h- Israel", iL, Leopoldgasse, statt, zu der eine sehr große Anzahl der Mitglieder erschienen war, und wurden auf Antrag des Präsidiums in Würdigung ihrer bedeutenden Verdienste die Herren Israel Uruber, Dr. Leo Landau sen., Bernhard Sturz und M. L. S c h m i e d t zu Ehrenmitgliedern unter lebhafter Akklamation ernannt. Zu Vorstandsmitgliedern wurden mit dreijähriger Gültigkeitsdauer Herr Markus Heu b 1 u m wieder-, die Herren A1ax E i s e u k 1 a m m und Dr. Leo Landau jun. neu, sowie als Bethausvorsteher mit dreijähriger Funktionsdauer die Herren A. Barschak und Naftalie Goldberg wiedergewählt. Mit einjähriger Funktionsdauer als Rechnungsrevisoren wurden die Herren S. B e r g e r, Jos. Grünberger und Heinrich H i r s c h f e 1 d, ferner als Schiedsrichter mit einjähriger Funktionsdauer die Herren Ad. Gesund, Ig. Löwy und Jos. S c h e e r gewählt. — Bei der am 10. v. M. erfolgten konstituierenden Sitzung wurden die Herren Emil Pomeranz zum Obmann, Bernhard Sturz zum Obmannstellvertreter, Moritz B u r i a u zum Schriftführer, Max Karp zum Schriftführerstellvertreter und Wilhelm F 1 i e g e 1 zum Kassier gewählt. Schlußfeier. Sonntag, den 24. v. M. fand die Schlußfeier der Talmud-Thora-Bibelschule des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohom", IL, Pazmanitengasse, statt. Die vorgenommene Prüfung wies auch heuer einen schönen Erfolg auf und war es eine wahre Herzensfreude, die Kenntnisse der Kleinen und Kleinsten zu bewundern. Der Obmann der Schulsektion, Herr S. Adler, begrüßte Sr. Erw. Herrn Rabb. Dr. S. Funk, die überaus zahlreich anwesenden Mitglieder des .Tempelvereines, sowie die Gäste und Eltern der Kinder, die K«WWW«!m4WWWWWWWW^ Gedenket in Leid und freud des israelitischen Taubsfummeninsfifuts in Wien III., JuchSasse 22. ■S««WC4§»««'SttKHHHHC^m»S«««Wa'^W5«W