Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 12 (15.6.1923)
- Date
- 1923-06-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Die Wahrheit Nr. 12 Schrift, die man späterhin ,„Ksam Raaz" (die Schrift des Pöbels I8) nannte; denn im hebräischen Altertum konnte jedermann im Pöbel lesen und schreiben (wie auch heute noch jeder Dorfjunge in Mußland und Polen hebräisch lesen und schreiben kann und die beiden Volksbücher Talmud und Thora kennt). Als später die Assyrer erkannten, daß ihre jüdischen Kriegsgefangenen das „V o l k d e s B u ch e s" seien, daher der assyrischen Staatswissenschaft Vorteile bringen könnten, förderten sie (zum Unterschiede von den Römern) deren Akademien, um sich mit den Früchten jüdischer Wissenschaft zu segnen. Aus Dankbarkeit und um ihre Forschungen den Assyrern zugänglicher zu machen, nahmen die Juden die Schrift der Assyrer an, in der bis auf den heutigen Tag die Thora-Rollen geschrieben und die hebräischen Gebetbücher gedruckt werden. Man nennt sie die „Ksaw - Aschuru t" (die assyrische Schrift). Herodot, der immer bloß von Phöniziern spricht, sah die zwei Völker, bei gleicher Sprache und gleicher Schrift als ein Voslkan, trotz (Verschiedenheit des Glaubens; so wie wir dick katholischen und die evangelischen Deutschen, die braunäugigen Süddeutschen und die blauäugigen Norddeutschen als ein Volk ansehen. Kein Wunder somit, daß diese beiden sprachlich und geographisch vereinigten Völker, deren Land zu klein) war, um sie zu beherbergen, deren Boden zu steinig, um!/sie zu ernähren, deren Intelligenz zu hoch, um zu stagnieren, deren blaue Küste zu verlockend — daß sie der Welt die ersten Seefahrer stellten. Schon zu Homers Zeiten (400 v. Chr.) segelten Hebräer und Phönizier nach Usia und Ophir, welches manche in Arabien, andere in Indien vermuten 19). Im Jahre 950 v. Chr. baut König Salomo eine Flotte, die von Eziongeber (Palästina) nach Ophir (Arabien In Europa segelten die Juden bis Spanien, wo ein Diener König Salomos begraben ist. Im IX. Jahrhundert befahren sie die Donau, die Oder, die Elbe und befruchten von Konstantinopel aus den skandinavischen Handel 19) Der erste Weltumsegler war Rabbi Benjamin b e n Jona aus T u d e l a (in Navara, Spanien), der in 13 Jahren (von 1160 —1173) die ganze damals bekannte Welt umsegelte, um die Zustände unserer zerstreuten Glaubensgenossen kennen zu lernen. Rabbi Jehuda aus Balenzia rüstet 1263 eine Flotte ,aus, ftie er dem Könige Jakob! I. von Aragonien zur Verfügung stellt. Die jüdische Gemeinde jvon T o r d o s a rüstet 1323 eine Flotte mit jüdischen Matrosen aus, die sie dem Könige behufs Eroberung von Cordena zur Verfügung stellt. Hundert Jahre später kämpfen jüdische Seefahrer unter Johann I., König von Portugal bei C e u t a (Marocco) gegen die Berberen. Vorbedingung der Seeschiffahrt ist aber Astronomie. Die Schicksale (der Seeschiffahrt und der Astronomie sind eng miteinander verflochten. Seit Rabbi I e h o s ch u a h Ben Hannanias Zeiten, der die Umlaufzeit eines Kometen entdeckte, waren die jüdischen Akademien in Astronomie bahnbrechend. Mar Samuel der Amoräer, der in Nardea (Babylonien) lehrte (160 —157), sagte: „Die Bahnen der Gestirne sind mir bekannter als die Straßen von Nardea". AlfonsderWeise, König von Castillien (1252 bis 1284) läßt vom jüdischen Astronomen. Jsaac ibn Sin astronomische Tabellen berechnen, die man späterhin Tabulae Alphonsiae benannte. 