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Die Wahrheit · 1923-06-15 · Heft 12 (15.6.1923) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 12 (15.6.1923)
Date
1923-06-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Die Wahrheit Nr. 12 Aus dem Jrrgärtleini der Dummheit. Man stellt in der Regel an die Geistigkeit deutschnationaler Zeitschriften keine besonders großen Erwartungen. Was aber „Der Sturm" in Hannover beziehungsweise dessen Herausgeber Georg Quindel sich leistet und den Lesern bietet, würde hinreichen ein Dutzend wesensverwandter Zeitschriften zu versorgen. „Der Sturm" ist so wenig ein verheerender Sturm wie Zettel der Weber ein Löwe war. Er ist nicht einmal ein Sturm im Wasserglase, höchstens eitel Wind. Um dieses Urteil zu begründen, winden wir ein Sträußchen aus den Stilübungen dieses Blattes vom 27. v. M. Da wurden offenbar in der Absicht, den Wucher des jüdischen Unternehmertums aufzuzeigen, einige Geschäftsergebnisse von bekannten Firmen mitgeteilt und zwar: „K a m m e r i ch Werk e, Ä.-G-, Berlin. Diese Gesellschaft hielt es für nötig, 1055 o/0 Dividende zu verteilen. Wir müssen uns nur wundern, daß die Gesellschaft keine Möglichkeit fand, 800 o/g der hungernden und notleidenden Bevölkerung zukommen zu lassen. Farbwerke vorm. Meister, Lucius L Brüning in Höchst. Diese Gesellschaft erzielte im Jahre 1922 einen Reingewinn von 3.964,9 Millionen Mark. Für Wohlfahrtszwecke „stiftete" die Gesellschaft von fast 4000 Millionen Mark „eine" Million Mark. An der Ruhr hungern Millionen Deutscher. In Höchst hat eine Gesellschaft den Mut, die Gewinnbeteiligung in solcher Weise der Öffentlichkeit bekanntzugeben. Einheitsfront!" Nun aber ist allgemein bekannt, daß die „Kammerich 'Werke" und die „Höchster Farbwerke" Betriebe sind, die von den Besitzern bis zum letzten Arbeiter als streng christ-germanisch gelten und stille, aber lebhafte Beziehungen zur deutschen Hakenkreuzlerei unterhalten. In der gleichen Nummer wird mit Neid und Bewunderung von einem „aufsteigendem Volk" berichtet: gemeint sind die; Türken, die noch vor kurzem ebenso tief am Boden lagen wie die Deutschen und sich! mit einem Ruck freigemacht haben. Wie geschah dies Wunderbare? Sehr einfach nach Sturm-Quindels Auffassung. Die Türken haben eben ein allgemeines Alkoholverbot erlassen. „Für uns aber gelte aus dem Beispiel der Türkei die Lehre: Nur ein solches Volk kann hoffen, daß es auch wieder die Kraft aufbringen wird, sich von den Ketten der äußeren Feinde zu befreien!" Darauf wäre zu bemerken, jeder, auch ^er Mindergebildete weiß, daß schon Mohamed im Koran ein allgemeines Alkoholverbot erlassen hat und Pierre Loti, der bis zum-Weltkriege ein begeisterter Verehrer der Türken war, schrieb seinerzeit: „Ein Volk, das weder Wirtshäuser noch Bordelle kennt, ist nicht unterzukriegen." Der rassenechte Germane, der immer eins trank bevor er ging und bei dem der Julrausch kultische Heiligkeit genoß, wird eher auf seine Erhebung verzichten, als auf den stillen oder kommentmäßigen Suff. Für unseren näheren Leserkreis, der vielleicht Interesse hat, das Währe über die Zustände in Oesterreich zu erfahren, übernehmen wir aus einem Briefe an den Sturm: „Die Beamtenschaft Oesterreichs leidet unter Arbeitslosigkeit noch wehr als -der Handarbeiter, weil alle Stellen möglichst mit Rassengenossen der Börsebanditen — die in Scharen aus Rußland kommen und sich auf des österreichische Volk stürzen — besetzt werden." Da ist Herr Quindel tüchtig reingefallen. Selbst die politischen Kinder wissen, daß die österreichische Regierung eine äbgekartete Sache zwischen Christlichsozialen und Deutschnationalen ist.