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Die Wahrheit · 1923-07-01 · Heft 13 (1.7.1923) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 13 (1.7.1923)
Date
1923-07-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 13________________ HIE WA zu erwarten, daß auf dem Studenten tag antisemitische Tendenzen in den Beratungen1 eine wesentliche Rolle spielen würden. In dieser Zeit, wenige Wochen nach der insbesondere auf antisemitische Treibereien: zurückzuführenden Ermordung des Ministers Rathen au, bedeutete eine Stud'ententagung mit einem derartigen Verhaindilungsgegenstand eine schwere Q e f ä h r d u n g de r öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnun g." Dr. Blumauer als praktischer Antisemit. Im wunderschönen Monat Mai dieses Jahres wurde Dr. Blumauer in seiner Eigenschaft als Direktor der Wiener Universitätsikanzlei „gespritzt", nachdem ihm nachgewiesen wurde, daß er in der vom Geschäftsmann Herrn Ludwig G e r s 11 für die Studentenschaft eingeleiteten „Stoiffaktion" nach des Herzens Gelüste, die den Herrn Direktor zur Hakenkreuzlerei zogen, vongegangen sei. Abgeordneter Leuthner hatte in öffentlicher Nationalratssitzung behauptet, daß Direktor Blumauer, wenn es sich um jüdische Studenten handelte, -nicht ganz koscher war. Prorektor Dr. Riedl, der auf moralische Reinlichkeit hält, legte deim Herrn Direktor das Handwerk, oder sollen wir sagen das Gewerbe? Genug an diem, Dr. Blumiauer 'braucht ein anderes Geschäft, und da verfiel er auif den. grotesken Gedanken, sich der Wiener Effektenbörse als Sensal anzubieten. Gewiß nicht ohne schwere Ueiberiwindunig. Denn die Börsenklientel besteht wahrlich nicht aus Häkenkreuzlern. Oder will dier ehemalige Universitätsdirektor zeigen, daß er auch anders kann? Seihe Bestellung ist ja kein Ding der Unmöglichkeit. Der geprüfte Antisemit hat ja den Namen Blum au er zur Empfehlung. Aus dem Irrgärtlein der Dummheit. Die deutschnationalen Rassenschnüffler lassen nicht locker und verfolgen die Blutreinheit aller, die nicht auf das Programm der Dühringe, Fritsche schwören oder sich niemals einer judenfeindlichen Aeußerung schuldig gemacht, bis in die dritte und vierte Generation zurück nach semitischem Einschlag. Anderseits wollen sie den Stifter der christlichen Religion selbst als Arier reklamieren. Daß der „große Heide" Goethe diesen Herren als Judenstämmling gilt, wofür sein Habitus und seine erotischen Neigungen beweiskräftig sein sollen, wurde bereits des öfteren gesagt. Neuestens soll auch Schiller vor dem unerbittlichen Urteil der Blut- und Schädelpriifung nicht als kerndeutsch und kerngermanisch bestehen können, desgleichen Richard Wagner, der Bekämpier des Judentums in der Musik und außerhalb derselben, obgleich er der Juden als Mitarbeiter an seinen Bayreuther Festspielen und für lärmende Geschäftsreklame nicht entraten wollte. Auch die Edelsten der Nationen bis hinauf zu gekrönten Häuptern können die Feuer- und Ahnenprobe auf arische Reinheit nicht bestehen, wenn man dem strengvölkischen Verfasser -des Semi-Gotha glauben will. Viele Nachkommen des hohen und höchsten Schwertadels 1RHEIT _______ _______ .?e.lte 1B haben sich jüdisch versippt. Das geschah durch Einheirat in den jüdischen Goldadel. Außer dieser, wir möchten sagen, legalen Verschmutzung mag es auch manche illegale gegeben haben. Vielleicht auch in den Kreisen solcher, die jetzt ihr Volk auf Herz, Nieren, Antlitz und Schädel prüfen. Es ist heute noch brennendster Schmerz aller Hakenkreuzler, daß dokumentarisch nachgewiesen wurde, ihr Pfadfinder und Schöpfer des deutschen Nationalismus, weiland Georg von Schönerer habe seinen Kindern das Blut eines gewissen Schmul Leb Kohn vererbt. Von diesem Ritter Georg meinte sein erbitterter Geschäftsfeind, Bannerherr der Wiener Chnstlichsozialen Ernst Vergani, Ehrenbürger von Mühldorf und sonstiger dunkler Ehrenmann: „Der Schönerer schaut aus wie ein Kaibljud". Man sieht, es ist eine verteufelt heikle Sache mit der Rassenforschung. Ihre Gewerbetreibenden täten wohi daran, die Forderung des Kaiser Napoleon zu beherzigen: „Die Forschung nach der Vaterschaf! ist verboten/ Uebrigens war bereits einige tausend Jahre vorher der griechische Lustspieldichter Aristophanes ähnlicher Meinung, wenn er schrieb: Meine Mutter, die sagt, er wäre mein Vater, doch weiß ich es nicht. Von selbst weiß niemand, wer ihn gezeuget.. Aus dem deutschnationalen Musenstall. In Nr. 12 des „Deutschen V o 1 k s w i 11 e n s" in Nürnberg fordert ein „poetischer" Erguß zu Judenpogromen auf: Der Jud im Land! Der Jude im Lande! Ein brennendes Wort; Unser herrliches Deutschland den Juden ein Hort! Beschimpft und bespien von diesem Geschmeiß, Verloren die Ehr' auf dieser Hunde Geheiß. Verraten das Blut, das für uns gestritten, Verlottert durch diese Verführer die Sitten. Verhungernd fleh'n Kinder ums tägliche Brot; Wer bracht' uns in diese so gräßliche Not? Der Jude! Der Jude! Es gelle das Wort So lange in Aller Ohren fort, Bis alle Herzen entbrennen in Wut, Bis alle fühlen den H a ß im Blut, Bis unter gerechten Zornes Streichen Muß dieser Auswurf der Hölle weichen! — Wann, o mein Vaterland, kommt uns das Heil Von Rutenbündel und Rächerheil?! Dieses offene Bekenntnis zum Fascismus und Judenmord genießt den „Schutz des Gesetzes". Ein Vorläufer der Hakenkreuzler. Um die Osterzeit 1912 erschien in Deutschland ein Buch „Wenn ich der Kaiser war". Es machte Aufsehen und hatte anfangs 1914, vor dem Weltkriege, schon die fünfte Auflage, denn es wirkte in der Tat sensationell. „Wenn ich der Kaiser wär", was täte ich? Die Verfassung ändern; geht's nicht anders, durch Staatsstreich. Hoch die-„Nationale Diktatur!" Diese bedingt natürlich ein Fremdenrecht für die Juden. Soweit sie das Bürgerrecht in Deutschland noch nicht erlangt haben, werden sie ausgewiesen, rücksichtslos bis auf den letzten Mann. Soweit sie landsässige JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu, Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien IL, Glockengasse 24 Wien IL, Taborsiraße 44

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