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Die Wahrheit · 1923-07-15 · Heft 14 (15.7.1923) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 14 (15.7.1923)
Date
1923-07-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 DIE WAHRHEIT Kr. 14 „staatserhaltenden Elemente". Wobei es anscheinend gar nicht ins Gewicht fällt, daß die Beschenkten die Geber unentwegt als Erzfeinde deutscher Art bezeichnen und sie angeblich am liebsten alle aus Oesterreich abschaffen möchten. Ist es denn wirklich innig, dem, der .mich nicht als vollwertigen Bürger anerkennt, um Hilfe anzusprechen, noch dazu um Hilfe in einer Gefahr, die nur in der Phantasie Ueberängistlicher besteht? Immer wieder wird gerade von den Ueberpatrioten das „jüdisch-bolschewistische Kapital" als allein schuldtragend' an unserem Zusammenbruch ausgeschrien. Die Binsenwahrheit, daß das Kapital niemals politische Färbung natte und daß, wenn man schon die These aufrecht erhält, daß das Kapital aller Länder den Krieg entfacht hat, ganz gleich, ob Juden oder Christen die Machtträger waren, dieseSelbstverständlichkeit wird man den Herrschaften schon deshalb nicht beibringen, weil sie ja dann ein wirksames Schlagwort verlieren würden. Ihre Geistesriehtiung zu ändern', fällt uns nicht' ein, wohl aber hätten wir den Herren vom Industriellenverband soviel Ehrgefühl und Takt zugemutet, ihren politischen Gegnern nicht leichtherzig! eine Waffe in die Hand zu geben, mit der sie später gewiß auf die liebwerten „Nicht-Arier" losschlagen werden.. Doch dänn ernten, die Allzneifrigen eben bloß die Früchte eigener Kurzsichtigkeit. Fichte, der Hakenkreuzler. Der alte Kniff literarischer Falschmünzer, mit einer aus dem Zusammenhang gerissenen Textstelle etwas beweisen zu wollen, was nicht beweisbar ist, mußte auch den Hakenkreuzlern herhalten, den ehrlichen Philosophen Fichte als einen der ihrigen zu reklamieren. Fichte veröffentlichte in seiner Jugendzeit den „Beitrag zur Berechtigung der Urteile des Publikums über die französische Revolution", worin der Juden erwähnt wird, die aus dem Staat getreten sind und einen eigenen Staat bildeten. Es fehlt dabei nicht an scharfen Ausfällen gegen das Judentum. Mit dem gleichen Federzug schreibt der Verfasser: Fern sei von diesen Blättern der Gifthauch der Intoleranz, wie er von meinem Herzenist. Der Jude, der über die festen, man möchte sagen unübersteiglichen Verschanzungen, die vor ihm liegen, zur allgemeinen Gerechtigkeit, Menschen- und Wahrheitsliebe durchdringt, ist ein Held und ein Heiliger. So schrieb Fichte 1793. Es war, als ahnte er den aufgehenden Stern Moses Mendelsohns, des besten Freundes Lessings. Später, nach allerlei unliebsamen Erfahrungen mit der Blüte der deutschen Nation, der seine berühmten Reden vor dem Befreiungskriege galten, veränderte Fichte gänzlich seine Jugendmeinung. Er schloß ein literarisches Bündnis mit dem gelehrten Salomon Mainon. Ueberschwengliches Lob zollte er auch dier „Veitin", der Tochter Moses Mendelsohns, die ihm den Glauben, daß aus der jüdischen Nation nichts Gutes kommen könne, benommen. Auf Fichtes Grab wurde die Inschrift (nach Daniel 12. 3) gesetzt: „Die Lehrer aber werden leuchten wie der Glanz des Himmels und die so viele zur Gerechtigkeit wiesen, wie die Sterne immer und ewiglich." Vergebens werden Fritsch und seiine Helfershelfer sich bemühen, diesen Himmelsglanz und leuchtenden Stern in ihren Sumpf zu ziehen. Theater, Kunst u. Literatur | Jüdische Volksklänge!*) Eine Selbstkritik. Von Josef Grob. Als mein Verleger das von mir bearbeitete Manuskript „J ii cl i s c Ii e V o 1 k s k 1 ä n g e" erhielt, ging er — bevor er es dem Drucke übergab — erst zu einigen jüd'ischen Persönlichkeiten auf dem Gebiete dier Musik, um ihre Meimuwg einzuholen. Warum? Mein Verleger Franz von Budzynski ist Christ, sogar edheir von den streng religiösen, der es nicht verabsäumt, oft die Kirche aufzusuchen, um seine Andacht zu verrichten, dabei im vollsten Sinne des Wortes human, krankt nicht an dem leider jetzt so arg wütenden Antisemitismus und als äußerst kultivierter Mensch ist eir auch immer bereit, die Kunst — auch wenn ihr Schöpfer ein Jude ist — zu fördern. In meinem Falle, wo es sich um spezifisch jüdische Musik handelt, meinte er doch vorsichtshalber das Urteil einiger Vertreter der jüdischen Musik vorerst anhören zu - wollen. Nach Einholung der — 'üibriigien'S geteilten — Meinungen ging Franz von. Buidzymski zur größten und besten Druckerei in Wien, zu Waldheim & Eber 1 e, ließ das Manuskript drucken, umd daß er gut daran getan, soll die nachstehende Selbstkritik begründen. Ich habe mir zur Aufgabe gestellt, eine Reihe jüdisch-volkstümlicher Piecen, auch solche syniagogaler Art, wie zum Beispiel K o 1 - N i d r e h, I s m a c h o, J e w o n i in, Schoschanas Jak o w, A t o h b'c «h a r t o n o h und noch mehrere solcher, dfe einen volkstümlichen Charakter tragen, so einander zu reihen und zu bearbeiten, daß man nicht nur bei jüdischen Veranstaltungen, sondern auch in jedem jüdischen Hause, wo ein Klavier vorhanldien ist, eine halbe Stunde jüdische Musik hören kann. Wie oft kommt es vor, daß man auf' jüdischen Abenden alles mögliche zu hören bekommt, nur keinen jüdischen Ton, keine jüdischen Volksklänge. Und im Hause einer jüdischem Familie, wo alle mögliche Musik betrieben wird, würde jüdische Musik gewiß nicht schaden; abgesehen davon, daß auch viele Nich'tjuden begierig sind zu hören, wie jüdische Volksmusik klingt. Anderseits wird auch es bestimmt nicht schaden, wenn zum Beispiel in einem Konzertcafe oder in einem anderen Musiklokale ab und zu auch jüdische Volksklänge ertönen. Ich stelle mir zum Bispidi folgendes Bild von In einem Kaffeehaus spielt die Musikkapelle die neuesten und ältesten Schilager. Juden (und in welchem Kaffeehaus sind keine Juden??), die guter Laune sind, singen sogar im Chor diese „herrlichen, geistreichen" M'usikprodukte mit, ganz vergessend, daß nicht überall und nicht zu jeder Zeit Juden im Konzertlokale sitzen und beim Anhören von Gassenhauern sich vergnügen können. Wenn nun mit einemmal die tieftraurigen Akkorde des bekannten jüdischen Volksliedes A 1 e i B e s ertönen, die himmlisch * „Jüdische Volksklänge" bearbeitet von Josef Grob, für Klavier eingerichtet von Rudolf Brau n. Franz von ßudzynsk i's Verlag, Wien VII., Neubaugasse 5.

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