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Die Wahrheit · 1923-07-01 · Heft 13 (1.7.1923) · page 16

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 13 (1.7.1923)
Date
1923-07-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Nr. 1 r.r5fe' Vermischtes An unsere geehrten Leser. Die vorliegende Nummer der „Wahrheit", womit das zweite Halbjahr 1923 eröffnet wird, zeigt sich in geänderter Form und Ausgestaltung. Wir haben den vielfach geäußerten Wünschen und Anregungen unserer Freunde Folge gegeben und entschlossen die Opfer der Mehrkosten auf uns genommen, überzeugt, hierfür das erwartete Entgegenkommen zu finden. Die wirtschaftlichen Verhältnisse und die außerordentlichen Schwierigkeiten des Zeitungsbetriebes stellen uns wieder vor die Notwendigkeit, denselben mit einer bescheidenen Mehreinnahme in Einklang zu bringen, dementsprechend wir die Preise für den Bezug des Blattes und für Anzeigten in demselben erhöhen, wenn auch lange nicht in dem Umfange, wie es bei der Mehrzahl der periodischein Druckschriften der Fall ist. Wir suchen und finden hoffentlich bei dieser unerläßlichen Maßnahme den sicheren Stützpunkt in dem hilfsbereiten Entgegenkommen unserer Freunde, an das wir bisher niemals vergeblich appellierten und dessen würdig zu bleiben wir neuerdings versprechen. Unsere Ehren- und Heldengräber. Vor längerer Zeit erinnere ich mich von einer Wiener Kanzel einen Hinweis darauf gehört zu halben, daß ein Karl G o 1 dl rn a r k, daß ein Dr. Markus Spitzer, weiland1 Präsident der Ghewra Kadischa, daß unser „Heldenfriedhof" noch immer keine Mazzewaus haben. Heute wurde ich auf demZemtrallfriedhof an diese Mahnung erinnert. Autf dem „Heldenfriedihbf", der einen jammervollen Eindruck macht, stehen vereinzelt Holztäfelchen, aoiit denen die Namen bereits unleserlich geworden sind. Sollten sich", wenn' schon die Gemeinde, die Ghewra oder andere berufene Stellen nichts tuni, nicht doch ein; paar pietätvolle Männer finden,, die diese Schmach ans der Welt sdhaffen? Da jetzt die für uns günstigen Vailutaverhältniisse in Deutschland so viele Oesterreicher dorthin locken, sollten doch unsere Baalebattim sich einmal amf der Durchreise selbst in der kleinsten Gemeinidle die 'Pflege der Helden- und Ehrengräber ansehen. Aber, nicht niur in Deuitschlaind'^ in. Italien undi wo immer werden sie beim Besuch der Friedhöfe erkennen, daß wir nodh immer keinen Grund haben, auf unsere Wiener Zustände besonders stolz zu sein, K. Gelegenheit macht — Wohltäter. Nach dem Gedankenstrich ist man gewohnt, ein anderes Objekt zu lesen. Wir weichen auch dieser Gedankenverbindung nicht aus. Die schönste Geleigenheit geht ungenützt vorüber, wenn es nicht Diebe sind, die sie geschickt!beim Schöpfe fassen. Nämlich Herzensdiebe, die Herz und Hand anderer zu öffnen verstehen, indem sie selbst mit dem guten Beispiel vorangehen. Und dann trägt die Gelegenheit doppelt Früchte. Main wird selbst zum Wohltäter und macht andere dazu. Und wo findet man eine solche Gelegenheit? Ueberau, wenn man das Herz dazu hat. Wenn man von der sittlichen Pflicht durchdrungen ist, für seinen Teil zur Linderung des namenlosen Elends der zahllosen Stiefkinder des Glücks beizutragen. Wer auif dieses Meer der Tränen Verzweifelter jemals einen Blick getan, findet auch den Mut, an andere heranzutreten, und verlernt die Empfindlichkeit, wenn er einmal anstatt auf ein Menschenherz, auf Stein stößt. Wo Menschen bei Speis und Trank sich, gütlich tun, wo das Auge aus Freude über ein, gutes Geschäft freundlich blickt, wo einem ein Glück in den Schoß gefallen oder man sich von drohendem Unglück bewahrt fühlt, überall dort steht die Gelegenheit und winkt uns verlockend: „Packe mich!" Und in diesem frischen Zugreifen liegt ein Stück Gottesdienst. Hier zeigt sich ein grundsätzlicher Unterschied zwischen Judentum und Heiidentum. Heidnisch ist es, dem Menschen zu nehmen, um es Gott zu geben. Das, was andere ihrem Gatte geben, dem darbenden Menschen zu reichen, das Weißt der Jude, seinem Gotte opfern. Diese Bemerkungen knüpfen wir an ein erfreuliches Beispiel geschickter Ausnutzung einer solchen Gelegenheit. In einer Versammlung von Be- •rufsgenossen 'UTiteriKflimen dieser Tage1 zwei, Mitglieder der „Wohlfahrt", die Herren Robert S a- ■b o r s k y und Siegmund Korn m e h 1 eirie Sammlung, die das schöne Resultat von 5 Millionen ergab. Wir führen diese Namen an, auf die Gefahr hin, daß nunmehr über diese Genannten ein Schwärm von Bienen herfallen wdirdi, die jede für irgend einen wohltätigen Zweck in Banknoten symbolisierten Honig sammelt. Aber aucihi hier zeigt sich in der Beschränkung .der Meister, im der Konizentriiefrung auf ein Spezialgebiet der in ch'airitativer Arbeit erfahrene Praktiker: „Sehe jeder, wo er bleibe!" Gilt dies auch nicht für den Armen, so im vollem Mäße für den, der ihm wirksam helfen will. Die „Wohlfahrt", Seite n s t ä 11 e n g a is s e 2, unterstützt n o t- 1 e i d e n d e W o h 1 f a h r t s a n s t a 11 e n, sowie in beso nd e r e n F ä 11 e n e i n z e 1 ne H i If sbedü r f t ige. Woche für Woche hat sie Millionen auszugeben. Jetzt, nahezu ausschließlich auf den Wiener Boden angewiesen, bedarf sie dringend der aufopfernden Bemühung aller ihrer Mitglieder. Mögen diese, Mann für Mann, dem Vorbilde der beiden Genannten folgen! R. Ordnung im Haushalt der isr. Kultusgemeinde. Mit lebhafter Befriedigung darf es auf Grund der öffentlichen Plenarsitzung vom 20. v. M. verzeichnet werden, daß die bisherige trostlose unberechenbare Geldwirtschaft im Budget der Wiener Kultusgemeinde als überwunden zu betrachten ist. Diese nicht genug hochzuschätzende Errungenschaft dankt man wohl in erster Linie dem verständnisvoll einträchtigen Zusammenwirken der früher gegensätzlich arbeitenden Parteien im Vorstand, der Erkenntnis, daß dem Gegenwartsbedürfnis der starre Justamentstandpunkt hintangesetzt werden müsse. Für das Gedenket in Leid und Freud des israelitischen Taubstummeninstituts in Wien III., Juchgasse 22. WW«WWWW«WMWWWWWW^^

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