Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 13 (1.7.1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 Mitteilungen aus dem Zentralvorstand. Zur Optionsfrage. Die „Union deutsidhösterrelichiseher Juden" ersucht alle jene Optionsweriber, deren Gesuche abgewiesen wurden, währendl dem einen oder dem andern Mitglied ihrer Familie die Staatsbürgerschaft verliehen wurde, sich in« ihrem Büro IX., Berggasise 4, zur Entgegennahme wichtiger Mitteilungen zu melden. g Wahrheiten vom Tage Aus unseren Mitgliedschaften. Propagandasektion. Auf Anregung des Herrn, Moritz Neuman n hat eine große Anzahl von Kauifleuten, zumeist aus der Inneren Stadt, ihren Beitritt zur „Union deutschösterreicfiiischer Juden" vollzogen und den Beschluß gefaßt, eine besondere Ortsgruppe unter dem Namen: „Propagandäsektion" zu bilden. Am 22. Juni fand die g r ü n d e n d e V e rsammlung dieser neuen Ortsgruppe in Gilly's Saallokalitäten statt. Dieselbe wurde vom Präsidenten der „Union" Dr. Jakob O r n s t e i n mit herzlichen Begrüßungsworten eröffnet, worauf Herr N e u m a n n die Aufgäben der „Union" und die Zwecke der neuen „Propagandasektion" entwickelte. Sekretär Fleischer sprach den Herren Neumann, Dr. Edimund Korn und Donath für die rege Werbetätigkeit den herzlichsten Dank auis und ersuchte die Anwesenden^ dem Namen der Sektion Ehre zu machen und eine eifrige Propaganda unter der Wiener Kaufmannschaft zu entfalten. Bei' der hierauf vorgenommenen Wahl des Ausschusses wurden gewählt: Zum Obmann Herr Moritz Neumann, zum Obmann-Stellvertreter Herr Rechtsanwalt Dr. Edmund Korn, zum Kassier Herr Julius Brückner, zum Schriftführer Herr Oskar Donath und zu Beisitzern die Herren Richard D on a t h, Josef K1 i n g e r, Franz Pick, Ignatz Korm a n n und Sigmund1 Perlraa n n. Präsident Dr. Ornstein schloß die Versammlung mit Worten herzlichsten Dankes und mit der Aufforderung an alle Anwesenden, unermüdlich auch weiterhin für die Durchtführung der Aufgaben der „Union" tätig zu sein1. Der Judenhaß wächst! Nur fester Zusammenschluß und Opferwüligkeit zu gern einsamer Abwehr können dagegen helfen! Tretet der „Union deutsch-österreichischer Juden", Eurer bewährten Schutzorganisation, bei! Stärket unseren Preßfonds! Abonniert unser Organ „Die Wahrheit"! Tue Jeder seine Pflicht! Sühne. In dem Erinnerungsheft für Walther Rathenaii schließt dessen RegierumgskoUege D r. W i r t h seinen Aufsatz im „Tagelbuch" mit den Worten: „Es ist, als ob sich ein Schatten ülber Deutschland herabsenken würde." Unseres Erachtens ist es mehr, ist es bereits finstere Nacht mit allen Schrecken und Gefahren .einer solchen. Am 24. Juni 1922 fiel Walth'er Rathenaii unter den Schüssen gedungener Morderbuiben. Ein Jahr später hat das Reich die Ermordung seines führenden, Mannes furchtbar gesühnt. Fragt man heute nach der Schuld des besten Deutschen, der sich seinem Vaterlande geopfert, so hat man eine doppelte Antwort: „Er war vorher Aufbauminister", und das konnten jene nicht verzeihen, die an der Zerstörung Deutschlands ein Kriegsindustrieinteresse hatten, und er war zudem Jude, der Erfüllungisipolitik trieb, andern Grundsatz festhielt: ein Mann ein Wort; ein Volk ein Wort. Mit Walther Rathenau mußte Vernunft, Treu und Glauben in der Politik von der Bildfläche verschwinden, aber auch der einzige Hoffnungsschimmer auf Wandel zum Bessern. Ein Jahr nach dem Morde an Walther Rathenau liegt tiefste Schmach über Laind und Volk, seine Wirtschaft, jia seine Ldbensmögliehkeit sind zerschmettert. Hatte Frankreich seinen Besiegten vorher mit Ruten geschlagen, so sieh't er sich jetzt mit Skorpionen gezüchtigt. Die arischgermanische Staatsraison triumphiert ülber Juda und der arisch-germanische Stinnes treibt erwie-" senermäßen Valutaschieberei, um die Mark ihres letzten Wertes zu berauben, das Volk unter die grausamste Hungenpeitsche zu bringen. Ist es ein Trost, im Leiden Genossen zu, haben, so mögem sich die Ludendorff-Deutschen mit der Tatsache trösten, daß die Pogrompolakei, die ihren „Judenmiilnister" Narut o w i c z meuchelte, auch vor dem politischen, und wirtschaftlichen Zusammenbruch steht und der christliche Kurs der Erwachenden Ungarn dem Chaos zutreibt. Wieder einmal sehen wir an der unheiligen Allianz des Judenhasses, wie die Weltgeschichte zum Weltgericht wird. Gegen den Hochschuiantisemitismusin Deutschland. Das im Juli vorigen Jahres erlassene Verbot der nach Marburg einberufenen Tagung der antisemitischen Studentenvenbände beschäftigte die letzte Sitzung des preußischen Landtages. Wie der amtliche preußische Pressedienst mitteilt, 'beantwortete der Minister des Innern Severing eine diesbezüglich Anifriage der Deutschn'atiönalen unter anderem wie folgt: „Der für Ende Juli 1922 in Marburg geplante Studententag sollte den, Bestrebungen folgen, die darauf ausgehen, die j ü d.i s c h e n S t u d i e - r e v d e n von den Studentenvertretungen, an dien deutschösterreichischen und s u d et e ndeutschen Hochschulen auszuschließen, und die auch hinsichtlich der Zulassung von aus- Landsdeutschen Studierenden zu den reichsdeutsohen Einzelstudentenschaft den Grundsatz vertraten, daß auch hier das deutsch arische Prinzip zur Anwendung gdmgen sollte. Bei dieser Sachlage war