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Die Wahrheit · 1923-07-01 · Heft 13 (1.7.1923) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 13 (1.7.1923)
Date
1923-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. DIE WAHRHEIT Seite 1 nicht ab-, sondern zugenommen hat, kann gewiß nacht als Zeichen des Verfalleis gedeutet wenden. Es spricht sich darin ein Wille zum Judentum in den Kreisen aus, denen zur intransigenten Orthodoxie ebenso die innere Beziehung fehlt, wie ästhetisches Behagen an den urwüchsigen Gebetsformen des Ostens. Und darum ist hier Hilleis Milde eher am Platze als Schammais unduldsame Strenge. Eine Möglichkeit, jüdisches Wissen und Leben, wenn auch in noch so bescheidenem Ausmaß, zu fördern, stellt die Konfirmation unleugbar dar. Sie zu vernichten, hieße, statt Unkrautes eine Nutzpflanze jäten. Soll aber diese Feier bestehen bleiben, dann muß sie so wirksam als möglich ausgestaltet werden. Sie verkümmern zu lassen, und sie so auf einem Umwege aus der Welt zu schaffen ist nicht nur unehrlich, sondern volkspädagogisch höchst bedenklich. Und darum zurück zu Mannheimer und den guten Traditionen der Wiener Kultusgemeinde! Unbesonnene Originalitätssucht mag sich austoben, wo immer. Aber Hand weg! von dem heiligen Gebiete der Jugendbildung! Hier, ihr Herren Religionslehrer, ist euer Posten! Zeiget, daß ihr wahre Jugendfreunde, zeiget, daß ihr Männer seid! Glosse zu: Das rituelle Schächten. Von Armin Wilkowitsch, Eger. Im Traktate Taanit (23) finden wir eine Legende über Rabbi Chani, der gleich dem deutschen Dornröschen jahrzehntelang im tiefen Schlummer in einer Höhle gelegen war. Als er wieder erwachte und unter die Menschen kam, vernahm er einen Gelehrtenstreit über eine These, die er selbst einst aufgestellt hatte: „Seid einig, Ihr mangelnde Kraft, Konzessionen zu machen. Und das ist so richtig, wie kaum je etwas gesagt ist. Hervorgehoben sei auch, was er von dem Wert der Form sagt, in der Tat, man hat jahrzehntelainig fälschlich geglaubt, siie sei ein ganz Gleichgültiges, und es ist erfreulich, wie die Erkenntnis wieder erwacht, daß sie nicht gleichgültig ist, und daß Form und Seele in unförmlicher Ehe vermählt sind. Wenn Emil Cohn nur eine Antwort wüßte auf die Frage: Wie erweckt man Gläubigkeit und Wille zur Form? Gewiß, Gläubigkeit ilsit die Voraussetzung aller wahrhaften Religiosität, und ihr Fehlen ist das eigentliche Manko unseres Judentums, aber weinn sie doch nicht da ist, wie kommt man zu ihr? Der Christ könnte leicht antworten, das ist Gnade Gottes, so können wir nicht antworten. Und doch muß eine Antwort gegeben werden. Wohl steht in dem Buche ein ganzes Kapitel, das wider den zeugen soll, der da sagt: ich kann nicht, aber man geht von ihm hinweg mit dem Gefühl, das ist Wort und nur Wort; und bleibt hungrig und voll Erwartung, wie soll man Gläubigkeit und Wille zur Form erwecken? Und doch, trotz mancher Ausstellung und vielem Widerspruch, jeder sollte das Buch lesen, vielen wird es die Augen öffnen unid das Herz anrühren und aufrühren; denn es ist geschrieben mit Leidenschaft und Glut, unid der Leidenschaft und Herzemsghit verzeiht man gerne, wenn sie, um sich selbst zu formen, im Worte, sich berauscht. frommen Leute!" sprach er begütigend, „ich will Euch den sichersten Aufschluß geben, denn ich bin . . . -. .", er nannte seinen Namen. Sie aber lachten zu seinen Worten, schalten ihn einen Narren und hießen ihn, sich von dannen zu trollen, denn jener Weise sei längst zu seinen Vätern eingegangen. In ähnlicher Weise erfahren wir die Behandlung der modernen Humanisten und der barmherzigen Tierfreunde. Sie, deren Patent kaum ein halbes Säkulum alt ist, sie wollen dem Schächtgesetz, das vor Jahrtausenden bereits unseren Vorvätern hehr und heilig war, den Hals brechen! Es wäre unrecht, wenn wir die Veterinären Vorschriften der Neuzeit persiflierten, allein uns brachten sie nichts Neues, vielmehr sind sie auf der Grundlage jüdischen Schrifttums errichtet. Doch glaubt, ihre moralische Entrüstung über das jüdische Schächten wird mehr Pathos denn Ueberzeugung sein! Es gilt wieder einmal, den Juden eins am Zeug zu flicken! Wieso ich das behaupten darf? Mit Recht! Wer ein großstädtisches Schlachthaus während der Werkstunden zu betreten Gelegenheit findet, wird oft mit Entsetzen die Etehandlung des Schlachtviehs seitens der Treiber und Metzgergehilfen wahrnehmen. Die Tiere werden oft mutwillig geschlagen und gepeinigt, daß oft und oft gesittete und besonnene Leute mit ihrem diesbezüglichen Tadel nicht zurückhalten können. Den Juden ist bekanntlich das Genießen des Fleisches eines unvorschriftsmäßig geschlachteten Tieres strengstens untersagt, z. B., wenn auf des fein geschliffenen Messers Schneide eine atomwinzige Scharte nach der Schlachtung vorgefunden wurde (die Untersuchung des gebrauchten Messers ist strengste Vorschrift), ist das Platzgreifen einer Tierquälerei anzunehmen und wird „trefe" gesprochen. Jene Elemente jedoch, die das Beil gegen die Stirn führen und beim Mißlingen des Schlages zwei-, drei- und mehrmal ihre furchtbare Exekution ohne Bedenken repetieren (beim Töten von Schweinen ist diese Praxis fast ständig), bezeichnen aus eingefleischtem Judenhaß das rituelle Schächten als Quälerei. tm.,'tl: Der alte Schächter von Eger, Herr Adolf Lederer seligen Angedenkens, erzählte mir oft, was er in der Epoche des Schönerer-Rummeis zu erdulden hatte. „Haut's den Juden nieder!" tobten die rohen Gesellen, wenn er auf den Schlachthof kam. „Die Juden müssen allerweil kwas Extras hab'n!" Ja, das „Extras" ist oft das rote Tuch für die Judenfeinde. Eine wichtige Säule des Antisemitismus, Haman, verleumdete schon im grauen Altertum die Juden mit dem Ausspruch: „Wedosehem schonos!" Es entspricht ganz dem „Extras1'. Diese Anwürfe machen Schule, sie sind äußerst variationsfähig. Daß unser Schächtgesetz, die Quintessenz menschlicher Tierfreundlichkeit, eine Tierquälerei bedeuten soll, ist mit dem deutschen Spruch zu beantworten: Die Menschen hassen, was sie nicht fassen! „Numerus Clausus" einst und jetzt. Von Josef Lazarus. (Fortsetzung) Columbus, Sohn dlnes armen Webers, in Genua geboren, landet 1472 als armer Mann in Lissa-

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