18) Schleyden, Bedeutung der Juden etc. 19) Dr. Moritz Rosenstock, Völkerwanderung und ihre Folgen für die Juden Europas. Astronomie war jüdische Spezialwissenschaft. Heinrich der Seefahrer, König von Portugal, ernannte 1438-den durch.?'Entwurf voll Seekarten und astronomischen Meßinstrumenten berühmten Juden Jehuda Eresques aus Palma (aufMalorca) zum Leiter der Nautischen Akademie in S a g r e s. Dieser verbesserte den A st r o l a b zur Ortsbestimmung auf offener See. Auch Cresques wohnte in der Nähe des Bethamidrasch, um seinen Geist durch Bibel-Kommentatoren stets laben zu lassen. Der jüdische Astronom Abraham ibn Esra und der jüdische Arzt Jacob ben Machir verbessern ihrerseits den Astrolab i. I. 1481.: Johann II., König von Portugal,, setzt eine astronomische Kommission (Junta) ein, behufs weiterer Verbesserung der Ortsbestimmungsmethoden auf offener! See. Zst Mitgliedern dieser Kommission zählte der jüdische Astronom Josef Vecinho, der jüdische Mathematiker B e h a i m und der jüdische Arzt R o d r i g o. Denselben IosefVecinho entsandte später der König nach Guinea, die Sonnenhöhe zu messen. Der Bischof von Salamanca, Diego de Deza ernannte den berühmten jüdischen Astronomen A b r a h a m Z a c u t o (geb. zu Salamanca 1450) zum Professor der Astronomie an der Universität dieser Stadt. Ein numerus elausus, der einem Scheiterhaufen ähnlich sah, veranlaßte diesen Gelehrten, nach Portugal zu übersiedeln. Nicht zu seinem Schaden. Denn Johann II., König von Portugal, Zacutos berühmtes Buch „Ueber die Theorie der Stürme" kennend, beauftragt ihn, einen .Navigations-Plan zur Expedition nach Indien zu entwerfen. Nun sind wir an die Schwelle der großen Entdeckerneuer Welten gelangt: Columbus, Vasco de Gama und Americo Vespuzzi. Ueber ihre jüdischen Mitarbeiter schweigen sich unsere Schulbücher gründlich aus. Dieses Schweigen beantwortet die Frage eines westlichen Politikers, warum sich die „vornehm" tuenden Juden in deutschen und slavischen Ländern so zahlreich taufen, in romanischen und anglo-sächsischen?aber ,— nicht. Ans slavischen und deutschen Büchern können die jüdischen Schüler niemals erfahren, welche großem Volke sie angehören; — die christlichen nicht, mit welch' großem Volke sie in gemeinsamen Staatshaushalte leben. Deutsche und slavische Politik spaltet ihre eigene Bevölkerung, bevor sie noch aus dem Ei der Schule gekrochen. Zu eigenem Schaden. Denn die Geschichte lehrt, daß bloß diejenigen Staaten Bestand' haben, die alle Territorialbewohner zu einer Front vereinigen. Untergegangen sind immer diejenigen, deren Bürgerschaft zu Rassen- und Religions-Elementen zerfallen war. (Fortsetzung folgt.) KONKURS. Die jüdische Gemeinde in Melbourne (Australien) sucht per sofort einen stimmbegabten, musikalischen ersten Vorbeter (Tenor bevorzugt). Anfangs» gehalt & 400 per annum. Reflektanten müssen entsprechende hebräische Kenntnisse besitzen und unter 40 Jahre sein. - _ Offerte sind bis spätestens 30. Juni 1. J. zu senden an: Rev. Israel Brodie B. A. London St. Georges Settlement, 28 Betts Street El »»««MWML sriÜ m