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Die Wahrheit · 1923-06-15 · Heft 12 (15.6.1923) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 12 (15.6.1923)
Date
1923-06-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 12 Die Wahrheit Seile 13 Titel „Mein Beweismaterial liegen Jahwe" und dann 1916 unter dem Titel „Der falsche Gott, Beweismaterial gegen Jahwe" herausgegeben hat. „Dieses Pamphlet niedrigster Art", jo wird das' Buch in den „Stimmen der Zeit" (1920) charakterisiert, „hat an Gemeinheit, Unwissenschaftlichkeit und Verdrehung wohl alles geleistet, was aus diesem Gebiete erreichbar ist." Der protestantische Leipziger Theologieprofessor R. ^Kittel hat in seinem Obergutachten, das er für den durch dieses Buch veranlaßten Gotteslästerungsprozeß abgegeben hat, folgendes Urteil gefällt: „Fritsch gehen die elementarsten Grundlagen wissenschaftlicher Einsicht und wissenschaftlichen Denkens, mindestens die volle wissenschaftliche Zurechnungsfähigkeit ab." Trotzki. In New-Iork erschien vor kurzem eine Eharakterstudie über Lew (Leo) Trotzki, dem russischen Machthaber, die manches Neue und Interessante enthält. Trotzki mit seinem ursprünglichen Namen Bronstein ist nicht, wie eine Legende verbreitet hat, Rabbinerssohn, sein Vater ist ein reicher Jude, in Südrußland begütert. Leo genoß Gymnasialbildung, ließ sich in revolutionäre Ge'heimbündeler ein und wurdä nach Sibirien,verschickt. Er flüchtete von dort unter Benützung eines aus den Namen Trotzki lautenden falschen Passes. Nach Rußland kehrte Trotzki, der sich mittlerweile in Deutschland, Oesterreich und Amerika Herumgetrieben hatte, erst zurück, als der große Augenblick des Umsturzes gekommen war. Der 'Verfasser des Buches, ein jüdischer Sozialist, charakterisiert Trotzki scharf und klar: Sein intensiver Wille zur Macht" entfaltete, eine ungeheure Aktivität. Das Streben, überall der erste zu sein, war der Grundzug seines Wesens. Die Revolution und sein aktives „Ich" flössen für ihn zusammen, alles, j was außerhalb der Revolution war, war auch außerhalb i seines „Ich" und deshalb interessierte es ihn nicht und j existierte nicht für ihn/. Die Arbeiter interessierten ihn! nur als notwendige Objekte seiner Aktivität und seiner revolutionären Tätigkeit; die Gesinnungsgenossen lediglich als Mittel, durch deren Mitwirkung seine Bestrebungen verwirklicht werden konnten. Er liebte eifrig die Arbeiter und verehrte fanatisch die Freunde, da er in ihnen sich selbst liebte und verehrte. Sein Leben war stürmisch und vielseitig; zuerst war er ein/Gegner Marxens, dann wurde er sein Verehrer, wurde sozialistischer Publizist mit polemischpamphletistischem Temperament; er wurde mehrere Male verhaftet und nach Sibirien ausgewiesen; er wunderte durch ganz Mitteleuropa und Amerika — um endlich, da die Zeit reis war, der Diktator der „sozialen" Revolution im großen Slawenreich zu werden, mit dem brennenden Willen, die rote Fackel der proletarischen Weltordnung über dem ganzen Kontinent anzuzünden. Die antisemitische Presse krönt ihn jetzt als den „jüdischen König", der im Kontakt mit dem allweltlichen „Kahal" nach der Welteroberung strebt; (eigentlich wäre er auch sehr geeignet als Verfasser der Schrift „Die Weisen von Zion" angesehen zu werden, viel geeigneter als der stille und bescheidene Achad-Haam! Aber solche gute Einfälle haben die Antisemiten noch nicht!) Für viele ist er heute der große Führer, für manche der Verleumder und Profanisierer der Idee des Sozialismus, der sie mit Blut und Schmutz befleckt hat, — vom Judentum aber hat