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Die Wahrheit · 1923-07-15 · Heft 14 (15.7.1923) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 14 (15.7.1923)
Date
1923-07-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 14 göttliche Melodien des Kol N i d r e h, die wahrhaft jüdischen Töne der M a t i k w a h, wird es immer stiller und stiller werden, der Gassenhauerchor verstummt und ein Gefühl, ein jüdisches Gefühl regt Sich in so manchem Herzen, das uns daran erinnert, daß es sich für Juden vielleicht gar nicht schickt, sich in solcher Weise und in einer solchen Tonart zu belustigen und zu unterhalten. Ich wi'Il absolut nicht behaupten, daß mein jüdisch-miusikafeches Werk ein Kulturereignis ist; wenn meine musikalische Schöpfung jedoch nur dazu geeignet erscheint — und dies ist gewiß — im jüdischen Merzen auch jüdische Gefühle wachzurufen, jüdischen Familien ihr Heim angenehmer zu gestalten und noch zu allerletzt auch Ni'chtjuden zu beweisen, daß sich die jüdische Seele in ihrer Musik wiederspieg.ei't, so bitn ich mit meinem neuesten Werke zufrieden. Morris Rosenfeld gestorben. Der berühmte jiddische Dichter Morris- Rosemfeld ist am Freitag, den 22. Juni, in New-York gestorben. Der Dichter hat ein Alter von 60 Jahren erreicht. „Der Pionier4', das Blatt der Unterdrückten und Totgeschwiegenen. Gemeint sind alle die literarisch Kämpfenden, die den Wagemut aufbringen, gegen den Strom der Kriegsbegeisterten, Biirgfiiiiedenstörer und Volks verdlummer zu schwimmen. Der Herausgeber Dr. Carl T h i n i u s ist selbst solch ein kühner Schwimmer, der sich einer selbstlosen idealein Aufgabe, widmet, und alle, die guten Willens sind, mögen ihn dabei kräftigst fördern. Die Streitschrift geht zunächst jenem völkischen VerlagSiklüngel an den Leib, der eine berufsmäßige Briininenverigiiftung betreibt, indem er auf Geheiß derer um Ludendorff und Statines nur solche Werke gelten läßt, die das überwundene alte Regierungssystem verherrlichen und alle gegenteiligen Meinungen bedingungslos ablehnen. Diesen bietet der „Pionier" Raum und Gelegenheit, für Frieden und Menschenr^cht vor die große Oeffentlichkeit zu treten. Die Bedingungen eines nicht warm genug zu wünschenden dauernden Erfolges sind abhängig von dem Umfang des Entgegenkommens, und deshalb machen wir uns gerne zum Dolmetsch seines Aufrufes an dite wahrhaft Freisinnigen und alle Antireaktionäre. Wir werden gelegentlich in der Lage sein, Stichproben aus dem „Pionier" in Wort und Bild zu bringen, die für seine schönen Ziele und Bestrebungen zeugen. Schon jetzt, in der kurzen Zeit seines Erscheinens, (begegnet er verdienter Anerikennung, die sich weitesten Kreisen mitteilen sollte. Wer mit diem. „Pionier", der seinem Titel alle Ehre macht, in Fühlung treten will, der schreibe dem ..Pionier-Verlag" Hamburg, Methfesselstraße 18. d. Offenes Sendschreiben an den christlichen Ade! deutscher Nation. Sendschreiber ist der sattsam bekannte Ernst Freiherr von W o 1 z o g e n, der ehemalige Brettlpoet, der, seit ihn Witz und Rehnfixigkeit verlassen, das leichtere und einträglichere Gewerbe als deutschnationaler Scribifax ergriffen. Von dieser Art ist vorliegendes Pamphlet, das der Freiherr von Wolzogen seinen Standesbrüdern widmet (bei Abnahme von 10 bis 1000 Stück steigender Rabbat). Verlegt ist diese Drucksache im Leipziger Hammeir-Verlag, was sie Gesinnungsgenossen empfehlen und der Kritik die Arbeit erleichtern muß. Gleichwohl sei ohne jede Voreingenommenheit eine bescheidene Blutenlese aus dem adeligen Sendschreiben geboten, die geeignet für eine Transplantation in unser Irrgärtlein der Dummheit wäre; der Sendschreiber hält an dem Vorurteil seiner Kaste fest, daß der Adel sine gottgewollte Einrichtung ist, damit dieser die Herde (sie!) führe. Es muß nicht just ein Herzog oder Fürst sein, manchmal ist ein gewöhnlicher Ritter (oder Freiherr v. W.?) besser. Aber die ragenden Stellungen in der Verwaltung oder im Kriege stehen nur dem Adel zu. Unter Umständen kann auch der reiche Großbauer oder Großkaufmann adelartig sein. Diese Stände verfügen eben über entsprechende Mittel zur Finanzierung politischer Pläne. Wahrlich, meint der Prophet zum Schluß, wenn ihr nicht so werdet wie diese Juden, geschlossen .einer für alle und alle für einen, dann ist euch, Stützen der Gesellschaft, und dem deutschen Volke nicht zu helfen. —d. Wilhelm Sterk: „Rifka Perl". Ein Liebesroman aus (jalizien. (Verlag Frisch & Co., Wien, Leipzig Zürich.) Zwei Leidenschaften stürmen gegeneinander; der Mann sucht nach mancherlei Irrfahrt und mancher Enttäuschung in der schönen Jüdin die Verwirklichung seiner sehnsüchtigen Träume, das aufblühende Weib, das bisher nur genommen, nicht wahrhaft umworben und geliebt wurde, will sich ein einzigesmai verschenken können und zerbricht schließlich doch an dem brutalen Besitzeswillen ihres Gefährten. Ob der Tod Rifikas notwendig war, ob Rigor, der monatelang dem Mädchen zarteste Rücksicht entgegenbringt, gerade vor der langen Trennung den letzten Widerstand vor der freudigen Hingabe nicht hätte respektieren und sich dadurch ein dauerndes Glück, jedenfalls aber ein unvergeßliches Erlebnis hätte sichern sollen, darüber will ich mit dem Dichter nicht rechten. Er wollte wohl zeigen, daß übermächtige Leidenschaft auch zuweilen das Liebste mordet «und überdies sühnt jai Rigor seine Zornestat durch freiwilligen Tod. Das Schicksal der beiden bannt uns, es hat Gültigkeit, solange zwei Menschen zueinanderströben, es macht uns klar, daß nicht einmal religiöse Bedenken, wie sie besonders der fromme Ghettojude hegt, stichhalten, wenn der Trieb sich bahnibriebt. Prächtig die Figur des uralten, grundgütigen, weisen Rabbiners, nicht minder gelungen der verliebte Eisig in seiner Mischung von Geschäftsklugheit und selbstloser Opferwilligkeit. Wilhelm Sterk hat sich mit diesem Buch als echter Dichter erwiesen, deshalb, weil er ein aligemeines Problem im Menschlichen verankerte. Wir sind auf sein nächstes Werk gespannt. Dr. Otto Fröhlich, Wien. JAC. MAVER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborstraße 44

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