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Die Wahrheit · 1923-07-15 · Heft 14 (15.7.1923) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 14 (15.7.1923)
Date
1923-07-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. U DIE WAHRHEIT Seite 7 entlallen . . ." Zu Beginn der Besprechung der Urgeschichte des j Li d i s c h e n Volkes, seiner Nomadenwanderung und der Kultur in der Wüste, wo sich „im Kriegsgott Jahwe schon der erzene Wille, der auch dem Furchtbarsten gegenüber Stand hält als Grundeigenschaft der Juden verrät'', wird der Autor einigermaßen verlegen, wie er seine rückhaltslose Bewunderung der Bibel in die passenden Worte kleiden soll; er zitiert Goethes Ausspruch: „Jene große Verehrung, welche der Bibel von vielen Völkern und Geschlechtern der Erde gewidmet worden, verdankt sie ihrem inneren Wert, und fügt naiv von sich hinzu: „Wir dürren sagen, daß uns, unabhängig von Goethe in einer guten Stunde die gleiche Erkenntnis aufgegangen ist, so daß zu verstehen, wie danlSar wir des großen Meisters Worte entgegengenommen haben." Sodann leugnet er die Richtigkeit von Werner Sombarts Behauptung, daß schon in der Wüste sich der jüdische Rationalismus bekundet habe. Er bezeichnet den Sinai als einen Vulkan, Jahwe als Dämon, betont den Glauben der Wüstenwanderer an das Blut als Sitz einer Zauberkraft zum Banne von Krankheit und Plagen alier Art und nennt als Zweck der Beschneidimg, mit strömendem Blut tückische Geister zu besiegen (?). Die beständigen gemeinsamen Gefahren zwangen dazu, daß Eintracht als höchstes Gut galt, daß es keine größere Standesunterschiede geben durfte und die Besitzenden patriarchalischer Geist und Brüderlichkeit erfüllte. In Kanaan wurde schon eine beträchtlich hohe Kultur vorgefunden; später lösen sich bäuerlichproletarische Schichten vom Wirtschaftskörper los und es ist eine Ironie, daß gerade der Begründer einer despotischen Monarchie, David, in der sich die sozialen Gegensätze verscharrten, an der Spitze der Opfer einer Klassenherrschaft sich behauptet hat. Der König ward durch Jahwe überall Sieger; Jerusalem Residenz, in der die Bundeslade aufgestellt wurde und damit Jahwe Reichsgott. Schon entstehen Sekten, Nasiräer und Jahwepropheten, Nebim. Im Deborahlied ist der Beginn einer Geschichtsdarstellung zu sehen (zirka 1300 v. Chr.) die eine Fortsetzung im Buch der Könige, Samuel und Richter findet. Es folgt die sozial Auflösung; der Machtwille der Herrschenden vergreift sich immer kühner an Gut und Glück der unteren Schichten, in der Folge nach Salomo Bauern und Arbeiter in die Tiefe des Elends schleudernd. Die Propheten treten gegen die despotischen Könige und die Aristokratie warnend auf. Das in Gruppen gespaltene Volk sowie der Adel werden Jahwe untreu und Götzendiener, während die niederen Schichten ihn als Messias feiern. Es entstand damals die Erzählung vom verlorenen Paradies . . In solcher Weise geht Mückle den sozialen und politischen Veränderungen an der Hand der historischen Bibelkritik, welche die Zeitenfolge der Entstehung der einzelnen literarischen Dokumente ausgeforscht hat, im einzelnen nach, bespricht die Idyllen der Patriarchensagen des Jalrwisten und Elohisten (50 Jahre vor Arnos), die Geschichte Josefs und Rebekkas und geht auf das Zeitalter der Prophet e n über, indem er die kulturhistorische Bedeutung der Tatsache hervorhebt, daß ein einzelner sich zum Anwalt der Unterdrückten aufwirft, der nach Nietz'sche stets ein schwer leidender Mensch ist. ein Verkünder einer Gottesbotschaft, die auf die Herrschenden wie ein ungeheurer Frevel wirken mußte. Schon Arnos ist so hochgebildet, daß eiserne Eindrücke aufzeichnet, H o s e a hat bereits nicht nur soziale, sondern auch politische Wirren zu bekämpfen. Micha preist das Glück der Frommen: „Kein Opfer verlangt Gott, nur Recht tun, Milde iiben, still wandeln mit deinem Gotte." Hier verfällt M u c k 1 e in den leider unentrinnbaren Fehler folgenden Urteils: „Etwas von christlicher Innerlichkeit klingt an, indem erhabene Menschen versuchen, sich in dem stürmenden Wirbel der Welt dadurch zu behaupten, daß sie sich hinwenden zur göttlichen Macht, die sich ihnen als Genius des Seelenfriedens tröstend naht." Man möchte unwillkürlich iragen, ob das sein mußte. (Fortsetzung folgt.) „Numerus Clausus" eiust und jetzt. Von Josef Lazarus. (Fortsetzung.) Unter den inquisitionsflüchtigen Juden befanden sich die Edlen: Louis de Tor res, Alonso de Calle, RodrigoSanchez, der Schiffsarzt Bemal, der Wundarzt Marco und andere. Der erste, der „Land in Sicht'" ankündigte, war ein jüdischer Matrose. Diesen erhebenden Moment befleckt die Niedrigkeit des Welten-Entdeckers. Columbus steckt die vom König gestiftete „Erste Sicht- Prämie" von 10.000 Maravedis für sich ein. Hierauf kündigt der Matrose den Dienst, angewidert durch die Habsucht seines Admirals und dessen Mangel an Selbstbewußtsein. Der Kommandant des Schiffes „Nina", Vincente Pinzon und ihr Steuermann Hernan Math es Perez, bezeugten zur Ehre der Wahrheit, daß der wachsame jüdische Matrose es war, der zuerst das weltverheißende „Land in Sicht'" verkündete. Der erste, den Columbus ans Land setzte, somit der erste Europäer, dessen Fuß amerikanischen Boden betrat22), war der sprachkundige Jude Louis de Torres. Columbus entsandte ihn mit dem Auftrage, einen Handelsvertrag mit dem König von Indien (Columbus wähnte sich in Indien) und der castilianischen Krone zu schließen. Auf den dort herrschenden Khazik machte das edle Auftreten d e Torres einen so tiefen Eindruck, daß er ihm sofort Ländereien zur Niederlassung schenkte. Die erste europäische Niederlassung in Amerika war somit eine Kolonie von glaubensstarken Juden, die Gottvertrauend samt ihren Familien lieber in Gottes unbekannte Weiten zogen, als den Glauben zu wechseln. De Torres überbrachte dem Columbus Nachricht von den Blätter rauchenden Eingeborenen und vom Namen der Blätter, welchen die Spanier nach ihrer Sprechweise als „Tabacos" weiter meldeten. Was vollzog sich indessen in Portugal? Die Vorarbeiten der jüdischen Astronomen: Abraham Zacuto, Abraham aus Beja und Joseph Z a p a t e r o reiften zu einem' Nävigatioosplaue aus, den auszuführen VascodeGama den königlichen Befehl bekam. Er schiffte sich am 8. Juli 1497 (5 Jahre nach Columbus erster Amerika-Reise) in -"-') Die Einwohner nannten die Insel „Gnanahani", liuribus benannte sie „S. Salvator" bei Cuba, Co-

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