- Es ist also weniger eine Verunglimpfung der Börsenbanditen als der Herren Seipel, Frank/ Waber und Schmitz, wenn ihnen auf den Kopf zugesagt wird, daß sie die Beamtenposten mit russischen Juden besetzen. Zum Schluß noch ein Ergötzliches: „Noch immer geht der Jubel durch den jüdischen Blätterwald, daß allen Juden, die 1918 in Rumänien ihren Wohnsitz hatten, das Staatsbürgerrecht verliehen worden ist. Daß die Juden ohne jede Formalität Rumänier wurden, ist mehr, als sie erwartet hatten. Jude bleibt Jude und Rumäne bleibt Rumäne und wer vom Juden ißt, der stirbt in Sperrschrift gebrachte Satz soll eine Anlehnung an das daran. Das wird auch den Rumänen so gehen." — Der bekannte: qui mange de Pape en meurle sein. Die heiligen Väter hatten nämlich im Mittelalter das sichere Verfahren, reiche Personen, deren Vermögen sie sich aneignen wollten, einzuladen und ihnen! vergiftete Speisen vorzusetzcn. Wer aber „vom Juden /ißt", das beweisen die unzähligen Wohlfahrtseinrichtungen und hochherziger: Spenden auch an Andersgläubige; sie haben vielen Leben und Existenz gerettet. Hiermit überreichen wir dem Herrn Quindel eine Blütenlese, ihm vielleicht! zu Nutz, dem Leser sicher zur Erbauung. Die völkische Freiheilspartei wieder gestattet. Im Reichstag führte dieser Tage Reichsminister des Innern O es er zur Entscheidung des Staatsgerichtshofes in Angelegerrheit des Verbotes der deutschvölkischen Freiheitspartei aus, diese Partei sei als Partei anzuerkennen, aber nach dem republikanischen Schutzgesetz sei auch ein Verbot politischer Parteien durchaus möglich. Nur Fraktionen könnten nicht verboten werden. Uebrigens solle den deutschvölkischen Abgeordneten nach einem Erlaß des preußischen Ministers Severing das Recht gegeben werden, in Versammlungen zu ihren Anhängern zu sprechen. Mißbrauch des Alten Testaments. In der „Münchener Katholischen Kirchenzeitung" Nr. 17, Organ der Pfarrgemeinden, Kongregationen und Preßvereine Bayerns, rechnet unter obigen Titel ein bedeutsamer Aufsatz mit den völkischen Hassern des Alten Testaments ab: „Einen besonders krassen Mißbrauch mit der Bibel des Alten Testaments hat der Thüringer Dr. A. Di nt er getrieben, der in der vergangenen Woche in München beim Deutschvölkischen Rechtsblock gesprochen hat. Mit Recht haben unsere beiden katholischen Zeitungen „Bayer. Kurier" und „Neues Müncher Tagblatt" bemerkt, Dinters Christentum sei ein ganz anderes als unser Christentum, wenn Dinter darüber auch bei seinem Vortrag in München nichts 'verlauten lieft. In feinem Mrtichristlichen Tendenzroman „Die Sünde wider das Blut" hat ct biblische Schriftstellen, ohne auf den Zusammenhang zu achten, für rassentheoretische Zwecke verwertet und hat bisweilen Worte willkürlich eingefügt/ um den Eindruck bei den bibelkundigen Lesern zu verstärken (vgl. Dt. >7, 16^Jes. 60, 16). Ganz unwissenschaftlich ist die Auslegung des'Gottesnamen El-schadda:. Bei keinem der namhaften Semitologen ist die Deutung Dinters zu finden, trotzdem! bildet sie für ihn den Ausgangspunkt zu seiner weiteren Folgerungen. Direkt lächerlich wirkt die Zusammenstellung von Elschaddai mit dem türkischen Scheitan, das mit dem arabischen gar nicht einmal wurzelverwandten Wort zusammenhängt. Darauf baut Dinter seinen Beweis, daß Abraham seinen Bund mit dem bösen Geist (!) schloß oder, wie er geschmackvoll beifügt, „um in mittelalterlicher Auffassung zu reden", seine Seele dem Teufel verschrieb (S. 74). Der m München von der Deutschvölkischen so hochgepriesene Dinter stützt sich be: seinen biblischen Erörterungen auf Th. Fritsch, der 1911 ein Buch unter deM

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