er sich emanzipiert; er will — wie er selbst sagt — mit diesem „Völklein" nichts gemeinsam haben... Rathenauhetze. Der Leipziger Staatsgerichtshof hat den antisemitischen Schriftsteller Dr. Artur Hoffmann-Kutschke aus Halle (neuestens Mitarbeiter des Grazer „Michel") ans Grund des Ge- - setzes zum Schutze der Republik wegen „Beschimpfung Rathenaus und der Reichsfarben", begangen durch die Verbreitung seiner Broschüre „D e r D o l ch st o ß durch das Judentum", zu neun Monaten Gefängnis und 100.000 Mark Geldstrafe verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt es: „Es ist als erwiesen anzusehen, daß der Angeklagte alle die Vorwürfe, die er dem Judentum im allgemeinen macht, auch dem Minister Rathenau machte und diesem vorwirft, daß er die Kriegsrohstoffstelle nur deshalb organisiert habe, um Pas deutsche Volk zu ruinieren und die Juden zur Herrschaft zu bringen." Was die völkische Seele Hoffmanns bei dieser Gelegenheit zum Kochen gebracht hat, war nicht etwa die beschämende Tatsache, daß Hoffmann auf die Frage des ehemaligen Ministers H eine, eines Beisitzers im Staatsgerichtshof, sich nicht im einzelnen über die „Sünden" Rathenaus verbreiten konnte, auch nicht der Vorwurf vom Richtertisch, daß Hofmann ans „Quellen übe l st e r Verleumdung" geschöpft habe, sich aber nicht auf historische Quellen berufen könne, sondern eine Erklärung des Vorsitzenden,Reichsgerichtsrats Dr. Nie dner : „Ich muß vor aller Oefsentlichkeit betonen, daß ich den Gegensatz zwischen Deutschen und Juden ablehnen muß. Es gibt keinen Gegensatz zwischen Deutschen u n d I u d e n. Juden, die Mitglieder des deutschen Staates sind, sind ebenso gute Deutsche wie die anderen." Deutschland und der Antisemitismus. Unter dieser Ueberschrift schreibt Paul Nathan in der amerikanischen „Jewish Tribüne", vom 5. v. M. einen schön gefärbten Artikel, der die folgenden Feststellungen bringt: „Der Mann, dem die Verwaltung des Privatvermögens Kaiser Wilhelms I. übertragen war, war der jüdische Bankier Baron Moritz v. Cohen, dem der Kaiser während seines ganzen Lebens unerschütterliche Anhänglichkeit bewahrte. Das Privatvermögen Bismarcks war in Händen des jüdischen Bankiers Gerson v. B l e i ch r ö d e r. Es war natürlich für die Zwecke des Antisemitismus sehr unbequem, daß diese Juden dem Kaiser so nahe standen. Kaiser Friedrich betrachtete den Antisemitismusals eine „Schande für das Land", und die Kaiserin Friedrich (eine englische Prinzessin) hatte stets Juden und Jüdinnen um sich herum. Als Wilhelm II. den Thron bestieg, befand er sich; unter dem Einfluß des Antisemiten Stoecker; bald befreite er sich aber davon und umgab sich mit einer Anzahl von Juden. Er machte sie zu seinen intimen Freunden und sie wurden herbeigezogen, um ihm als Berater zu dienen. Unter diesen Juden befand sich auch R a t h e n a u, der Vater von Walther Rathenau, ferner James Simon, der eine führende Rolle spielte bei den Ausgrabungen am Euphrat und Tigris und in Aegypten, Max Marburg aus Hamburg, ein Bruder der Warburg's, die in Amerika einen so großen Ruf erlangten, und vor allen Albert B a l l i n, der Generaldirektor der Hapag. Ballin hatte allein von allen diesen die Gelegenheit, den Kaiser politisch zu beeinflussen. Ballin war klug, außerordentlich erfahren und gleichzeitig äußerst taktvoll in Politischen Angelegenheiten, und er bemühte sich eifrig, eine zeitweilige An- IRC MflYER K,£lds-- M. JL M. m.y Wien, H., Ölodtengasse 24. Gummimäntelfabrik Detailverkauf: Wien, JJ., Taborstraße 44.

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