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Die Wahrheit · 1923-06-15 · Heft 12 (15.6.1923) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 12 (15.6.1923)
Date
1923-06-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 12 Die Wahrheit Seite 11 Aus unserem Rechtsschutzu. Abwehrbüro. Beschränkung der Freizügigkeit. Wir haben an: 26. Mai folgende Eingabe an die Tiroler Landesregierung gerichtet: „Der Bürgermeister der Gemeinde Fieberbrunn hat am 18. April d. I. folgenden Aufruf verlautbart: Im Aufträge des Gemeinderates und laut Sitzungsbeschluß vom 8. April 1922 werden alle Hausbesitzer ersucht, keine Wohnungen oder Zimmer an Juden zu vermieten, überhaupt keine Juden als Sommergäste in unserem Orte aufzunehmen. (Gemeindestempel.) Der Bürgermeister: Johann Trösel Dieser Beschluß verstößt gegen d!ie Artikel 4 und 6 des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger, vom 21. Dezember 1867 R.G.Bl. 142 und wir stellen daher das Ersuchen: Die Tiroler Landesregierung wolle den gesetzwidrigen Beschluß des Gemeinderates Fieberbrunn twm' 8. April 1922 außer Kraft setzen." Eine Abschrift dieser Eigabe haben wir an das Bundesministerium des Innern mit dem Ersuchen gerichtet, auch seinerseits kraft des staatlichen Aussichtsrechtes die Sistierung des erwähnten Gemeindebeschlusses zu bewirken. Antisemitismus und Reaktion. Es ist längst ein offenes Geheimnis, daß der „Wiener Jndustriellenverband" aus der: Beiträgen seiner Mitglieder antisemitische Organisationen unterstützt und namentlich der F r o n t k ä m p f e r- Vereinigung und den sogenannten 5) e i m w e h r e n reichliche Subventionen züführt. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob diese Aktion sich lediglich gegen die Sozialdemokraten richtet, oder ob damit auch „höhere" politische Zwecke betreffs der künftigen Staatsform beabsichtigt werden. Tatsache ist, daß die Frontkämpfervereinigung mit hhtt famosen General Kraus an der Spitze und die Heimwehren scharf raktionäre Sturmtruppen sind und sich der Judenhetze bedienen, um ihre gegen die Republik gerichteten Bestrebungen den breiten Massen Mundgerecht zu machen. Daß die Juden diesen Streit um die künftige Staatsform nicht ans Ihren Rücken austragen lassen wollen, ist wohl begreiflich, und daher nur zu begrüßen, daß einige jüdische Industrielle unter Führung des Herrn Dr. Bruno Pollak gegen diese materielle Förderung antisemitischer Tendenzen entschiedene Einsprache erhoben haben. Die Verbandsleitung hat zuznnüchst geleugnet, daß hakenkreuzlerische Organisationen unterstützt werden, sie hat aber in weiterer Folge die Subventionierung der Frontkämpfer und Heimwehren zugestanden. Soweit es sich um die Judenhetze handelt, kommt das auf eins heraus. Dem „Jndustriellenverband" gehören auch zahlreiche jüdische Mitglieder an, welche sich doch darum kümmern sollten, wie ihre Beiträge verwendet werden. Wir können unmöglich glauben, daß die Mehrzahl dieser Mitglieder sich mit der gekennzeichneten Verwendung ihrer Beiträge einverstanden erklären sollte. Der Plan, die Juden in eine bürgerliche Einheitsfront mit antisemitischen Sturmtrnppen der Reaktion zu zwingen, wird nicht gelingen. Und solange die Monarchisten den Antisemitismus als Schrittmacher benützen, wird der jüdische Mittelstand für diese Spottgeburt aus Dreck und Feuer nicht zu haben sein. Der „Jndustriellenverband" macht schlechte Politik und drängt seine jüdischen Mitglieder in ein Lager, welchem sie innerlich gar nicht angehören. Dreiste Lügen der Hakenkreuzler. Die „Grazer Tagespost" vom 7. Mai d. I. brachte in ihren:! Nachmittagsblatt eine Zuschrift von einem Herrn Heliodor Löschnigg, in welcher behauptet wurde, der Jude Kupfer in München habe 3 Millionen Mark für die Ermordung Adolf Hitler's geboten. Unser Rechtschutzbüro hat diese Zuschrift nach München geleitet, von wo aus die „Grazer- Tagespost" durch den Verteidiger des Herrn Josef Kupfer, Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Levinger, zu der Richtigstellung genötigt wurde, daß Kupfer allerdings aus die Anzeige eines Nationalsozialisten, der sich damit für eine gegen ihn wegen Unterschlagung erstattete Strafanzeige rächen wollte, unter jener Anschuldigung polizeilich festgenommen, nach Aufklärung des Sachverhaltes durch das zuständige Gericht aber alsbald wieder aus der Haft entlassen wurde.; [ ■ Mitteilungen uns dem Zentralvorstand. Die dritte ordentliche Delegiertenversammlung der „Union deutschösterreichischcr Juden" hat am 16. Mai d. I. .im Saale des n. ö. Gewerbevereines stattgefnnden. Zu derselben war der Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Herr Generaloberstabsarzt Professor Dr. P i ck und die Kultnsvorsteher Dr. Jakob E n g e l, Dr. Josef T i ch o, Julius Berger und David D o h a n erschienen. Der in unserer letzten Nummer veröffentlichte Tätigkeitsbericht wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. An denselben knüpfte sich eine längere Diskussion, in welcher die Herren Dr. Stieglitz, Marzell Salzer und Dr. K a r d e g g wertvolle Anregungen boten. Die Versammlung erteilte dem Vorstande einstimmig das Absolutorium. Die Herren Karl Friedmann, Medizinalrat Dr. Heinrich H a a s e und Richard T e w e l e s wurden in die Zentralleitung wieder, Herr Moritz O e st e rr eiche r neu gewühlt und Herr Dr. Maximilian Stieglitz in d'en Beirat berufen. — Mit Rücksicht ans die gewaltigen Ausgaben, welche durch die den: verstärkten Antisenlitismns anzupassenden neuen Berteidigungs- und Abwehrmethoden verursacht werden, wurde beschlossen, den jährlichen Mindestbeitrag unter Festhaltung des Systems der freiwilligen Selbsteinschützung mit 10.000 Kronen sestzusetzen. ■■ Q D hb nDDn m D ö m biDDh »H D Ci»» nEaa5aDEaDEDa°an°DD°aoEDD°BD°a n“ nQPn °an° Bnna ponn ng Der Judenhass wächst! Nur fester Zusammenschluss und Opferwilligkeit zu gemeinsamer Abwehr können dagegen helfen! Tretet der „Union deutsch-österreichischer Juden“, Eurer bewährten Schutzorganisation bei! Stärket unseren Pressfond! Abonniert unser Organ „Die Wahrheit!“ Tue Jeder seine Pflicht! ln gDQg gBDg gOBg n B

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