Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 14 (15.7.1923)
- Date
- 1923-07-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 DIE WAHRHEIT Seite V6 Wahrheiten vom Tage j| Aus dem Irrgärtlein der Dummheit. Zu den schönsten Blüten verhilft uns bei völlig mühelosem Suchen der Hakenkreuz-„Micher. So schreibt in der Ausgabe vom 1. Heuert der weiten Kreisen unbekannte Volker zur Kritik üben einem Aufsatz: „Grundbesitz und Kriegsdienst" von General Krauß vermeintlich belehrend, daß der Jude nie ein Kriegsheld wird, noch werden kann, weil er keinen Bodenbesitz hat. Nur wer im so bevorzugter Stellung ist, wird für die Scholle kämpfen. Aus dieser Behauptung geht Volkers Wunsch hervor, daß möglichst viele Bodenbesitzer werden, was nur auf dem Wege der Bodenreform erreichbar wäre. Behält Volker Recht, dann kann nur der Bauer als Kriegsheld angesprochen werden, und wie ist es mit den anderen Millionen, die als Handwerker, Beamte und sonstige Intellektuelle vier Jahre lang im deutschen Heer dem Weltkrieg getrotzt? Sollen diese alle des Heldentitels verlustig werden? Daß auch Juden, nach dem Zeugnis kommandierender Generäle, sich an der Front tapfer gehalten haben, darf ein Michelschreiber natürlich nicht wissen, noch weniger bekennen. Aber eine andere Frage möchten wir anschneiden. Wenn in der restlosen Bodenverteilung das Heil zu suchen ist, wird Volker die Sowjetrepublik, die sich nach diesem System aufgebaut, als ideales Staatsgebilde ansprechen und glaubt er, daß die ostelbischen Krautjunker ihre riesigen Landgüter anspruchslos mit" Hinz und Kunz teilen werden? „Die Weisen von Zion" — ein Rattenschwanz von Fälschungen. Das Geheimnis, das über den Ursprung des berüchtigten Pamphletes: „Die Weisen von Zion" lag, lüftet sich immer mehr. Es ist bereits allgemein bekannt, daß dieses Buch eine überaus geschickt inszenierte Fälschung ist und von den angeblichen dreißig „Weisen von Zion" ist nichts mehr übrig geblieben, als die öffentliche Blamage ihrer Erfinder. Vor kurzem hat der alldeutsche Hetzer Graf R e v e n 11 o w vor Gericht die Behauptung widerruifen müssen, daiß der jüdische Philosoph Achad Haam einer der Weisen von Zion sei und nun ist auch der phantasievolle Schöpfer der Protokolle selbst, der Hauptmann Müller v o n Hausen, in eine arge Klemme geraten, der in seinem Buche in Wort und Bild das dumme Märchen verbreitete, daß der Fries der Rathenaal-Villa mit den Köpf en gekrönterHäupter geschmückt sei, zum Widerruf vor Gericht gezwungen worden. Er gat> die Eriklärumg a.b, daß alle in seinem Buche „Die Weisen von Zion'' enthaltenen Vorwürfe gegen den Vater Walther Rathenaus unrichtig seien. So bröckelt Stück für Stück der dreisten Fälschung Müller von Hausen's a'b und es erweist sich mehr und mehr, daß die „Protokolle der Weisen von Zion" nur ein einträglicher Geschäftetrick eines raffinierten Betrügers sind. Ukrainische Bauern auf dem Wege nach Palästina. In der Tagespresse wird eine Nachricht aus Kiew verbreitet, derzufolge ukrainische Bauern in dem Glauben, daß jetzt der Gottesstaat gegründet werden solle, massenhaft nach Palästina streben. Sie bewerben sich um Aufnahme in das Judentum, um als Juden den Boden des heiligen Landes zu bestellen. Der Ruf nach dem Diktator. Kein anderer als der edle Reichswartgraf Rewentlow erhebt diesen Ruf und bemüht sich, ihn des Langen und Breiten durch historische und politische und lebenswichtige Argumente zu begründen. Im alten Rom, der „Musterrepublik", war es so, daß, wenn das Vaterland in Gefahr kam, eine Beute der streitenden Parteien und Stände zu werden, man einen Diktator wählte, der ohne irgendwie von irgendwem beschränkt zu werden, mit eiserner Faust Ordnung schuf. Deutschland wurde nach Rewentlows Ansicht nur dadurch in die Knie gezwungen, daß es den Diktatoren Wilson, Lloyd George (?) und Ülemenceau nicht einen deutschen Diktator entgegenstellte. Die deutsche oberste Heeresleitung hat sich nach Rewentlow einer furchtbaren Unterlassung schuldig gemacht, daß sie nicht, als die Sache schief ging, selbst gegen die Monarchen eine Diktatur aufstellte. Aber selbst jetzt, wo der Karren am tiefsten im Sumpf steckt, wäre Volk und Reich noch zu retten, falls sich der richtige Diktator fände und den „vielen schwatzenden Parteien und Gruppen, die selbst nicht wissen, was sie wollen" (auch die völkischen, Die Red.) den Garaus machen wollte. Also heraus mit dem Diktator! Aber die Sache hat ein Nisi. So einfach wie im alten Rom läßt sie sich nicht deichseln. Dort bestellte ein Konsul den Diktator, und fertig! Wer aber soll in Deutschland der Katze die Schelle umbinden? Und sehr fraglich, ob er sich die Pfoten verbrennen wollte, denn seine erste Aufgabe, die ihm Graf Rewentlow stellt, müßte „die Befreiung des deutschen Bodens sein". Ist er das imstande, „dann mag er kommen aus welchen Kreisen er will". Stillschweigend möchte der Herr Graf doch wohl zu verstehen geben, daß nur der Herr von Ludendorff der gelernte und mit Befähigungsnachweis versehene Diktator ist. War es bereits während des Krieges, denn selbst der Talmi-Diktator des sie volo — sie jubeo, wußte sich dem Diktat des wirklichen Oberbefehlshabers fügen. Wenn aber v. Ludendorff schwerem Widerstand begegnet? Danin müßte wohl Stinnes heran? Der sich auf die Diktatur des Kapitals wie kein zweiter Mann in Deutschland versteht. Die Berufung Professor Spiegelbergs an die Universität München. Der Professor an der Universität Heidelberg, der bekannte Aegyptologe Doktor W i 1 h e 1 m Spiegelberg, gegen dessen Berufung die Völkische Finkenschaft der Universität München bei Rektor und Senat P r ot e s t eingelegt hatte und sich dabei auf das Prinzip ües Numerus clausus gegen jüdische Professoren und Dozenten berief (siehe die Zuschritt der „Arbeitsgemeinschaft republikanischer Studenten an den Münchener Hochschulen" in unserer Nr. 12), ist nunmehr definitiv zum ordentlichen Professor der Aegyptologie au der Münchener Universität ernannt worden. Jüdische Hakenkreuzler. Die gibt es nämlich. Es ist das Verdienst des Präsidenten vom Industriellenverband, diese neue Spezies eingeführt zu haben. Mein Gott, man fürchtet auch in der Republik das Gespenst des Bolschewismus und unterstützt die