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Die Wahrheit · 1923-07-01 · Heft 13 (1.7.1923) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 13 (1.7.1923)
Date
1923-07-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 1B an eine Auswahl und wissenschaftliche Ordnung dieses Stoffes mit großer Gründlichkeit und Sorgfalt, nach einer bestimmten Richtlinie mit Haupt- und Untereinteiluingen», nach Themen und! Zeitabschnitten arbeitet. Nach den Grundprinzipien, die sich der Bearbeiter für sein Werk gemacht hat, dürfte das Buch geradezu epochemachend sein. Es wird in erster Reihe ein volkstümliches Buch sein. Doch wird es auch Rabbinern, Gelehrten, Geschichtsschreibern und Erforschern jüdischer Volkskunde ein ausgezeichnetes Handbuch sein. Es soll noch bemerkt werden, daß Bloch zu seinem auf 10 Bänden berechneten Werke eine größere wissenschaftliche Einleitung verfaßt, in welcher er ausführlich auf die Entstehung und Entwicklung des rabbinischen Frage- und Antworte wesens eingeht. Der in drei Teile zerfallende Ergänzungsband wird enthalten: Kurze biographische, bibliographische Anmerkungen bezüglich aller in dem Hauptwerke vorkommenden Namen, verschiedene kurze Entscheidungen, Verbote, Anordnungen und Sitten etc., die wenig bekannt sind, sowie kleine geschichtliche Anmerkungen. Bloch, der dieses Werk zu seiner Lebensarbeit macht, beabsichtigt, dem Werke ein mehrgliedriges Register nach Gegenständen. Abschnitten, Namen und Ortschaften sowie ein Verzeichnis aller bisher erschienenen Responsenbücher beizugeben, die wir auch für ein so großangelegtes Werk für erforderlich halten. M. Spanier: Psalmen, Eine Einführung. Berlin (C. A. Sohwetschke und Sohn) 1922. Man kann es vielleicht bedauern, daß es überhaupt notwendig ist, eine Einführung in die Psalmen zu schreiben. Sie sollten ja jedem jüdischen Menschen so vertraut sein, daß Tehillim sagen und verstehen einen wesentlichen Bestandteil seines Seins ausmachen müßte. Aber dem ist nun leider einmal nicht so, und man weiß in den Kreisen der Gebildeten besser in Tagore Bescheid als in unseren heiligen Schriften. So ist das Buch von Spanier eine Notwendigkeit; wie herrlich versteht es der Verfasser, die Psalmen, die er sich ausgewählt hat, dem Leser näher zu bringen. Gewiß war es schwer, unter der Fülle der Hymnen überhaupt einige herauszuheben, denn ist nicht jede einzelne von unvergleichlicher Schönheit? Doch hat der Verfasser recht daran getan, daß er nur einige in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt hat, denn gerade in dieser kurzen ansprechenden1 Form hat das Büchlein Aussicht, von recht vielen gelesen zu werden. Eine stille Stunde muß man sich aussuchen und sich ganz in die gewaltigen Bilder hineinleben, die von zeitloser Schönheit sind, so dtaß sie heute noch auf uns sio wirken, wie sie auf die Menschen gewirkt haben mögen, die sie zum ersten Male vor Jahrtausenden hörten. Immer wieder steht man voll Ehrfurcht vor dem königlichen Sänger, dem der Verfasser ein beredter und begeisteter Deuter wird. Lädt nicht unsere Zeit mit ihrem Jagen und Hasten gerade besonders zur Selbstbesinnung ein, zur Pflege der Persönlichkeit und des inneren Erlebens? Und woran könnte der Mensch sich besser emporranken, als an den Psalmen? Möchte darum dies Buch so wirken, wie es beabsichtigt ist, als ein Führer zu den Tehillim, Pr. Willy Cohn, Breslau, Up ton Sinclair, „Der Sündenlohn". Eine Studie über den Journalismus. Eingeleitet und übersetzt von Professor Dr. J. Singer, gewesener Herausgeber der Wiener Tageszeitung „Die Zeit". Neuer Geist -Verlag, Leipzig. Das neue Werk Upton Sinclairs ist eine vernichtende Streitschrift gegen den amerikanischen Journalismus und deshalb interessiert „Der Sündenlohn" uns. Nicht nur den Journalisten — den wohl auch — sondern vor allem den Juden in uns. Denn angeblich erhebt sich die, im „Solde der Juden" befindliche Presse bedrohlich gegen die staatliche Wohlfahrt. Von diesem falschen Standpunkt ausgehend, schiebenl in gehässiger Weise einfältige Hanswurste die Schuld an dieser Gefahr den Juden in die Schuhe. Der Typ der modernen Presse, an der übrigens auch eine Menge fguter „Arier" beteiligt sind, kam uns nun herüber aus Amerika. Wir haben nie gehört, daß man drüben die Juden dafür verantwortlich macht; Upton Sinclair nennt in seiner Schrift an verschiedenen Stelleu lauter gut arische Namen mit den haarsträubendsten Presseschweinereien zusammen. Wohl aber steht die Entwicklung der Presse so zwingend logisch innerhalb der ganzen Entwicklung der Kultur, daß sie in keiner Weise aus ihr weggedacht werden kann. Und hat Europa, besonders die deutschen Länder, auf diesem „jüdischen" Gebiete eine Spezialität, so höchstens diese, daß sein „verjudeter" Journalismus wesentlich anständiger ist, als der Amerikas. Und an dieser Behauptung halten wir fest, trotzdem der Herausgeber, Professor Dr. J. Singer, in seiner Einleitung sagt, „daß es in den ihm von einer mehr als halbjährigen Studienreise gut bekannten Vereinigten Staaten mit der Presse wie mit allen öffentlichen Einrichtungen wenn nicht besser, so doch keinesfalls schlimmer bestellt ist, als in unserem Erdteil". Wie wir in Preßsachen vorn Standpunkt des deutschen Juden Gerechtigkeit fordern, so fordern wir sie auch vom Standpunkt des deutschen, also europäischen Journalisten. Dieser Standpunkt ist unseres Erachtens ein richtiger, denn gerade an jener Stelle seines Buches, wo er von seinem Aufenthalt in Holland und den holländischen Zeitungen spricht, beweist Upton Sinclair in eigener Person, daß die europäischen Zeitungen zum großen Teil anständig sind. Diese Stelle lautet: „Die holländischen Zeitungen behandelten mich als Schriftsteller, was für mich1 eine gänzlich neue Sache war. Man sandte mir Leute von Bildung und Verständnis, um mich über meine Anschauungen zu befragen, und diese wurden korrekt und in würdiger Form veröffentlicht. Als ich meine Scheidungsklage einbrachte, erschien nichts in den Blättern. Als die Scheidung ausgesprochen war, brachten sie darüber drei oder vier Zeilen in den den Gerichtsverhandlungen dienenden Söalten, und zwar eine bloße Wiedergabe der Namen und Tatsachen, wie es das Gesetz erforderte. Und selbst als ich es unternahm, meine Wohnung mittels Zyankalis von Flöhen zu befreien, erwähnten sie es nicht des langen und des breiten auf der ersten Seite ihrer Zeitungen, um daraus eine Unterhaltungsgeschichte für die hohlköpfige Menge zu machen." O. H. In Gott bleibt das Abbild, die Erinnerung, die Wirkung und die Liebe; dies ist die einzige Unsterblichkeit, (Rathenau.)

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